Gegner des großen Ausbaus trafen sich in Übersee

"Zahlen werden manipuliert": Wieder Kritik an A8-"Monsterplanung"

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Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz rechnet mit mindestens 20 bis 30 Prozent Kostensteigerung, falls der große Ausbau der A8 kommt. Die letzte Prognose des Verkehrsministeriums lag bei 1,2 Milliarden Euro, allein für den Abschnitt zwischen Rosenheim und Salzburg. 
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Übersee - Der Regierungsbeschluss für den 6+2-Ausbau der A8 steht - doch die Kritik daran reißt nicht ab: Laut Grünen und Bürgerinitiative wurden die Verkehrszahlen für die "Monsterplanung" manipuliert.

Auch wenn die Planung nur sehr zäh vorankommt und die Jahre ins Land ziehen, es wird nicht ruhig in den Anliegergemeinden der A8: "Das Verkehrsministerium verweigert sich jeden sachlichen Argumenten und will partout diese Straße durchsetzen", so die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz am Dienstag bei einer Diskussionsveranstaltung im Wirtshaus Feldwies. Deligöz ist Mitglied im Rechnungsprüfungsausschusses.

Zu wenig Verkehr ab Inntaldreieck: Standspuren reichen

Lange stimmte jener Rechnungsprüfungsausschuss dem großen A8-Ausbau zwischen Chiemsee und Salzburg nicht zu: Die vergleichsweise niedrigen Verkehrszahlen würden die hohen Kosten nicht rechtfertigen, argumentierte auch der Bundesrechnungshof. Am 7. Juni gab der Ausschuss dann plötzlich doch grünes Licht. "Den Ausschussmitgliedern von CDU/CSU und SPD wurden die Stimmen entzogen und durch das Votum der jeweiligen Fraktionsführungen ersetzt", berichtet Deligöz. Es sei keine sachliche, wirtschaftliche Entscheidung gefallen, sondern eine rein politische. 

Landtagsabgeordnete Gisela Sengl sprach sich außerdem für ein Tempolimit auf der Autobahn aus: "Mit 130 km/h kommt man außerdem gelassener und ruhiger ans Ziel."

"Zwischen München und Rosenheim gibt es viel mehr Pendler und LKW-Verkehr, wir haben hier täglich rund 70.000 Fahrzeuge. Aber ab dem Chiemsee sind es im Schnitt nur noch 40.000 bis 50.000 Fahrzeuge täglich", so die Grünen Bundestagsabgeordnete. Die alte Kostenprognose für den 6+2-Ausbau: 1,2 Milliarden Euro - und das, ohne dass die Bodenbeschaffenheit überprüft wurde, so Deligöz. Aktuelle Zahlen wolle das Verkehrsministerium gar nicht mehr nennen, "weil sie wissen, dass die Prognose nicht hinkommt".

Großer A8-Ausbau nur durch Rechentricks begründet?

Dass für den Autobahnabschnitt ab Rosenheim überhaupt ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis herauskam, liegt laut der Grünen-Parlamentarierin an Rechentricks im Verkehrsministerium: Nur weil die Verkehrszahl auf der ganzen Strecke München-Salzburg als Berechnungsrundlage genommen wurde, sei - gerade noch - ein positives Ergebnis herausgekommen. Trennt man die Bauabschnitte erhalte man für das Teilstück ab Rosenheim ein deutlich negatives Kosten-Nutzen-Verhältnis. "Die Zahlen werden manipuliert, wie man sie gerade braucht", drückte es Marlies Neuhierl-Huber von der Bürgerinitiative am deutlichsten aus.

Marlies Neuhierl-Huber, Grünen-Gemeinderätin in Siegsdorf und Vertreterin der Bürgerinitiative "A8 - Bürger setzen Grenzen".

"Ein kleinerer Ausbau nur mit Standstreifen könnte viel schneller umgesetzt werden, weil dem Bund der größte Teil dieses Grundes schon gehört", so Ekin Deligöz und Landtagsabgeordnete Gisela Sengl pflichtete bei: "Auf 50 Kilometern fehlen auf der A8 Standstreifen - wirklich gefährlich." Allein das würde schon reichen, damit es auf der Autobahn flüssiger läuft. Auch den Lärmschutz hätte man längst anpacken können, "egal ob bei einem Neubau, Ausbau oder im Bestand", so Marlies Neuhierl-Huber.

Hälfte der Planung würde schon 456 Hektar verbrauchen

Weitere Informationen Themenseite: A8-Ausbau
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Doch was droht ist die "Monsterplanung" (Sengl) mit sechs Spuren und zwei Standstreifen. "Die A8 zwischen München und Salzburg führt durch zehn Naturschutzgebiete", erinnerte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Deligöz. Für fünf der zehn geplanten Bauabschnitte sei der zusätzliche Flächenverbrauch bereits errechnet worden: 456 Hektar. "Spätestens wenn die Planfeststellungsverfahren beginnen sollten sie ihre Interessen mitteilen und auch auf Bürgermeister und Lokalpolitiker einwirken", empfahl Ekin Deligöz.

xe

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