Tüttensee: Meteoritenkrater oder nicht?

Grabenstätt - Liegt der Ursprung des Tüttensees in einem  Meteoriten-Einschlag oder entstand er durch den Toteissprung? Darüber sind sich das Landesamt für Umwelt und das Chiemgau Impact Research Team nicht einig.

In einer Pressemitteilung an die Deutsche Presseagentur dpa verweist Dr. Roland Eichhorn, Leiter der Geologieabteilung am Bayerischen Landesamt für Umwelt (= LfU), auf eine Internetpräsentation mit Resultaten des Amtes, die den Meteoriten-Einschlagcharakter des Tüttensees zurückweisen und den Toteisursprung erneut bekräftigen sollen.

Bei genauerem Hinsehen und Analyse der Internetpräsentation wird ersichtlich – für den normalen Leser kaum erkennbar – dass die Bodenproben, auf die sich die Argumentation des Amtes stützt, nicht, wie es die Pressemitteilung nahelegt, aus dem Kesselboden entnommen wurden, sondern vom Rand des Sees. Der Begriff „Kesselboden“ soll dem Leser wohl suggerieren, es handle sich um Proben aus der Mitte des Sees. Das Chiemgau Impact Research Team (= CIRT) hat bereits vor Jahren anhand einer eigenen Gravimetriemessung (Schwerkraftmessung) und Probenentnahmen, sowie Daten, die aus einer Seismikmessung (Sedimentecholot) zur Verfügung gestellt wurden, festgestellt, dass in der betreffenden Uferregion des Sees ungestörte Bodenverhältnisse anzutreffen sind. Das LfU hätte sich bei entsprechender Kommunikation mit dem CIRT viel Arbeit und den überflüssigen Einsatz von Steuergeldern ersparen können.

Die sowohl vom CIRT als auch jetzt vom LfU festgestellten Befunde überraschen das CIRT nicht. Dass das LfU meint, mit seinen Ergebnissen der Meteoritenkrater-Theorie des CIRT nun den Garaus gemacht zu haben, offenbart nur, dass das LfU keine Experten hat, die mit den komplizierten geophysikalischen Prozessen bei einem Meteoriteneinschlag vertraut sind. Warum die Befunde am Seeufer mit der Theorie eines Meteoriteneinschlags problemlos vereinbar sind, erläutert das CIRT demnächst auf seiner Webseite www.chiemgau-impakt.de.

Im Übrigen unterläuft dem LfU ein bemerkenswerter Argumentationsfehler: Eine Datierung kann nicht als Widerlegung eines Meteoriteneinschlags herhalten, sondern höchstens den Zeitpunkt des Ereignisses betreffen. Mit den geologisch-mineralogischen Nachweisen für einen Meteoriteneinschlag dagegen, die das CIRT zuhauf rund um den Tüttensee vorgefunden und in einem peer-reviewed wissenschaftlichen Aufsatz veröffentlich hat, hat sich das LfU nicht auseinandergesetzt.

Abschließend sei auf die eindeutig polemische Zielsetzung der Pressemitteilung des LfU verwiesen: Niemand vom CIRT und auch sonst kein ernst zu nehmender Forscher, wenn überhaupt irgendwer, hat jemals behauptet, dass der Tüttensee im Zusammenhang des sog. Clovis-Impakts in Nordamerika vor ca. 12.500 entstanden sei. Diese Äußerung kann nur als billige Stimmungsmache verstanden werden.

Die detaillierte Stellungnahme des CIRT zur Pressemitteilung des LfU finden Sie unter: www.chiemgau-impakt.de

Ergänzung / Short Facts:

Die Proben stammen aus einem Bereich am Rand des Sees, der von dem Einschlag des Meteoriten unbeeinflusst ist, dies haben auch bisher nicht veröffentlichte Untersuchungen des CIRT ergeben. Eine Aussage über den Entstehungszeitpunkt des Sees ist hieraus jedoch nicht zulässig, dafür hätte das LfU eine Bohrung im Tiefenbereich des Sees selbst durchführen müssen. Vielmehr wurden Sedimente, die vor dem Impakt abgelagert wurden und durch diesen im heutigen Seebereich selbst getroffen wurden datiert.

Laut Presseerklärung des LfU behauptet Herr Dr. Eichorn (Leiter der Abteilung Geologie des LfU): „Mit diesem Befund, so Eichhorn, sei die These eines kosmischen Impaktes vor 2500 Jahren im Chiemgau eindeutig wiederlegt.“ Eine Negierung des Impaktes aus den Untersuchungen am Tüttensee jedoch nicht zulässig. Neben der methodisch falschen Herangehensweise durch das LfU im Tüttenseebereich bleibt dieses für die oben zitierte Aussage eine Erklärung für die durch das CIRT in dem von Chiemgau Impakt betroffenen Bereich von immerhin 30x60 km nachgewiesenen Impakt - Befunde schuldig.

So hat das CIRT mit den Kratern korrelierende geologische und mineralogische eindeutige Merkmale für ein Impaktereignis Nachgewiesen. Dies sind im Einzelnen mit den morphologisch auffälligen Kraterstrukturen korrelierende Schockmethamorphosen, die einen Impakt eindeutig nachweisen und für deren Entstehung es keine andere Erklärung gibt. Zudem treten neben geologischen Merkmalen wie Schmelzen auch Nanodiamanten und Sphärulen auf, die Typische Merkmale von Impakten sind. Zudem konnte exotisches Material, Gupeiit und Xifengit sowie Karbide wie Titankarbid und das Siliziumkarbid Moissanit, die z.T. bisher nur bei Meteoriteneinschlägen gefunden wurden, nachgewiesen werden.

Pressemitteilung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt

Rubriklistenbild: © dpa

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