Im Sommer fehlt Prien ein Hotel

Prien - Im Frühjahr, Herbst und Winter bleiben viele Urlauberbetten leer, im Sommer gibt es zu wenig. Touristen müssen wieder aus Prien weggeschickt werden, weil alles ausgebucht ist.

Dieses Dilemma war einmal mehr Thema, als im Wirtschafts- und Tourismusausschuss die Hauptsaison bilanziert und die Pläne für 2012 präsentiert wurden.

"In Spitzenzeiten haben wir die Leute weggeschickt. Es fehlt ein Hotel." Bertram Vogel, seit April Geschäftsführer der Priener Tourismus GmbH (PTG), tritt mit dieser Diagnose in die Fußstapfen seiner Vorgänger im Amt. Auch heuer hätte die PTG im Juli und August mehr Gäste an örtliche Betriebe vermitteln können, hätte es noch freie Zimmer gegeben. Weil die Anfragen von Jahr zu Jahr immer kurzfristiger kommen, wird der Engpass offenkundiger.

Bis zu 100 Anfragen gingen heuer in der Hauptsaison Vogel zufolge per Mail bei der PTG ein. Und auch unter den bis zu 400 Gesprächen am Schalter im Tourismusbüro waren zahlreiche Urlauber auf Zimmersuche.

Der Trend zu spontanen Buchungen lässt sich auch aus der bisherigen Jahresbilanz der PTG herauslesen, die Vogel dem Ausschuss im großen Sitzungssaal vorlegte. Bis einschließlich August kamen heuer gut 60100 Übernachtungsgäste in die Marktgemeinde, etwas über vier Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (zirka 57700). Trotzdem ging die Zahl der Übernachtungen um gut 3000 beziehungsweise 1,2 Prozent auf 252400 zurück, weil die Urlauber nicht mehr so lange bleiben.

Den Trend zur kürzeren Aufenthaltsdauer, die in Prien innerhalb eines Jahres von 4,4 auf 4,2 Tage sank, beobachten Touristiker schon seit vielen Jahren.

Dass Prien ein zusätzliches Hotel, möglichst im Vier-Sterne-Segment, gut zu Gesicht stehen würde, sahen auch die meisten Ausschussmitglieder so. Bürgermeister Jürgen Seifert berichtete, ohne den Namen zu nennen, von einer Gemeinde aus dem Landkreis, die ihre Übernachtungszahlen im zweiten Jahr in Folge um einen zweistelligen Prozentbetrag gesteigert hat - weil sie zwei Hotels gebaut beziehungsweise deren Neu- oder Umbau genehmigt habe. "Wenn man signifikant etwas verändern will, braucht man entsprechende Betten", leitete Seifert ab. Mit Maßnahmen zur Steigerung der Auslastung in der Nebensaison allein sei das nicht machbar.

Und: "Wir haben nicht jedes Jahr eine Landesausstellung." Der Werbeaufwand, den Freistaat und Landkreis für die "Götterdämmerung" auf Herrenchiemsee betrieben hätten, übersteige bei weitem die Möglichkeiten Priens.

Inwieweit die Beherbergungsbetriebe in der Marktgemeinde von dem Ansturm profitiert haben, darüber kann nur spekuliert werden. Einig waren sich die Ausschussmitglieder aber mit Vogel, dass die Besucher der Landesausstellung zum weit überwiegenden Teil Tagesausflügler waren, also nicht in Prien übernachtet haben.

Dass der Marktgemeinde ein Hotel fehlt, unterstrichen in der Sitzung auch Anton Schlosser (CSU) und Thomas Ganter (SPD). Beide berichteten unisono, dass sie schon versucht hätten, Tagungen ihrer Firmen in die Marktgemeinde zu holen, dies aber an den fehlenden Kapazitäten gescheitert sei.

Eine andere Präferenz hatte Tobias Ihm ("Miteinander für Prien", MfP, bisher MDfP). Er würde lieber eine Stärkung der bestehenden Häuser sehen und gab zu bedenken, dass Urlauber "nicht nur einen Platz zum Schlafen brauchen". Auch die Infrastruktur müsse passen, mahnte er an und wies darauf hin, dass zum Beispiel die Priener Badeplätze in diesem Sommer zeitweise sehr überlaufen waren.

Der Kongress- und Tagungstourismus, den Schlosser und Ganter vergeblich versucht hatten anzukurbeln, gilt vielen als ein vielversprechendes Segment, gerade auch die Nebensaison zu beleben. Vogel kann sich diese Zielgruppe ebenfalls als einen künftigen Schwerpunkt vorstellen - wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu bräuchte es Zimmerkapazitäten für größere Teilnehmerzahlen unter einem Dach und Räume zum Tagen. Zunächst soll eine Art "virtuelles Saalmanagement" aufgebaut werden, erläuterte der PTG-Chef im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Die PTG will also den Bestand aller örtlichen Räumlichkeiten zusammenfassen, die sich für Tagungen und Kongresse eignen könnten.

Maßnahmen zur Belebung der Nebensaison, die auf der Agenda regionaler Touristiker seit langer Zeit beständig weit oben stehen, ergreift natürlich auch die PTG immer wieder. Gerade hat sie für den Herbst ein Paket mit Pauschalangeboten geschnürt, das Prien als Radfahr- und Wanderregion preist. Mit Beteiligung der Vermieter wirbt die PTG unter dem Slogan "Sieben Nächte buchen, sechs Nächte bezahlen". Auch ihre beiden Christkindlmärkte in Prien und auf der Fraueninsel nutzt die PTG für die Werbung. 11.000 Kunden aus ihrer Adresskartei aus dem gesamten Bundesgebiet hat sie Vogel zufolge angeschrieben und über die aktuellen Angebote informiert.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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