"Stromversorgung aus erneuerbaren Energien bis 2020 theoretisch zu 170 Prozent möglich"

Übersee schafft die Energiewende

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Übersee - In Übersee muss man sich keine Gedanken über die Energiewende machen. Die Versorgung der Gemeinde mit Strom aus erneuerbaren Energien ist bis 2020 fix!

Über das künftige Energieleitbild für den Landkreis Traunstein und speziell über mögliche Potentiale von Übersee bei der Stromversorgung durch erneuerbare Energien informierte Bürgermeister Marc Nitschke den Gemeinderat in der jüngsten Sitzung. Danach sei in Übersee die Stromversorgung aus erneuerbaren Energien bis 2020 theoretisch zu 170 Prozent möglich. Voraussetzung: Energieeinsparungen einerseits und die Erschließung neuer Energiequellen andererseits.

Schwindende Energieressourcen, klimatische Veränderungen und der beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 machen einen Wechsel zu erneuerbaren Energieträgern notwendig. Zu dieser Energiewende will der Landkreis Traunstein mit einem neuen Energieleitbild seinen Beitrag leisten. Einbezogen werden sollen dabei Bürger, Kommunen und alle gesellschaftlichen Gruppen.

Wie Bürgermeister Nitschke informierte, sind sieben Leitsätze als generelle Orientierung zur Energiewende herausgearbeitet worden. Danach soll Energie bei Verbrauch und Erzeugung eingespart und eine Energieeffizienz sowie ein Mix aus erneuerbaren Energien bei der Herstellung angestrebt werden. Das Hauptaugenmerk soll auf regionalen Ressourcen liegen.

Weiter appellieren die Leitsätze an die Einsicht aller, dass bei Erzeugung, Speicherung, Transport und Verbrauch von Energie die bestmögliche Technik notwendig ist und dass Landschaft und Natur dabei auch nötigenfalls beansprucht und verändert werden müssen. Einigkeit ist einer der wichtigsten der sieben Leitsätze. Nur wenn alle in Einigkeit, Gemeinsamkeit und Solidarität die Energiewende aktiv gestalten, könne sie gelingen.

Wie der Gemeindechef weiter berichtete, seien mit "Strom", "Wasser" und "Mobilität" drei künftige Handlungsfelder mit jeweils eigenen Energieplänen abgesteckt worden. "Bis zum Jahr 2020 will der Landkreis Traunstein die gesamte Stromversorgung aller Abnehmer, mit Ausnahme der Großindustrie, vollständig aus erneuerbaren Energiequellen schaffen", erinnerte Nitschke an das bereits im Jahr 2007 angepeilte Ziel. Entsprechend dem Energieplan solle die Industrie dann 2025 folgen.

Für Übersee liegen bereits positive Zukunftsprognosen für die Stromproduktion mit erneuerbaren Energien vor. Nach dem heutigen Stand werden im Ort 17600 Megawattstunden Strom verbraucht, wovon 67 Prozent für private Haushalte benötigt werden. Nur elf Prozent dieses Stromverbrauchs wird derzeit aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt, wobei die Fotovoltaik den Löwenanteil (96 Prozent) stellt.

Nach einer Zukunftsberechnung ließe sich der Stromverbrauch in Übersee durch Einsparungen und eine bessere Nutzung bis 2020 um 12,8 Prozent auf rund 15 350 Megawattstunden reduzieren. Auf der anderen Seite könnte man die Stromproduktion durch den Ausbau erneuerbarer Energien von heute elf Prozent auf dann 170 Prozent des reduzierten Stromverbrauchs steigern.

Wie der Gemeindechef betonte, sei man bei diesen theoretischen Überlegungen von einem massiven Ausbau der Wasserkraft auf 65 Prozent der Stromproduktion sowie einem Zubau der Fotovoltaik auf Dachflächen auf 25 Prozent und der Fotovoltaik auf Konversionsflächen auf zehn Prozent ausgegangen. Windkraft, Biomasse und Geothermie seien für Übersee nicht relevant und hätten daher keine Berücksichtigung gefunden.

In einer kurzen Diskussion zeigten sich die Gemeinderäte davon überzeugt, dass der Ausbau der Wasserkraft für Übersee geeignet und auch unerlässlich sei. Hans Schönberger (Freie Bürgerliste): "Ohne Wasserkraft erreichen wir keine 100-prozentige Stromversorgung aus den neuen Energiequellen."

vd/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser