"Spinnen ist kinderleicht"

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Barbara Aufenanger an ihrer Handspindel

Prien - „Die Königstochter soll sich in ihrem 15. Jahr an einer Spindel stechen und tot hinfallen“. So heißt es in dem Märchen von Dornröschen.

Doch so viel Angst und Schrecken verbreitet die Prienerin Barbara Aufenanger nicht, wenn sie ihre Handspindel kreisen lässt - ganz im Gegenteil. Aufenanger ist nicht nur begeisterte Handspinnerin, sondern sie kann mit all ihren Geschichten undi hrem Wissen rund um das Spinnen auch begeistern. Ein wichtiges Anliegen ist ihr dabei, das Jahrtausende alte Handwerk des Handspinnens wieder zu beleben - und das ist auch ein Grund, warum sie das Amt der Vorsitzender der Handspinngilde mit viel Engagement ausübt.

Erst 2004 beschlossen ein paar Spinnerinnen und ganz wenige Spinner, dass es notwendig sei, sich zu organisieren und einen Verein zu gründen. So entstand die Handspinngilde, die heute ihre Geschäftsstelle in Prien hat. Mag das jetzt alles nach einem kleinen Verein vor Ort klingen, hat man sich getäuscht - die Handspinngilde ist ein internationaler Verein, dessen 174 Mitglieder hauptsächlich aus Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland kommen, aber beispielsweise eben auch aus England.

Der Erfolg des ständig wachsenden Vereins ist sicher in der aktiven Öffentlichkeitsarbeit zu suchen: Über 40 Veranstaltungen besucht die Handspinngilde allein in diesem Jahr: Von der Grünen Woche in Berlin über die Landesgartenschau in Rosenheim, Prämierungen von Schafhaltervereinen, Kreativmessen bis hin zum Priener Ferienprogramm.

Die Faszination des Handspinnens liegt zum einen im Handwerk an sich, aber zum anderen sicher auch in der enormen Fülle an Themen, die direkt mit dem Spinnen verbunden sind. "Das Spinnen ist ein uraltes Handwerk. Seit mindestens 7000 Jahren wird es praktiziert, aber es passt auch wieder in unsere Zeit. Es ist nicht nur sehr entspannend, sondern es ist auch eine Möglichkeit, wieder einen Schritt hin zur Natur zu machen. Wir stellen aus Naturmaterialien etwas Individuelles, Kreatives her, das sonst keiner hat. Jeder Pullover, jeder Schal, jedes Kleid, das ich aus meiner selbst gesponnen Wolle stricke, häkele oder webe, hat seine ganz eigene Geschichte", erklärt Barbara Aufenanger ihre Beziehung zum Spinnen.

Doch es ist nicht nur das Spinnen des eigenen Garns, das begeistert, sondern all die Themen, die irgendwie dazugehören. Das beginnt mit der Faser, die versponnen wird. Die kann pflanzlich sein, wie Baumwolle, Flachs oder Ramie. Es können aber auch tierische Fasern sein, wie beispielsweise die Schafwolle.

Da schließt sich dann schnell das Thema der unterschiedlichen Schafrassen an. Von dort ist es nicht weit bis zum Erhalt der Landtierrassen, für die sich die Handspinngilde auch stark macht. Von der Faser geht es dann zur Weiterverarbeitung. Hier muss das Waschen, das Kämmen und das Färben erwähnt werden. Gerade das Färben ist eine Wissenschaft für sich. Die Handspinngilde widmet dieses Jahr ihr mehrtätiges, jährliches Spinntreffen mit vielen Fachvorträgen und Workshops diesem Thema.

Weiter geht es dann zur Weiterverarbeitung: Vom Stricken, über Häkeln, Weben, Sticken bis hin zur Herstellung von Spitzen. Natürlich interessiert auch das Filzen und "Patchworken" - und die Themen nehmen kein Ende.

Durch diese vielseitigen und unterschiedlichen Themen mag das Spinnen auf den ersten Blick kompliziert wirken. Und sicher kann es das auch sein, will man alles perfekt beherrschen. Doch "Spinnen ist kinderleicht" verspricht Aufenanger. "Eine Stunde für Geschicke, drei Tage für etwas Untalentierte - aber dann kann es jeder." Hier sieht die Vorsitzende natürlich eine Kernaufgabe des Vereins - das Spinnen lehren. "Wir sind ein Netzwerk, wir finden überall jemanden, der spinnen kann und es gerne an andere weitergibt", verspricht Aufenanger. "Wir sind auch Anlaufstelle für alle, die etwas zum Thema wissen wollen, - ob es darum geht, mit welchem Spinnrad man am besten anfängt, woher Material zu beziehen ist oder wo sich Gleichgesinnte treffen. Hier sind wir die richtige Kontaktstelle."

Viel mehr zum Handspinnen - auch zur Geschichte und Technik - findet man auf den Internetseiten www. Handspinngilde.org. Informationen gibt es auch in der Geschäftsstelle des Vereins unter der Telefonnummer 08051/9630838.

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