50 Personen wegen Unwetter medizinisch behandelt

CS zu spät evakuiert? Polizei und Veranstalter wehren sich gegen Vorwürfe

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Auch das Hauptzelt wurde durch das Unwetter beschädigt. Vier Gondeln des Riesenrads wurden abmontiert, um das Riesenrad weniger windanfällig zu machen.
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Übersee - Das Chiemsee Summer Festival wurde abgesagt, nachdem am Freitagabend eine Sturmfront über das Festivalgelände fegte. 50 Personen mussten medizinisch behandelt werden, 22 kamen mit schwereren Verletzungen in Krankenhäuser. Inzwischen wurde Kritik laut, dass die Evakuierung des Festivals viel zu spät erfolgt sei. Veranstalter und Polizei wehren sich jedoch gegen die Vorwürfe. 

Update: Pressemitteilung des Veranstalters 

Der Chiemsee Summer ist nach dem schweren Unwetter in weiten Teilen Bayerns am Freitagabend abgebrochen worden. Dies haben Behörden, Gemeinde und Veranstalter gemeinsam nach einer Sondierung des Geländes entschieden. 

So weisen neben etlichen Zelten der Gäste unter anderem Haupt- und Zeltbühne gravierende Schäden auf, die eine Fortsetzung des Spielbetriebs unmöglich machen. Beim Eintreffen des Unwetters war die Evakuierung bereits in vollem Gange, die Großzelte auf dem Konzertgelände bereits vollständig evakuiert und das Publikum auf dem Weg zu ihren Autos oder bereitstehenden Busshuttles. 

Dennoch gab es Verletzte:Insgesamt wurden knapp 60 Personen behandelt, darunter auch viele, die nur eine psychische Betreuung (Krisenintervention) benötigten. Ernsthafter verletzt und in einem Krankenhaus aufgenommen wurden bisher rund 20 Personen, es gibt keine lebensbedrohlichen Verletzungen“, so Andreas Guske aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in der Nacht zu Samstag. 

Meldungen, die von abgerissenen Gondeln des Riesenrads berichten, entsprechen nicht der Wahrheit. Ein Teil der Gondeln wurde nach der erfolgreichen Evakuierung des Riesenrads lediglich rechtzeitig vor dem Unwetter abmontiert, um das Riesenrad weniger windanfällig zu machen – ein Prozedere, das im riesenradeigenen Sicherheitskonzept verankert und erfolgreich durchgeführt wurde. 

Die Besucher wurden noch in der Nacht mit Shuttlebussen Richtung München, Salzburg und in die umliegenden Dörfer der Region sowie in die Notunterkunft gebracht. Derweil kam es in ganz Bayern zu erheblichen Beeinträchtigungen und Schäden der Infrastruktur, darunter auch dem Schienenverkehr, die voraussichtlich im Laufe des Samstags behoben sein werden. Die Abreise der Festivalbesucher dauert derzeit noch an, Besucher werden über die sozialen Medien und im Umkreis von 15 km im Veranstaltungsradio CAMP FM auf 100,5 MHz laufend informiert. 

Der Beginn der Evakuierung des Konzertgeländes erfolgte noch vor der Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes um 21.45 Uhr, nachdem die Koordinierungsgruppe, bestehend aus Sicherheitsbehörden und Veranstaltervertreter, schon um 20.45 zusammengerufen worden war. 

Die um 21.40 Uhr gestartete Evakuierung der Großzelte während des Konzerts von „The Offspring“ verlief weitestgehend reibungslos. Unmittelbar danach erfolgte die Evakuierung der Gesamtfläche über Durchsagen an der Bühne und sämtliche Medien des Veranstalters. Die Besucher wurden aufgefordert, ihre Autos aufzusuchen und anderen Gästen freie Sitzplätze durch die Warnblinkanlage zu signalisieren. Außerdem konnten Personen, die sich nach dem Verbleib von Freunden und Angehörigen erkundigen wollten, eine eigens eingerichtete Hotline nutzen, die der Veranstalter noch in der Nacht eingerichtet hatte. 

Viele Menschen, die sich beispielsweise während der Evakuierung verloren hatten, fanden so wieder zusammen. „Trotz der Tatsache, dass wir den letzten Festivaltag absagen mussten, sind wir für vieles dankbar“, so Martin Altmann, Geschäftsführer von CRP Konzertproduktionen.

„Unsere Gäste haben vorbildlich reagiert und sich gegenseitig geholfen, um schnellstmöglich das Gelände zu verlassen. Die Zusammenarbeit mit Gemeinde und Sicherheitsbehörden unter der Führung des örtlichen Einsatzleiters des Landratsamts Traunstein hat reibungslos funktioniert. Wir freuen uns, dass die Schäden trotz der Heftigkeit des Unwetters, das in weiten Teilen Bayerns für noch stärkere Verwüstung sorgte, durch gute Vorbereitung und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten auf ein Minimum reduziert werden konnten. Insbesondere denjenigen Besuchern, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, wünschen wir von Herzen eine gute Besserung.“ 

Informationen zu einer eventuellen Teilrückerstattung und zum kommenden Jahr wird der Veranstalter in Kürze veröffentlichen.

Pressemitteilung CRP Konzertagentur GmbH

Update: Einsatzleiter Rainer Wolf zum Chiemsee Summer Festival 2017

Einsatzleiter Rainer Wolf: „Dies war die bisher schwierigste Situation, die es in der 23-jährigen Geschichte des Festivals zu bewältigen gab. Die Herausforderung bestand in der Kurzfristigkeit, mit der dieser Starkwind hier am Gelände einsetzte und der auch von der Stärke her weit über den Prognosen lag. Letztendlich haben sich die Konzepte jedoch bewährt und die Zusammenarbeit mit den vielen beteiligten Organisationen, Behörden und dem Veranstalter hat bestens funktioniert. Aber wir alle sind froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist und Menschen schwerer verletzt wurden.“

Update: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd

Ein Unwetter überzog am Freitagabend, 18. August, den gesamten südöstlichen Raum Bayerns und sorgte in weiten Teilen für große Schäden und Verletzte. Trotz frühzeitiger Räumung des unmittelbaren Festivalgeländes konnte dies auch dort nicht verhindert werden. Fast 500 Einsatzkräfte der Hilfsdienste und Behörden, sowie 250 Mitarbeiter des Veranstalters waren die ganze Nacht im Einsatz.

Bekannt war bereits am Freitagnachmittag, dass Gewitter auch das Chiemsee Summer Festival erreichen könnten. Die Akutwarnung für Übersee vor den letztendlich sehr heftigen Winden gaben die Wetterdienste jedoch fast auf die Minute zeitgleich mit der Anordnung der Räumung des Geländes heraus. Zuvor war nach ersten besorgniserregenden Wetterinformationen gemäß der Sicherheitskonzepte die sogenannte Koordinierungsgruppe, unter Leitung eines vom Landratsamt eingesetzten Örtlichen Einsatzleiters, einberufen worden. 

Die Koordinierungsgruppe kommt bei erhöhtem Koordinierungsbedarf beteiligter Behörden und Stellen zum Zug. Angesiedelt in einem Raum bei der Polizei-Einsatzleitung kamen dort die jeweiligen Einsatzleiter und Verantwortlichen zusammen. Darunter das Polizeipräsidium Oberbayern Süd, die Bundespolizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Gemeinde Übersee und der Veranstalter des Festivals. 

Nach Erörterung der Lage, unter Einbeziehung eines Meteorologen des Veranstalters, kam die Koordinierungsgruppe zu dem Schluss, die geordnete und keine Panik verursachende Räumung einzuleiten. Die Musikdarbietungen wurden unterbrochen, Durchsagen gemacht und Infoscreens geschalten. Innerhalb von knapp zehn Minuten war das Infield geräumt. Mit Pkw angereiste Gäste bat man, die Fahrzeuge aufzusuchen. Unverzüglich wurden unweit bereitgestellte Busse an das Gelände herangeführt, um vor allem bahnangereisten Personen darin Schutz zu bieten. Mehrere bereits konzeptionell vorgehaltene Notunterkünfte wurden aktiviert, geöffnet und vom Veranstalter mit Getränken ausgestattet. 

Kräfte des Malteser Hilfsdienstes und des Bayerischen Roten Kreuzes lieferten Decken und Toiletten. Ein ebenfalls für solche Fälle vorgehaltener Zug konnte auf Grund der bis in den Samstag hinein bestehenden Streckensperrungen nicht wie geplant den Bahnhof Übersee anfahren. Auch bei weiteren anfahrenden Bussen ergab sich die Problematik der auf Straßen gefallener Bäume. Feuerwehrkräfte machten sich unverzüglich auf den Weg, die Straßen für die Schutz bietenden Busse frei zu räumen.

Der Sturm selbst hatte letztendlich nur eine Dauer von etwa 15 Minuten. Wie in weiten Teilen des südlichen Bayerns, so waren die Schäden letztendlich auch am Chiemsee Summer Festival erheblich. Etwa die Hälfte der Besucherzelte auf den Campingplätzen wurde zerstört, viele, vor allem Pavillons, einfach davongeblasen. 

Im sogenannten Infield kam es auf Grund der stabilen Bauweise der dortigen Anlagen nicht zu gefährlich umherfliegenden Teilen. Letztendlich erlitt aber doch selbst das große und für Starkwinde ausgelegte Festzelt zumindest Schäden an der Außenhülle. Neben Feuerwehrkräften aus der ganzen Region, hatten die Einsatzkräfte des Malteser Hilfsdienst und des Roten Kreuzes alle Hände voll zu tun undmussten auf Grund des Starkwindes etwa 60 Personen behandeln, darunter auch viele, die eine psychische Betreuung (Krisenintervention) benötigten. 

Ernsthafter verletzt und in Krankenhäusern aufgenommen wurden 22 Personen, es gab jedoch keine lebensbedrohlichen Verletzungen. Problematisch war hier, dass die Ereignisse in der gesamten Region den Einsatz der Rettungsdienste, wie auch der Feuerwehren und der Polizei an vielen Örtlichkeiten im südlichen Oberbayern nötig werden ließen und so allerorts für gewisse Zeit Engpässe bestanden.

Die entstandenen Gesamtschäden führten schließlich dazu, dass der Veranstalter in Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden und Organisationen gegen 3.00 Uhr in der Nacht das Ende des diesjährigen Festivals verkündete. Zuvor hatten schon Abreisebewegungen der teils stark durchnässten Musikfans eingesetzt. Wegen der gesperrten Bahnstrecken setzte der Veranstalter in Richtung München und Salzburg fahrende Zusatzbusse ein und ermöglichte so einem Teil der Gäste die frühzeitige Abfahrt.

Während der Nacht im Einsatz waren etwa 190 Einsatzkräfte der Feuerwehren, 190 Frauen und Männer der Sanitätsdienste, 22 THW-Mitglieder und etwa 70 Polizeibeamtinnen und Beamte. Der Veranstalter brachte 250 Männer und Frauen seines Sicherheitsdienstes zum Einsatz.

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Erstmeldung:

Nach dem schweren Unwetter am Freitagabend wurde das Chiemsee Summer Festival abgebrochen. Auf der Website des Festivals heißt es: "Es wurden 50 Personen medizinisch behandelt, darunter auch viele, die durch die Ereignisse verängstigt waren und eine psychologische Betreuung in Anspruch genommen haben. Ernsthafter verletzt und in einem Krankenhaus aufgenommen wurden bisher 10 Personen – es gibt keine lebensbedrohlichen Verletzungen, was uns sehr erleichtert."

Besucher zu spät vor Unwetter gewarnt?

Zahlreiche Festival-Teilnehmer äußerten nach dem Unwetter am Freitagabend Kritik an den Veranstaltern des Chiemsee Summer. So heißt es auf Facebook: "Die Evakuierung kam zu spät, die Hauptbühne lief weiter als das Zelt schon evakuiert wurde! Notausgänge zu, Busse NICHT bereit sondern noch abseits. Die Busfahrer haben dann entgegen der Anweisung trotzdem die Türen geöffnet als die Äste runter kamen..." Ein anderer User schreibt: "Was ich aber nicht verstehe ist, dass von Seiten des Veranstalters keine Unwetterwarnung kam. In ihrer eigenen App, in der sie sogar einen Wetter-Newsticker hatten stand zunächst nur in etwa: "Am Nachmittag könne es zu Regenschauern kommen"....Aber von einem solchen Gewitter, mit dem doch eigentlich zu rechnen war, hat man durch den tollen "Wetter-Ticker" in der App nichts erfahren." ein anderer Leser meinte "Ich muss schon auch sagen sie hätten die Leute eher warnen müssen und nicht 5 Minuten vorm Unwetter."

Auch auf unserer Homepage gibt es einige Kommentare dazu: "Ich bleibe dabei, wenn schon Totalabbruch, dann hätte es viel früher passieren müssen. Jeder Laie konnte die Front am Radar Näherkommen sehen. Es war genug Vorlauf." oder auch "Anscheinend war wirklich niemand der Organisatoren darauf vorbereitet."

Polizei: "Wären eine Stunde zu spät dran gewesen"

Die Kritik, zu spät reagiert zu haben, weist die Polizei zurück. Andreas Guske, Pressesprecher des Polizeipräsidium Oberbayern Süd, erklärte im Gespräch mit chiemgau24.de, dass man diese Intensität der Unwetter über ganz Südbayern nicht voraussehen hätte können. Die Starkwinde seien nicht vorausgesagt gewesen. "Hätten wir uns nach den Online-Wetterwarnungen gerichtet, wären wir mit der Evakuierung eine Stunde später dran gewesen. Wegen des Meteorologen, der von den Veranstaltern für das Festival extra engagiert wurde, war es erst möglich, so zu reagieren", so Guske.

Veranstalter schweigen derzeit zu den Vorwürfen

Unsere Reporterin versuchte am Samstagvormittag vor Ort ein Statement der Veranstalter zu bekommen, jedoch war das Pressezelt nicht mehr besetzt. Man verwies darauf, telefonisch eine Stellungnahme zu erfragen. Telefonisch teilte man uns dann mit, dass es nach einem Behördenrundgang um 10.30 Uhr ein offizielles Statement der Veranstalter geben werde.

Der Tag nach dem Unwetter auf dem Chiemsee Summer in Übersee

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