Ungewöhliches an ungewohntem Ort

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Bettina Nistler als Kasper und Jochen Nistler als Boanlkramer vermochten mit Mimik und Sprache ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen.

Rottau - Ungewöhnliche Inszenierung, ungewöhnlicher Ort: Als Wirtshauserzählung präsentierte die "Werkstatt Kesslfligga" die "G'schicht vom Brandner Kasper".

Und zwar in der Originalfassung von Franz von Kobell, ergänzt um zehn selbst komponierte Lieder, im Rottauer Museum "Klaushäusl".

Die "Werkstatt Kesslfligga" besteht aus Bettina und Jochen Nistler. Kennengelernt haben sich die ehemalige Boutique-Betreiberin und der studierte Finanzwirt 2003 beim Gospelsingen. Schon ein Jahr später beschlossen sie, ganz für ihre Kunst zu leben. Inzwischen ziehen sie, wie früher die Kesselflicker, von Dorf zu Dorf, von Schule zu Schule, von Wirtshaus zu Wirtshaus. Der erste Teil ihres Namens steht für die Vielseitigkeit der beiden. Sie widmen sich mittlerweile dem Bau von Marionetten aus Wurzel- und Schwemmholz, begeistern mit dem Marionettenspiel "Das vergessene Dorf", sind Betreiber einer Kunstgalerie in Baumburg/Altenmarkt, schaffen Bilder, Skulpturen und Kabarettprogramme.

Die "G'schicht vom Brandner Kasper" entstand im Sommer 2005 und wurde erstmals im darauf folgenden Herbst im Holzknechtmuseum Ruhpolding gezeigt. Das Duo spricht im Stück zunächst die Texte von Kobell und singt dazu zehn eigene Lieder, in denen das vorausgegangene Handeln aufgearbeitet wird. Die beiden kommen ohne Bühnenlicht und Tontechnik aus und schätzen statt einer Bühne den Blickkontakt zum Publikum. Immer auf der Suche nach rustikalen und historischen Räumen für ihr Stück, lobten beide das "Klaushäusl" als passendes Ambiente. Zum Inhalt: Der Brandner Kasper lebt als Schlosser bei Tegernsee, als ihn eines Ta-ges der Boanlkramer (der Tod) aufsucht, weil seine Erdenzeit abgelaufen ist. Beim Kartenspiel "b'scheißt" der schlitzohrige Kasper den Tod und schlägt noch eine längere Lebenszeit heraus. Nachdem Petrus merkt, dass der Kasper längst überfällig ist, rügt er den Boanlkramer. Um nicht aus dem Dienst entlassen zu werden, solle er nun den Kasper unverzüglich holen. Trotz allerhand Traurigkeiten und "Zwiderheiten" in seinem Leben will Kasper auch beim zweiten Besuch des Sensenmannes zu-nächst nicht mit ihm gehen. Doch als dieser ihm "a Platzl, wo ma gar schee ins Paradies neinschaun kann" verspricht, fährt er mit. Im Paradies angekommen, will er nicht mehr "auf die Welt da drunt".

Die Aufführung begeisterte die rund 50 Zuschauer (man hätte sich durchaus mehr gewünscht) durch die bayerische Sprache, das intensive Spiel und den herrlichen Gesang der Protagonisten sowie die kuriosen Einfälle. So wird der Tod mit "Kirtanudeln und Kerschgeist" verführt und die Sense des Boanlkramers als Percussioninstrument "zweckentfremdet". Die Zuschauer erlebten mit Lachen, Traurigkeit, Mitgefühl, Betroffenheit und Nachdenklichkeit eine Achterbahn der Gefühle und dankten mit viel Applaus. Die nächsten Aufführungen vom Brandner Kasper sind Open Air am 18. September im Kloster Baumberg und am 23./24. Oktober im Ruhpoldinger Holzknechtmuseum.

Von Bärbel vom Dorp/Chiemgau-Zeitung

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