Ausbildungsstätte der Feuerwehr eingeweiht

+
Mit dem Entzünden einer Gasflamme nahmen (von links) Fachkreisbrandmeister Christof Grundner, Kreisbrandrat Hans Gnadl und Stefan Feucht von der Herstellerfirma IFRT wurde die RDA Traunstein symbolisch und offiziell in Betrieb genommen.

Übersee - Eine ganz spezielle Anlage für die Ausbildung von Feuerwehrkräften ist jetzt in Übersee eingeweiht worden - die sogenannte RDA. Was sich hinter diesem Kürzel versteckt:

Die Rauchdurchzündungsanlage (RDA) des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein wurde im Rahmen eines kleinen Festaktes von Pfarrer Pierre Makanga gesegnet und von Kreisbrandrat Hans Gnadl offiziell in Betrieb genommen. Mit der neuen Ausbildungsstätte für Atemschutzträger, die auf dem Gelände des Bauhofes der Gemeinde Übersee errichtet wurde steht den Feuerwehren im Landkreis Traunstein eine hochmoderne und erstklassige Schulungsstätte zur Verfügung. Das dreistufige Ausbildungskonzept für Atemschutzträger ist mit der neuen Anlage zur Heißausbildung unter realistischen Bedingungen nun vollständig umsetzbar.

Pfarrer Dr. Pierre Makanga spendete den kirchlichen Segen für die neue Übungsanlage für Atemschutzträger und segnete vor allem die Feuerwehrler, die in der Rauchdurchzündungsanlage üben und ausbilden, aber auch für ihren Dienst bei Einsätzen, von denen sie immer unbeschadet heimkehren mögen.

Kreisbrandrat Gnadl erläuterte, warum der Kreisfeuerwehrverband rund 100.000 Euro für die RDA investierte: Bisher fand die Realausbildung in einer mobilen Anlage des Landesfeuerwehrverbandes und der Bayerischen Versicherungskammer zur Verfügung. Diese war für die Feuerwehren im Landkreis Traunstein maximal eine Woche pro Jahr verfügbar. Eine nachhaltige Ausbildung aller 1600 Atemschutzträger war damit nicht möglich. Um den ausschließlich ehrenamtlichen Feuerwehrlern eine umfassende und gute Ausbildung zu gewährleisten und für deren größtmögliche Sicherheit zu sorgen, entschied der Kreisfeuerwehrverband bereits 2008 die Errichtung einer eigenen RDA. Der Kreisfeuerwehrchef würdigte das große Entgegenkommen der Gemeinde Übersee, die den gemeindlichen Bauhof als Standort für die Anlage zur Verfügung stellte und dafür alle baurechtlichen Voraussetzungen schuf. Besonders hob Gnadl das Verständnis der Anlieger hervor und forderte dazu auf Probleme, die möglicherweise durch den Betrieb entstehen könnten, unverblümt mitzuteilen, um sie gemeinsam auszuräumen.

Christof Grundner, Fachkreisbrandmeister für Atem- und Strahlenschutz, skizzierte die Entstehung der Anlage, von den ersten Ideen einer eigenen RDA im Jahr 2000, die nach einem Besuch der Feuerwehr-Trainingsanlage Risk in Holland entstand, bis zur Lieferung und Montage der Anlage im April dieses Jahres. Grundner betonte, das die Sicherheit der Atemschutzträger oberstes Priorität bei der Konzeption der RDA hatte. Zudem wurde auf Umweltfreundlichkeit größtes Augenmerk gelegt. Deshalb wird die Brand- und Rauchsimulation ausschließlich durch Verfeuern von Holzpaletten erwirkt, nicht aber durch Verbrennen von Kunststoffen, Reifen oder Spanplatten. In der Anlage können Temperaturen von 500 bis 700 Grad erwirkt werden, denen Feuerwehrler im Ernstfall bei Bränden in Gebäuden ausgesetzt sind. Geübt werden in der RDA vor allem das richtige Verhalten und das taktische Vorgehen der Atemschutzträger, wenn sich Rauchgase explosionsartig entzünden und ein sogenannter, überaus gefährlicher „Flashover“ entsteht. Sieben speziell geschulte Ausbilder unter der Leitung von Rudi Posselt schulen ihre Kameraden aus dem Landkreis in der Rauchdurchzündungsanlage.

Übersees Bürgermeister Marc Nitschke sagte, er habe die Anfrage des Kreisfeuerwehrverbandes zur Errichtung der Anlage faktisch nicht ablehnen können. „Der Ermessensspielraum war auf Null reduziert!“ Wenn sich Menschen ehrenamtlich für andere einsetzen, unter Umständen ihr eigenes Leben riskieren, müsse für eine erstklassige Ausbildung gesorgt werden, so der Rathauschef. Um dies sicherzustellen habe die Gemeinde die Realisierung der Anlage motiviert mit angeschoben und nicht nur das Gelände zur Verfügung gestellt, sondern auch die Ausbildung der Ausbilder finanziert. Der Gemeinderat habe alle Beschlüsse zur Errichtung der Anlage einstimmig gefasst, berichtete Nitschke. „Den Atemschutzträgern im Landkreis steht eine optimale Übungsanlage zur Verfügung, mit der sie auf ihre oft schwierigen Einsätze bestens vorbereitet werden.“ Herbert Häusl, stellvertretender Landrat würdigte die Feuerwehrler im Landkreis für ihren großen Idealismus, ihre Zeit und Mühen, die sie für Aus- und Fortbildung aufbringen. „Ohne Ehrenamt und Bürgerengagement sei eine Gesellschaft wie unsere nicht möglich und funktioniere nicht!“ Aus dem Blick der Bürger werde bei jedem Einsatz oder Notfall professionelle Hilfe erwartet, wie bei einer Berufsfeuerwehr. Dabei werde häufig vergessen, dass Feuerwehrdienst im Landkreis Traunstein ausschließlich ehrenamtlich geleistet wird. Um die Ehrenamtlichen für ihren Dienst bestens vorzubereiten, habe der Landkreis Traunstein 40.000 Euro für die Errichtung der RDA beigesteuert. Er wünschte, dass alle Feuerwehrler im Ernstfall mit Selbstvertrauen und Mut meistern, was sie in der neuen Übungsanlage trainiert haben.

Pfarrer Pierre Makanga spendete den Segen für die RDA und insbesondere für alle, die in der Anlage üben und ausbilden. Für Menschen in Not einzutreten, zu helfen, zu retten und „durchs Feuer zu gehen“, sei praktizierte Nächstenliebe und verdiene höchste Anerkennung. Makanga ging durch die Simulationsanlage, besprengte sie mit Weihwasser und schwang das Weihrauchfass. Mit dem Entzünden einer Gasflamme nahmen Kreisbrandrat Hans Gnadl, Fachkreisbrandmeister Christof Grundner und Stefan Feucht von der Herstellerfirma IFRT die Anlage offiziell in Betrieb. Mit einem Tag der offenen Tür und Vorführungen wurde die RDA der Bevölkerung vorgestellt und der Einsatz von Atemschutzträgern bei Bränden dargestellt.

pv

Zu den Bildern: RDA Einweihung Pfr Makanga 2 oder RDA Einweihung Pfr Makanga 3 RDA Einweihung Entzünden  (Fotos: Volk)

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser