Bund Naturschutz fordert maßvollen A8-Ausbau

Übersee - Bei dem Aufregerthema haben Umweltschützer des Vereines jetzt zum Widerstand gegen einen Vollausbau mit sechs Fahr- und zwei Standstreifen aufgerufen. Alles könne sich noch ändern. Und dabei werde es vorerst bleiben.

Nach Ansicht von Beate Rutkowski, der Kreisvorsitzenden des Bundes Naturschutz, ist die Vorstellung, dass der Vollausbau der A8 auf sechs Fahr- und zwei Standstreifen von Rosenheim bis zur Landesgrenze bereits beschlossene Sache sei, ein weit verbreiteter Irrglauben. Im Rahmen des traditionellen Themenfrühstücks im evangelischen Gemeindehaus in Übersee sagte sie: "Alles kann sich noch ändern - bis die ersten Bagger kommen."

Weil das Thema Autobahnausbau allgemein interessiert, hatte das Espressa-Team der evangelischen Kirche - entgegen der üblichen Gepflogenheit beim monatlichen Frauenfrühstück - erstmals auch Männer eingeladen.

"Wir wollen eine bestandsorientierte, maßvolle Lösung mit vier Fahr- plus zwei Standspuren statt der geplanten 6+2-Lösung", erläuterte Beate Rutkowski die Ziele des Bundes Naturschutz. Der geplante Vollausbau verprasse Steuergelder in sinnloser Höhe, zerstöre Natur und Landschaft und gefährde Besitz und Gesundheit der Menschen.

"Die Milliardenkosten eines Vollausbaus sind besonders angesichts der aktuellen Sparmaßnahmen nicht zu verantworten", sagte Beate Rutkowski. Stattdessen sollte ein vergleichsweise geringer Teil der Gelder in Sanierung, intelligente Verkehrsleitsysteme und Lärmschutz investiert werden.

Der 6+2-Ausbau werde die bisherige Fahrbahnbreite von vielerorts 17 Meter auf 38 bis 39 Meter erhöhen. Die Folge: Das Landschaftsbild werde durch massive Geländeabtragungen oder -aufschüttungen stark verändert, geschützte Gebiete und wertvolle landwirtschaftliche Grundstücke würden zerstört.

Nach den Worten der Referentin sei ein immenser Flächenverbrauch nicht nur für die Fahrbahnverbreiterungen vorprogrammiert. Es müssten außerdem viele Zubringerstraßen für neue Zu- und Abfahrten gebaut werden, die sich oft nur durch riesige Aufständerungen bewerkstelligen ließen. Beate Rutkowski: "Die Landwirte kriegen derzeit überhaupt nicht mit, was auf ihren Flächen geplant wird. Man geht aber davon aus, dass etliche Bauern ihre Höfe durch Zwangsenteignungen verlieren werden. Und Entschädigungen werden nur zum vergleichsweise geringen Verkehrswert vorgenommen."

Beate Rutkowski rief Bürger zum Widerstand gegen den Vollausbau auf - durch Unterschriftensammlungen und Demonstrationen: "Es besteht noch Hoffnung, weil es bislang kein abgeschlossenes Planungsfeststellungsverfahren und keine Rechtsgrundlage für die Kosten gibt."

vd/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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