Die Uhren stehen auf 5 vor 12

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Prien - Ob sich jemand etwas dabei gedacht hat, ist nicht überliefert - aber es hat Symbolcharakter: Die Wanduhren im neuen Seebettenhaus der Romed Klinik stehen auf "5 vor 12".

Denn in nur noch 34 Tagen wird der 20-Millionen-Euro-Komplex nach über zweieinhalbjähriger Bauzeit feierlich eingeweiht und am "Tag der offenen Tür" darauf der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der fünfgeschossige Komplex in Nord-Süd-Ausrichtung parallel zum nahen Chiemseeufer ist der zweite große Bauabschnitt bei der Runderneuerung des Priener Krankenhauses, die mit der Fertigstellung des Gesundheitszentrums (GHZ) nördlich des alten Gebäudeensembles 2009 ein erstes Etappenziel erreicht hatte.

Ab 2013 wird das Südbettenhaus als letztes Relikt aus der Zeit der Thyssenklinik aus den 1960er Jahren fallen und bis spätestens 2016 durch einen Neubau ersetzt, der im 90-Grad-Winkel in Richtung Harasser Straße an das Seebettenhaus angedockt wird. Am Ende werden innerhalb von acht bis neun Jahren wohl um die 50 Millionen verbaut worden sein für das neue Priener Krankenhaus.

Am Samstag, 17. November, sollen sich die Türen des 20-Millionen-Baus erstmals für die Bevölkerung öffnen. In der Woche darauf sollen die ersten Ärzte, Schwestern und Patienten umziehen. Der Wechsel der Räumlichkeiten ist weit mehr als ein "normaler" Umzug. Die Versorgung Kranker und Verletzter muss jederzeit gewährleistet sein - eine Herausforderung, die gerade durch dem Umzug der Intensivabteilung ins Untergeschoss des Neubaus besonders groß ist. Wöchentlich kommen alle Beteiligten derzeit zusammen, um Zeitpläne abzustimmen, zu ändern, zu verfeinern. "Bis Weihnachten liegen alle Patienten in einem Neubau", gab Albert Stelzer, Baubeauftragter der Klinik, beim Rundgang durch den Neubau mit der Redaktion als Termin vor. Bis dahin sollen alle Kranken auf die Stationen im dritten und vierten Stock des GHZ sowie die neuen im Seebettenhaus verteilt sein. Die Priener Romed Klinik wird dann über 140 Betten verfügen, zehn weniger als früher, sagte Susanne Henn, stellvertretende Verwaltungssleiterin, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

90 Betten in 45 Zimmern sind im Seebettenhaus auf drei Obergeschosse verteilt - alle Zimmer mit Balkon auf der Chiemseeseite. Auf der anderen Seite der Flure liegen die sogenannten Funktionsräume. Sie grenzen zum Großteil an Priens größten Wintergarten: Der ist vier Stockwerke hoch und schon mit echten Bäumen und Pflanzen begrünt, um die Sitzgelegenheiten angeordnet sind. Elektrisch ausfahrbare Sonnensegel unter dem Glasdach schützen vor Hitze, abends verbreiten Spiegel, die von Strahlern angeleuchtet werden, Licht - ähnlich wie zum Beispiel im Prienavera.

Der Wintergarten verbindet das Seebettenhaus mit dem Funktionstrakt, der in den 1980er Jahren entstand und über den Besucher bisher die Klinik betreten. Die Pforte am alten Haupteingang wird im November dicht gemacht. Dann wird eine geschwungene Empfangstheke im Foyer im Erdgeschoss des Seebettenhauses die neue zentrale Anlaufstelle. Von der Tür aus gesehen etwa 30 Schritte nach schräg rechts über dunkelgraue Fliesen befindet sich die stationäre Aufnahme, dahinter folgen die Chefarztbüro. Linker Hand vom Eingang aus gesehen sind ambulannte Patienten der Endoskopie richtig, in deren Behandlungsräumen schon neue Gerätschaften für Magen- und Darmspiegelungen montiert sind.

Direkt neben der Empfangstheke werden dieser Tage Spülen und Herde angebracht für die neue Selbstbedienungs-Cafeteria, die sich bei schönem Wetter auch ins Freie auf eine Holzterrasse in Richtung See erstreckt. Am südlichen Ende des langgestreckten Gebäudes mit 3000 Quadratmetern Nutzfläche wird im Erdgeschoss ein Multifunktionsraum eingerichtet - mit modernster "Beamer"-Technik für interdisziplinäre Konferenzen der Mediziner, aber auch Vorträge vor Publikum.

Genau darüber liegt das Stillzimmer der künftigen Geburtshilfeabteilung. Viele Einrichtungsgegenstände, zum Beispiel Einbauschränke sind in Weiß gehalten und verstärken den hellen Eindruck vom Neubau, der dank großer Fensterflächen entsteht. Wer genau hinschaut, entdeckt weitere gestalterische Details, zumBeispiel schilfartiges Muster auf den Blenden, die in den Patientenzimmern Anschlüsse für Strom und andere Versorgungsleitungen verdecken.

Es gibt auch Farbtupfer. Zum einen in hellem Blau, das Ruhe ausstrahlen soll, zum anderen in kräftigem Gelb, zum Beispiel an den Theken der Schwesternzimmer (Fachjargon: "Pflegestützpunkte") oder in die Wand eingelassenen Sitzen von Wartebereichen. Wer etwas sucht in dem weitläufigen Haus, soll sich so besser orientieren können. "Geh dahin, wo es gelb ist", umschreibt Claudia Specht vom Architekturbüro "RRP" aus München den planerischen Hintergedanken für die gelben "Treff- und Anlaufpunkte.

Noch wird an einigen Ecken geschraubt oder werden Wandelemernte zugeschnitten, aber Bauleiter Claus Kugler lächelt entspannt. Als Koordinator aller beteiligten Firmen scheint er sich sicher zu sein, bis zur Einweihung am 16. November alles fertig zu bekommen.

Weil ein Krankenhaus auch von teils komplizierter medizinischer Technik abhängig ist, werden in den nächsten Wochen zahlreiche Testläufe der verschiedenen Systeme durchlaufen. Allein für die Stormversorgung gibt es drei: den regulären, der Notstrom, der über ein Dieselaggregat gespeist wird und einen batteriebetriebenen Kreislauf, der bei Stormausfall die Zeit überbrückt, bis der Dieselmotor läuft.

db/Chiemgau Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser