Sorge um den Feuerwehrnachwuchs

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Rund 850 Einsätze hatten die Feuerwehren im Traun- und Achental, dem Inspektionsbereich Traunstein Land 2, in diesem Jahr zu bewältigen. Ein Schwerpunkt war die technische Hilfeleistung und Menschenrettung bei Verkehrsunfällen, eine Aufgabe, die den Floriansjüngern viel abverlangt und die Psyche belastet.

Grabenstätt - Die Sorge um den (fehlenden) Feuerwehrnachwuchs war das beherrschende Thema bei der Dienstversammlung der 20 Feuerwehren im Inspektionsbereich.

 „Die Zahl der Jugendlichen geht zurück und somit auch die Zahl der Jugendfeuerwehrler“, so Kreisbrandinspektor (KBI) Georg König. Er meint, dass die Probleme bei der Gewinnung junger Menschen für die Feuerwehren nicht wahr genommen werden. „Nachwuchsprobleme erkennen und Handeln“ lautete seine Aufforderung an die Aktivenchefs. Was zu tun ist um die Jugend für den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst zu begeistern, müsse jede Feuerwehr für sich entscheiden. Von Erfolg gekrönt sei die Jugendarbeit nach Meinung des Kreisbrandinspektors aber nur, wenn Feuerwehren im Nachwuchsbereich zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.

Messen lasse sich das Nachwuchsproblem an der Zahl der Buben und Mädchen, die eine Jugendleistungsprüfung ablegen. Seit mehreren Jahren stagniert die Teilnehmerzahl im Inspektionsbereich. In diesem Jahr waren es nur 32 Jugendliche aus den 20 Feuerwehren, die als Neulinge den Jugendtest erfolgreich meisterten. Dies ist ein neuer Tiefstand. 2004 waren es mit 71 Teilnehmern noch mehr als doppelt so viele erfolgreiche Anwärter. Auch wenn die Jugendarbeit gut läuft, müssen sich die Verantwortlichen selbstkritisch fragen, was zu tun ist um die jungen Menschen nach Erreichen des 18. Lebensjahres als Aktive bei den Feuerwehren zu halten und deren ehrenamtliches Engagement zu fördern.

Versöhnlich stimmte den Kreisbrandinspektor die erfreuliche Zahl von 108 Teilnehmern beim Wissenstest der Feuerwehrjugend, obwohl nur Anwärter von zwölf der 20 Feuerwehren im Inspektionsbereich mitwirkten. König wies nachdrücklich darauf hin, welche besondere Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg der Nachwuchsarbeit die Jugendwarte haben. „Die Jugendlichen sind voll engagiert, wollen gefordert werden und brauchen eine Aufgabe!“ Dieser Eifer dürfe nicht enttäuscht werden, weil der Jugendwart zum Beispiel den Termin des Wissenstests vergisst oder Jugendliche nicht mitmachen lassen. Ein positives Beispiel der Zusammenarbeit in der Jugendarbeit sei der Inspektionsjugendtag, der im Hochseilgarten am Masererpass stattfand und von der Feuerwehr Reit im Winkl perfekt organisiert wurde. Der Kreisbrandinspektor hofft, dass der Kreisjugendfeuerwehrtag, der am 14. Juli 2012 in Erlstätt stattfindet, einen neuen Motivationsschub für die Jugendarbeit auslöst. „Die Jugend ist unsere Zukunft – wir müssen kreativ sein und vielfältig werben, um junge Menschen für die Feuerwehr zu begeistern“, so Königs Appell an die Kommandanten.

Wechselhaft ist die Bilanz der erfolgreich absolvierten Leistungsprüfungen bei den Aktiven. Während die Teilnehmerzahl bei der Prüfung der Gruppe im Löscheinsatz von 99 im letzten Jahr auf 152 in 2011 stieg, gab es bei der Technischen Hilfeleistung einen Rückgang um fast 50 Prozent auf 66 Teilnehmer (129 in 2010). König lobte die Feuerwehren Erlstätt, Inzell, Grassau und Übersee, die in diesem Jahr alle zwischen 25 bis 30 erfolgreiche Prüfungsteilnehmer verzeichnen konnten. Die Leistungsprüfung, insbesondere das Üben und die Vorbereitung darauf, sei eine hervorragende Art der Ausbildung der Grundkenntnisse. Dies intensiv zu nutzen bat der Kreisbrandinspektor die Kommandanten.

