Übrig blieben nur Verlierer

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Die Chiemgau-Therme bleibt das Sorgenkind der GWC AG.

Bad Endorf - So müssen Schlachtfelder aussehen: Überall schlagen Gegner wütend aufeinander ein und versuchen, sich kampfunfähig zu schießen. So ähnlich ging es auch auf einer Hauptversammlung zu:

Ähnlich ging es auch auf der Hauptversammlung am Freitag der Gesundheitswelt Chiemgau (GWC) AG im Kultursaal Bad Endorf zu: Für wahre Wortschlachten und scharfe Angriffe sorgten die Anträge auf Nichtentlastung der beiden GWC-Vorstände und des Aufsichtsratsvorsitzenden sowie auf Einzelabstimmung über die Aufsichtsräte. Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben drohte einem Aktionär sogar mit einer Anzeige wegen übler Nachrede. Doch nach rund sechs Stunden Dauergefecht stand fest: Die Aktionäre sprachen sowohl dem Vorstand wie dem Aufsichtsrat mit jeweils 99 Prozent ihr Vertrauen aus.

Zum Eklat kam es durch den Antrag auf Sonderprüfung zur Energieversorgung der GWC. Ulrich Rosinger, Geschäftsführer der Bürger Energie Bad Endorf (BEBE) GmbH, hatte - unterstützt von einer Aktionärsgruppe - diese Anträge gestellt. In seiner öffentlich vorgetragenen Begründung kritisierte er die Arbeit der beiden Vorstände Dietolf Hämel und Roland Zeh. Letzterer sei erst ein halbes Jahr im Unternehmen und schon habe sich der Aktienkurs halbiert. Wenn schon durch Headhunter teure Profis eingekauft würden, warum würden dann teure Gutachten in Auftrag gegeben? "Es ist nicht ersichtlich, wofür der Vorstand um einen weiteren Posten ,Vorstand Finanzen' erweitert wird, wenn gleichzeitig externe Gutachter durch die GWC AG beschäftigt werden müssen. Das wäre originäre Aufgabe des Finanzvorstandes", so Rosinger. Doch auch Dietolf Hämel bekam sein Fett weg. Ihm wurde angelastet, dass er mit den falschen Konzepten den Besucherschwund in den Chiemgau Thermen stoppen will: "Kosten hoch, Marketing runter: Das ist kein Weg." Die immer wieder angeführten Pachtzahlungen als ein Grund für die Schieflage des Konzerns hält er für Augenwischerei: "Hier sind keine Konzepte, um mehr Badegäste anzulocken."

Besonders gravierend sei in seinen Augen das Thema Energie. Hier habe der Vorstand durch ihn und weitere fachkundige Ingenieure einen detailreich ausgearbeiten Plan zur regionalen Energieversorgung angeboten bekommen. Dieser habe - so Rosinger - auch dem Aufsichtsrat zur Abstimmung vorgelegen. Doch daraus sei nichts geworden. Besonders enttäuschend sei für ihn, dass "darauf nicht einmal reagiert" wurde. Außerdem fahre der Vorstand einen "Konfliktkurs mit der Gemeindeführung", weil Anträge des Gemeinderats nicht auf die Tagesordnung gehoben würden.

Zweiter Bürgermeister Martin Lauber stellte sich hinter Rosinger. Er gab einen "übergeordneten Leitantrag" zu Protokoll: "Die GWC AG entwickelt ein nachhaltiges zukunftsorientiertes Energiekonzept auf regenerativer Basis unter Berücksichtigung örtlicher und regionaler Anbieter." Wie Lauber weiter erklärte, bedauere er, dass dieser Antrag bereits im Vorfeld für nicht zulässig erklärt worden sei. Trotzdem bestehe er jetzt darauf.

Das brachte nun wieder andere Aktionäre und den Vorstand auf die Palme. Oliver Wiederhold, der bereits zum wiederholten Mal etliche Aktionäre stimmrechtlich vertrat, konterte in einer geschliffenen Rede: "Hier werden Nebenkriegsschauplätze eröffnet, um bewusst Probleme zu vertuschen. Es ist verboten, erkennbare Eingriffe in die Geschäftsführung vorzunehmen." Und auch Dietolf Hämel erklärte, dass er es befremdlich finde, eine im Aufsichtsrat getroffene Entscheidung im Nachhinein zu torpedieren und wieder in Frage zu stellen: "Das uns vorliegende Energiekonzept durch Herrn Rosinger hatte im Vergleich mit anderen einfach Schwächen." Geradezu unglaublich finde er es, dass Details aus dem Angebot schließlich sogar im Internet zu finden gewesen seien. Auch Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben verteidigte den Leitantrag: Schließlich könne doch niemand etwas dagegen haben, zwei Energiekonzepte zu vergleichen. Sie möchte, dass intensiv verglichen und dann entschieden werde.

Nach lautem Gegrummel aus dem Saal rief ein Aktionär: "Haben Sie schon mal was vom Aktienrecht gehört?"

Pikant wurde es, als Aktionärssprecher Wiederhold anfragte, ob Unverdorben auch persönlich an der BEBE GmbH beteiligt sei. Denn dann sehe er Konfliktpotential, wenn sie im Aufsichtsrat über dieses Thema mitstimme. Sie sei mit der geringst möglichen Einlage beteiligt, ließ Unverdorben wissen, was sie aber nicht als Problem sehe.

Richtig still wurde es im Saal, als Finanzvorstand Zeh auf mögliche Verstrickungen von Ulrich Rosinger einging. Dieser hatte nämlich zuvor gefordert, dass ein unabhängiger Sachverständiger sein Energiekonzept für die GWC AG und das, auf das sich der Aufsichtsrat geeinigt hatte, prüfen solle. Zeh verwies darauf, dass genau diese ENMA Energie Management GmbH aus Ingolstadt mit Rosinger eng verbunden sei, wie ein Blick ins Handelsregister zeige. Der BEBE-Geschäftsführer widersprach nicht.

Nach sechs Stunden Auseinandersetzung und persönlicher Beschimpfung wurden Zeh und Hämel mit 99,4 Prozent und der Aufsichtsrat mit 99,8 Prozent doch entlastet. Insgesamt waren 86 Prozent der Aktionärsstimmen vertreten. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis", erklärte ein sichtlich erleichteter Hämel. Noch im Oktober werde über das Sanierungskonzept mit dem Aufsichtsrat verhandelt. Er glaube an die GWC AG und ihr Potential. "Die Zahlen, besonders in der Medizinsparte, lassen hoffen."

Nicht ganz so optimistisch blickt Wiederhold in die Zukunft: "Diese Anträge waren rechtsmissbräuchlich. Doch ich bin sicher, dass man auch in der Gemeinde verstehen wird, dass eine Insolvenz der schlimmste aller Fälle wäre. Sie muss endlich echte finanzielle Hilfe anbieten!"

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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