Nach 9 Monaten im Amt

Überseer Bürgermeister Eberhard Bauerdicks Rücktritt: „Entscheidung nach bestem Gewissen“

Für Bürgermeister Eberhard Bauerdick (GfÜ) endet mit dem 31. Januar 2021 auf eigenen Wunsch seine Amtszeit.
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Für Bürgermeister Eberhard Bauerdick (GfÜ) endet mit dem 31. Januar 2021 auf eigenen Wunsch seine Amtszeit.

Bürgermeister Eberhard Bauerdick von der Liste „Gemeinsam für Übersee“ (GfÜ) scheidet mit Ende dieses Monats nach einem dreiviertel Jahr aus eigener Entscheidung aus dem Bürgermeisteramt aus.

Übersee – Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen erklärt er seine Entscheidung und blickt auf sein politisches Wirken als Chef im Rathaus zurück.

Sie haben für viele überraschend im Dezember Ihren Rücktritt bekanntgegeben, zum Ende Januar nähert sich der Zeitpunkt, an dem Ihre Aufgabe endet. Wie fühlen Sie sich aktuell mit Ihrer Entscheidung?

Eberhard Bauerdick: Mit meinen Gedanken befinde ich mich noch regelmäßig am Schreibtisch im Rathaus. Mein Verstand sagt mir jedoch, dass es die einzig richtige Entscheidung war, um meine Gesundheit und mein Familienleben nicht nachhaltig zu beschädigen.

Ihre Entscheidung zum Rücktritt hat nicht allein eine persönliche Dimension, sondern vor allem eine öffentliche. Es wurde Ihnen vorgeworfen, diesen ohne Rücksprache mit Ihrer Fraktion beschlossen zu haben. Stimmt der Vorwurf in der Sache?

Bauerdick: Nach reiflicher Überlegung zusammen mit meiner Frau habe ich mich für diesen Weg entschieden, denn die Entscheidung für meinen Rücktritt basiert ausschließlich auf privaten Gründen (Gesundheit und Familie).

Es wird Ihnen nun ebenfalls nachgesagt, in Ihrer Amtsausübung kein „Teamplayer“ gewesen zu sein. Es habe Angebote geben, Aufgaben zu teilen. Warum haben Sie sich nicht mehr unterstützen lassen?

Bauerdick: Es gab seit meiner Rückkehr im Juli eine Vielzahl von konstruktiven Gemeinderats-, Fraktionssprecher- und Arbeitsgruppensitzungen, regelmäßige Bürgermeistertreffen und Bürgergespräche, sind das nicht Zeichen von gemeinschaftlichem Handeln?

Welche Erfolge verbuchen Sie in Ihrer Wirkungszeit konkret für sich?

Bauerdick: Mir ging es zu keinem Zeitpunkt um das Verbuchen von Erfolgen. Wichtig war und ist die Entwicklung unseres Ortes und daran haben alle Fraktionen gut zusammengearbeitet. Beim Ringen um die beste Lösung war allen Beteiligten ein respektvoller Umgang wichtig. Einzelne Projekte waren zum Beispiel die Parkplatzsituation Chiemsee-Ufer, Verkehrssicherheit auf verschiedenen Straßen in Übersee, Weiterentwicklung Gewerbegebiet Entenfeld.

Mit welchen Erwartungen haben Sie sich vergangenes Jahr bei der Kommunalwahl fürs Bürgermeisteramt beworben?

Bauerdick: Wichtig und unbedingt notwendig war es mir von Anfang an, mit allen im Gemeinderat vertretenen Fraktionen gut und konstruktiv zum Wohle unserer Gemeinde zusammenzuarbeiten. Ich hatte die Erwartung, dass jedes Gremiumsmitglied respektvoll mit dem Gegenüber umgeht, denn nur so ist Vertrauen möglich und können Ziele erreicht werden.

Etwas politisch anders zu machen bedeutet nicht unbedingt Kritik an dem Vorhandenen, aber Sachverhalte neu oder verändert zu bewerten ist eine tolle Eigenschaft der Demokratie – dies habe ich versucht.

Sie mussten wegen einer Verletzung zu Beginn Ihrer Amtszeit eine mehrwöchige Zwangspause einlegen, hat Ihnen das den Start in die neue Aufgabe erschwert?

Bauerdick: Das Unfallereignis hat den Start in das Amt des Bürgermeisters nicht unbedingt erleichtert, letztlich hat dieser Unfall Zeit gekostet. Meine Frau und ich haben zusammen mit den behandelnden Ärzten und medizinischen Kräften diese Zeit für die Genesung genutzt. Nur so war es mir möglich, dass ich bereits drei Tage nach der Übernahme der Amtsgeschäfte Anfang Juli 2020 die anstehende Gemeinderatssitzung leiten konnte.

Wie haben Sie das Bürgermeisteramt erlebt, was hat Ihne gefallen, was war besonders fordernd, was waren besonders schöne oder auch schwere Momente?

Bauerdick: Bereits in der ersten Sitzung des Gemeinderates empfand ich die Stimmung im Gremium als überaus konstruktiv. Dass dies kein Einzelfall war, konnten alle Teilnehmer in den dann folgenden Sitzungen und Besprechungen feststellen. Die schönsten und zugleich schmerzlichsten Momente empfand ich Anfang August bei dem Starkregen. Ich bin seit dem Zeitpunkt um die Erfahrung reicher, wie einzigartig Menschen (besonders hier hauptverantwortlich die Feuerwehr Übersee mit Unterstützung verschiedener Wehren aus dem Landkreis) für andere Menschen da sind, sich einsetzen, helfen und schützen.

Auf der anderen Seite erlebte ich in diesen Tagen auch hautnah das Leid vieler Bürger, die im Zusammenhang mit dem Regen und Grundwasser in Notsituationen gelangten, dies berührt mich bis heute.

Was war das für ein Moment, als Sie Ihre Entscheidung getroffen haben, zurückzutreten?

Bauerdick: Ich bin ein Gefühlsmensch mit all seinen Facetten, daher stellt man sich immer die Frage, ob es richtig ist oder nicht. Deutliche Anzeichen zu sehen und zu erkennen, dass der Weg den man geht, für einen selbst und für seine liebsten Menschen nicht der richtige ist – dieses ist kein Moment, sondern eine Zeitspanne. Am Ende steht eine Entscheidung und die trifft man nach bestem Wissen und Gewissen.

Was waren die Gründe für Ihre Entscheidung?

Bauerdick: Ich habe im Wahlkampf gesagt „Aktiv – Unabhängig – Bürgernah“ und das mit ganzer Kraft. Einige Projekte ruhen noch, viele wurden angestoßen, bei all diesem habe ich den Blick auf meine Gesundheit und mein Familienleben massiv vernachlässigt.

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