Einsatz für die Ozeane

Volle Fahrt für den Umweltschutz - Überseerin zieht auf Greenpeace-Schiff

Analena Bachmann ist derzeit im Mittelmeer unterwegs.
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Analena Bachmann ist derzeit im Mittelmeer unterwegs.

Mikroplastik, Überfischung und Klimawandel - die Meere haben ganz schön zu kämpfen. Analena Bachmann aus Übersee setzt sich auf dem Greenpeace-Schiff für den Umweltschutz ein. Wenn nicht Corona ihr einen Strich durch die Rechnung macht.

Übersee – Analena steckt im Overall, trägt eine Schutzbrille, Ohrschützer und eine Mund-Nasen-Maske. Nicht wegen Corona, sondern wegen des Rosts. Schon seit Tagen klopft sie die metallischen Brösel ab.

Die Elemente zeigen ihre Kraft, fordern ihren Tribut am Schiffskörper. Doch manchmal geht der Natur die Kraft aus und sie braucht Unterstützung. So sieht es Analena Bachmann. Die gebürtige Überseerin ist auf das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise gezogen, um als Aktivistin auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Geld bekommt sie dafür nicht, wohnt aber gratis und bekommt etwas zu essen auf dem Schiff. Noch vereitelt die Corona-Pandemie den Kurs der Arctic Sunrise.

Seit zwei Wochen liegt das Schiff im Hafen von Heraklion auf Kreta. „Es ist total viel zu tun. Das gehört ja auch dazu“, sagt Analena achselzuckend. Für die Kampagne müsse das Schiff bereit sein. Eine Planung gebe es, dazu dürfe sie aber nichts verraten. Nur so viel: In den Indischen Ozean solle es gehen, über den Suezkanal.

Kein bloßes Lippenbekenntnis

Die 23-Jährige ist seit ihrer Jugend bei der Umweltorganisation Greenpeace aktiv. Zuerst im Chiemgau, wo sie aufgewachsen ist, dann in Mexiko, wo sie ein halbes Jahr studiert hat und schließlich in Berlin, wo sie inzwischen lebt. „Mir hat nicht gereicht, nur in meinem persönlichen Umfeld was zu ändern“, sagt Analena.

Bei Greenpeace fand sie Leute, die ähnliche Wertvorstellungen haben wie sie. Sie selbst achtet in ihrem Leben auf Nachhaltigkeit, ist Veganerin, verzichtet auf Flugreisen.

Wie stark ihre Überzeugung und Loyalität zur Umweltorganisation ist, zeigt die Tatsache, dass Greenpeace sie als Aktivistin und für einen Einsatz auf der „Arctic Sunrise“ auswählte. Die Einsätze sind keine Kaffeefahrten. 2013 geriet die Besatzung der Arctic Sunrise in russische Haft, weil sie gegen den Energie-Konzern Gazprom aktiv geworden war. Für die Freilassung der Greenpeace-Mitglieder ging Analena Bachmann damals auf die Straße, ihre erste Demo.

Zwei Wochen im Hafen

Im November ging Analena an Bord der Arctic Sunrise. Und blieb erst einmal zwei Wochen im Hafen von Rostock. Statt Ölplattformen hochzuklettern und Banner anzubringen, kontrollierte sie in der Nachtschicht, ob Öl im Maschinenraum tropft. Covid-19 ändert laufend den Kurs des Greenpeace-Schiffs, ständig ändern sich Einreise- und Quarantäneregeln.

Nach zwei Wochen lief die Arctic Sunrise in den Atlantik aus. „Waschmaschine“ ist der Spitzname der Arctic Sunrise, weil sie so stark schwanke. „Die ersten Tage waren gut, dann wurde ich seekrank“, sagt Analena. Im Mittelmeer ging es ihr besser, kein so starker Wellengang.

Kletterkurs an Bord

Doch vorerst heißt es Heraklion statt Malediven, was wieder einmal der Pandemie geschuldet ist. In der Zwischenzeit lernen Analena und die anderen Aktivisten an Bord, zu klettern. Ein Walfangschiff zu kapern, dafür sei sie noch nicht gerüstet. „Greenpeace legt schon sehr viel Wert auf Sicherheit“, sagt sie zögernd.

Die Arctic Sunrise liegt derzeit im Hafen von Heraklion auf Kreta.

So weit sei es mit ihren Kletterkünsten noch nicht. Ihre Freizeit verbringt sie mit den anderen Aktivisten und der Crew bei Spieleabenden, tagsüber putzt sie das Deck oder lernt Knoten, statt auf Mikroplastik oder die Überfischung der Ozeane hinzuweisen.

Umstrittene Aktionen auf See

Denn das ist es, was Analena antreibt. Wenn sie davon erzählt, spricht sie langsam und überlegt, ohne zu dozieren. Im Gegenteil, kein Hauch von Sendungsbewusstsein, eher schüchtern wirkt sie. Ein Kontrast zu den schlagzeilenträchtigen Protestaktionen, mit denen Greenpeace einen öffentlichen Aufschrei provozieren will.

Analena sieht das so: „Recht und Gerechtigkeit sind für mich zum Teil zwei unterschiedliche Dinge.“ Gewalt gegenüber allen Lebewesen lehne sie kategorisch ab. In erster Linie möchte sie ihren Werten treu bleiben. Im Zweifel heißt das eben, das Deck zu schrubben, um das große Ganze zu erreichen.

Die Brisanz der Umweltprobleme macht sie eher hoffnungslos, als wütend. „Ich hab Freundinnen, die das mit der Umwelt nicht so kümmert“, sagt Analena. Ändern könne sie die halt nicht, aber ihr eigenes Leben in die Hand nehmen.

Noch ein paar Wochen bleibt sie auf der Arctic Sunrise. Wie lange, weiß sie noch nicht. Auch nicht, ob sie an einer Aktion teilnehmen wird. Analena blinzelt in die Sonne, nimmt ihren Hammer in die Hand und klopft weiter.

Schutzgebiete in den Weltmeeren

Derzeit steht nur 1,5 Prozent der Weltmeere unter Schutz, darunter vor allem die Gewässer um die hawaiianischen Inseln und das Great Barrier Reef vor Australien. Greenpeace kritisiert, dass auch Schutzgebiete nicht immer hielten, was sie versprechen. So sei der deutsche Nationalpark Wattenmeer fast flächendeckend von der Bodenschleppnetz-Fischerei zerstört. Greenpeace fordert, den Anteil an echten Schutzgebieten bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Bedroht sind die Meere laut Greenpeace durch viele Faktoren, nämlich die industrielle Überfischung, den Rohstoffabbau, die Verschmutzung durch Plastikmüll und den Klimawandel. In Schutzgebieten könne sich die zerstörte Meeresnatur wieder erholen. In erster Linien können sich dort Fischbestände ungestört vermehren. Davon profitiere langfristig auch die Fischerei. Zudem könne ein robustes Ökosystem den Klimawandel besser bewältigen.

Greenpeace spricht von einer historischen Chance, das derzeit geltende Seerecht zu überarbeiten und einen globalen Ozean-Vertrag zu entwickeln. Dies geschieht momentan unter dem Dach der Vereinten Nationen. Quelle: Greenpeace

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