Tafel dank großer Hilfe gedeckt

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Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen der Chiemseer Tafel bereiten die Waren für die Ausgabe an Bedürftige vor: Monique Sauter, Rosa Marie Stolz, Monuka Drechsler, Berta Tange und Juliane Hingerl (von rechts).

Prien - 200 Menschen aus Prien und Umgebung werden jede Woche von der "Chiemseer Tafel" mit Lebensmitteln versorgt. Dass die Tafel jeden Freitag gedeckt werden kann, ist nicht nur ein Verdienst von Supermärkten und Bäckern.

Es ist auch ein Verdienst der vielfältigen Unterstützung, die diese Einrichtung der Caritas erfährt. Das Tafel-Modell macht bundesweit immer mehr Schule. Vor sechs Jahren rief die Caritas eine solche Einrichtung unter dem Motto "Essen, wo es hingehört" auch in Prien ins Leben, anfangs noch im katholischen Pfarrheim. Mittlerweile hat die Tafel seit Jahren ihren Platz in der "Alten Post" am Bahnhofsplatz.

Über 65 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sorgen laut Regina Seipel von der Caritas Woche für Woche dafür, dass Waren von etwa 25 Supermärkten und Bäckereien im Umkreis abgeholt, sortiert, eingeräumt und freitags ab 9 Uhr an die Kunden verteilt werden - seit einem Jahr auch zusätzlich in einer "Filiale" in Bad Endorf.

Jeder bekommt das gleiche Paket, abhängig davon, welche Waren die Betriebe kostenlos zur Verfügung stellen. Überwiegend sind es Waren, die gekühlt werden müssen und deren Mindesthaltbarkeitsdatum gerade abgelaufen ist, sowie Obst und Gemüse. Länger haltbare Produkte wie Nudeln oder Reis bekommt die Tafel von den Märkten seltener. Deshalb ist Seipel froh über den Erfolg der "Kauf eins mehr"-Aktion in Zusammenarbeit mit den Rotaract-Clubs Chiemsee und Rosenheim-Kufstein an den vier Adventssamstagen. Etwa 6000 Artikel gaben die Kunden an den Ständen vor den Supermärkten ab. Im Vorjahr reichten die Vorräte aus dieser Aktion Seipel zufolge bis in den Sommer hinein.

Die Größe der Haushalte ist das zweite Kriterium für den Umfang der Pakete. 120 Personen sind bei der Caritas als Kunden registriert, 200 Menschen leben in den versorgten Haushalten. "Es kommt niemand, der keinen Anspruch hat", weiß die Caritas-Mitarbeiterin. Die Hemmschwelle, diesen Schritt zu gehen, sei nach wie vor groß.

Bevor ein sogenannter Berechtigungsschein ausgestellt wird, prüfen Seipel oder ihre hauptamtliche Kollegin die finanzielle Situation des potenziellen Kunden nach festgelegten Kriterien. Immer öfter kommen auch Hilfesuchende, deren niedriges Einkommen nicht mehr reicht, den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Dass sich weit über 60 Helfer ehrenamtlich und zum Teil schon seit Jahren in den Dienst der guten Sache stellen, erklärt Seipel damit, dass viele dieser Freiwilligen ihre Motivation darin finden, "mit dem Überfluss etwas Sinnvolles anzustellen".

Dass die Tafel Woche für Woche gedeckt werden kann, verdankt sie neben der "Kauf eins mehr"-Aktion vielfältiger Unterstützung. Darunter waren 2010 unter anderem knapp 1000 Euro private Spenden oder 2500 Euro vom Flohmarkt der Rimstinger Turnerfrauen.

Daneben haben vor Weihnachten Hypo Vereinsbank und Aktiva Medici mit Wunschzettelaktionen dafür gesorgt, dass Kindern aus Tafel-Familien ein Wunsch erfüllt wurde. Deren Kunden hatten anonyme Wunschzettel gezogen. Und eine Krankenschwester der Romed-Klinik Prien hatte 80 Tüten selbst gebackener Weihnachtsplätzchen für Tafel-Kunden gespendet.

Trotz der vielfältigen Unterstützung ist Seipel nicht sorgenfrei. Wenn der alte Kleinbus, mit dem zweimal wöchentlich die Waren bei Märkten und Bäckereien abgeholt werden, ausfallen würde, "dann hätten wir ein großes Problem".

Chiemgau-Zeitung

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