Der Inspektionschef lobte das „sehr gute Ausbildungs- und Kursangebot“ des Kreisfeuerwehrverbandes und forderte dazu auf, von den vielfältigen Schulungsmöglichkeiten Gebrauch zu machen. König würdigte auch das neue dezentrale Konzept der Truppmannausbildung, ebenso wie den neuen Lehrgang „Technische Hilfeleistung“, für den in Grassau der erfolgreiche Pilotlehrgang stattfand.

Bis zum Jahresende erwartet der Inspektionschef insgesamt rund 850 Einsätze. Damit leisten die 20 Feuerwehren im Achental und südlichen Trauntal etwa ein Drittel aller Einsätze im Landkreis Traunstein. Die Palette reichte von vielen Verkehrsunfällen mit Schwerstverletzten und Toten über Suchaktionen nach Vermissten und der Rettung von hilflosen Personen aus Wohnungen. Als besonders tragisch und auch für die eingesetzten Feuerwehrhelfer psychisch belastend bezeichnete König den Tod einer Urlauberin, die bei Waldarbeiten nahe Ruhpolding von einem Baum erschlagen wurde. Auch bei einem Schwelbrand in Holzhausen kam die schnelle Hilfe von Rettungsdienst und Feuerwehr zu spät. Eine Frau starb an einer Rauchgasvergiftung und konnte nur noch tot geborgen werden.

Der größte Löscheinsatz war der Brand eines Wohn- und Geschäftshauses in Marquartstein in der Nacht zu Silvester 2010. Dort waren 13 Feuerwehren mit mehr als 250 Helfern im Einsatz. König würdigte die professionelle Leistung der freiwilligen Dienstleistenden. Stets sei engagierte Arbeit erbracht und hoch motiviert Hilfe für Menschen in Not oder in Lebensgefahr erbracht worden. Für sehr wichtig sieht es König an, Einsatznachbesprechungen durchzuführen, bei denen auch mögliche psychische Belastungen der Feuerwehrler angesprochen werden. Das Erleben menschlichen Leides bei Einsätzen mit Schwerverletzten oder Toten dürfe nicht zur Belastung werden. Der KBI empfahl den Kommandanten bei Bedarf auf das „Helfer-Interventions-Team“ des Kreisfeuerwehrverbandes zurückzugreifen, das den Kameraden Hilfestellung bei seelischen Belastungen gebe. Erleichtert zeigte sich der KBI, dass bei den Einsätzen dieses Jahres kein Feuerwehr-Helfer verletzt wurde.

König verwies auf die enormen Verbesserungen durch die Integrierte Leitstelle Traunstein. Die zeitgleiche Alarmierung von Rettungsdienst und Feuerwehren und das sogenannte „Routing“, mit dem das Rettungsmittel mit dem kürzesten Anfahrtsweg zum Einsatzort alarmiert wird, seien noch nicht in allen Köpfen präsent. Sich dies zu verdeutlichen sei wichtig, denn häufig seien die Floriansjünger als Erste am Unfall- oder Brandort. Dies erfordere Helfer mit guten Kenntnissen der Ersten Hilfe, um den Zeitraum bis zum Eintreffen von Notarzt und Rettungsdienst mit lebensrettenden Maßnahmen zu überbrücken.

Kreisbrandrat Hans Gnadl informierte über verschiedene aktuelle Themen und hob dabei besonders die Diskussion um den Tetra- oder Digitalfunk hervor. Der Kreisfeuerwehrchef sprach sich mit Nachdruck für eine baldige Realisierung der neuen Funktechnik aus. „Wir brauchen den Tetrafunk – daran führt kein Weg vorbei!“ Funktionierende und zuverlässige Kommunikationstechnik trage entscheidend dazu bei Leben zu retten und Sachwerte zu schützen, so der Kreisfeuerwehrchef in seinem leidenschaftlichen Plädoyer für den Tetrafunk.

Fachkreisbrandmeister Christof Grundner berichtete über Neuerungen im Bereich Atemschutz, insbesondere über die, für den Spätsommer geplante Inbetriebnahme der Rauchdurchzündungsanlage, die der Aus- und Fortbildung von Atemschutzträgern dient. Die Anlage entsteht in Übersee. Hans Heigermoser, stellvertretender Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Traunstein, würdigte die hochprofessionelle Arbeit der Feuerwehren.

„Die Polizei braucht die Feuerwehren ganz dringend als verlässlichen Partner bei verschiedensten Einsätzen. Ohne die Feuerwehr läuft nichts!“ Bürgermeister Georg Schützinger zollte den Feuerwehren im Namen aller Rathauschefs des Inspektionsbereichs Respekt für ihre engagierte und ehrenamtliche Arbeit sowie die Motivation und ständige Einsatzbereitschaft, um Menschen in Not schnell und effektiv helfen zu wollen.

pv

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