Spatenstich erfüllt Traum junger Leute

Prien - Großer Jubel unter vielen jungen Menschen mit Behinderung: Sie bekommen ein Zuhause in Prien.

Nach jahrelangen Vorarbeiten beginnt der Verein "Leben mit Handicap" mit dem Bau einer Wohnanlage in Nachbarschaft zum großen Kursaal.

Am Dienstagnachmittag, den 30. August war der Spatenstich. Dass der Traum der jungen Leute in Erfüllung geht, haben sie den Lesern des Oberbayerischen Volksblattes und seiner Regionalausgaben zu verdanken: Sie haben den Anstoß gegeben und 200.000 Euro für den Bau der Wohnanlage gespendet.

Mit der Sonne strahlten die künftigen Bewohner des Heimes um die Wette, als sie - zusammen mit den Geldgebern und Politikern (unter anderem den Landtagsabgeordneten Maria Noichl und Klaus Stöttner) - zum Spaten griffen und den Startschuss für die Baumaßnahme gaben. Ein großer Wunsch, den sie schon lange gehegt hatten, geht für sie in den nächsten Monaten endlich in Erfüllung: Sie bekommen ein Wohnheim. Wenn alles nach Plan läuft, dann ziehen in einem Jahr 30 junge Erwachsene ein.

Große Freude in einer großen Familie: Mit dem Spatenstich gaben künftige Bewohner, Geldgeber und Politiker gemeinsam den Startschuss für den Bau der Wohnanlage für Menschen mit Behinderung.

Viel Wasser ist die Prien hinunter geflossen, ehe Vereinsvorsitzender Günther Bauer und seine Mitstreiter nun an die Verwirklichung ihrer Pläne gehen können. Von Anfang an zeitraubend gestaltet hatte sich die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Nachdem sich andere Standorte nicht verwirklichen ließen, kaufte der Verein ein rund 2000 Quadratmeter großes Grundstück an der Straße Stauden. Weitere Monate gingen alsdann ins Land, bis der Marktgemeinderat nach Diskussionen über die Bauweise und das Ausmaß dem Vorhaben schließlich zustimmte.

In der Wohnanlage mit drei Voll- und einem Terrassengeschoss entstehen 30 Plätze. Der Verein "Leben mit Handicap" will jungen Erwachsenen die Möglichkeit geben, ihr Leben eigenständig zu führen - soweit es deren Einschränkungen erlauben. Von Mitarbeitern des ambulanten Pflegedienstes Mayer & Reif, der in der Umgebung auch einige Seniorenheime betreibt, werden die Bewohner betreut. Am Tag arbeiten sie in den Wendelstein-Werkstätten in Raubling oder der Förderstätte Attl. 28 der 30 Zimmer in der Wohnanlage sind bereits vergeben.

Das L-förmige Gebäude wird auf einer Grundfläche von 660 Quadratmetern gebaut. Im Erdgeschoss, im ersten und zweiten Stock werden jeweils zehn Zimmer mit Nasszellen und eine gemeinsame Küche eingerichtet, im Parterre und in der zweiten Etage weitere kleine Gemeinschaftsräume. Ganz oben in einem zurückgesetzten Terrassengeschoss entsteht ein großer Raum, der als Begegnungsstätte von Bewohnern und Bevölkerung dienen soll. Die Miete, die der Bewohner beziehungsweise seine Familie zu zahlen hat, beträgt 4,25 Euro pro Quadratmeter.

Große Unterstützung erfährt das Vorhaben aus der Bevölkerung: Für den Bau der Wohnanlage haben die Leser des Oberbayerischen Volksblattes und seiner Regionalausgaben 200.000 Euro gespendet. Das Geld stammt aus der Weihnachtsaktion der Heimatzeitung 2008 "Behindert und mitten im Leben" für den Verein "Leben mit Handicap" und den "Förderverein Integriertes Wohnen Schießstattstraße Rosenheim". Ebenso 200000 Euro spendet die Sparkassenstiftung Zukunft für den Landkreis Rosenheim. Eine großzügige Unterstützung kam auch von der Manfred-Halbauer-Stiftung.

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Die eigens zu diesen Zwecken gegründete "Leben mit Handicap Prien GmbH & Co. KG" baut - und betreibt dann auch - die Wohnanlage in Prien. Nach Angaben von Bauer stemmt sie Ausgaben in Höhe von insgesamt rund 4,5 Millionen Euro. Die Familien der späteren Bewohner bringen sich mit gut 1,5 Millionen in das Vorhaben ein, die Regierung von Oberbayern gewährt der GmbH und Co. KG ein zinsgünstiges Baudarlehen in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Anlässlich des Spatenstichs war Bauer voller Vorfreude auf die Wohnanlage - und ebenso voller Dankbarkeit über die großzügige Unterstützung. Das Oberbayerische Volksblatt mit Geschäftsführer Oliver Döser sei ein "sehr großer Partner", die Sparkassenstiftung für den Landkreis Rosenheim mit ihrem Vorsitzenden Landrat Josef Neiderhell und dem stellvertretenden Vorsitzenden Alfons Maierthaler, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, ebenso ein "wesentlicher Finanzier". Große Unterstützung habe das Projekt von der Regierung erfahren, die Marktgemeinde Prien sei "sehr hilfreich" gewesen.

"Menschen mit Behinderung gehören zur Gesellschaft. Sie brauchen ihren Platz nicht irgendwo, sondern in der Gesellschaft", betonte Bürgermeister Jürgen Seifert. Er forderte eine "offene Auseinandersetzung" mit ihnen. Statt immer nur zu sagen, was sie nicht können, sei klar zu machen, was sie alles können. "Ich bin mir sicher, dass wir einen Ort schaffen werden, in dem das Glück zuhause ist", sagte der Rathauschef. Und er hoffte, dass das auch jene Anwohner spüren, die "vielleicht noch gegen das Projekt sind".

Gernot Pültz (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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