Unmut über Schließung hält an

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Die Dienststelle Seeon soll im Zuge der Verwaltungszusammenlegung zum Bedauern vieler Bürger für immer geschlossen werden. Wer das Rennen um den Rathausstandort macht steht noch in den Sternen.

Seeon-Seebruck - Die Zusammenlegung der Verwaltungen in der Gemeinde ist eigentlich beschlossene Sache: Das Standesamt in Seeon soll zum Bedauern vieler Bürger aufgelöst werden.

In der außerordentlich gut besuchten Gemeinderatssitzung kamen jedoch Zweifel auf, ob die Grundsatzentscheidung nicht doch zu überstürzt und über die Köpfe der Bürger hinweg getroffen worden sei. Immerhin liegen 600 Unterschriften vor, in denen sich für den Erhalt der Seeoner Dienststelle ausgesprochen wird.

Und so forderte der aus Seeon stammende Zweite Bürgermeister Hans Huber (Freie Wähler, FW), zunächst die Bürger zu Wort kommen zu lassen und erst dann einen erneuten Grundsatzbeschluss zu fassen. "Ich glaube, das sind wir unseren Bürgern schuldig", sagte Huber, der sich von der Bürgerversammlung am Donnerstag, 29. Juli, viele Wortmeldungen aus der Bevölkerung erhofft.

Die außerordentliche Bürgerversammlung, zu der noch bis morgen, Freitag, schriftliche Wünsche und Anträge bei der Gemeinde eingereicht werden können, beginnt um 20 Uhr im Gasthaus "Alter Wirt".

Den Grundsatzbeschluss vom Mai 2009 zu kippen respektive neu zu fassen, würde nach Ansicht der Befürworter der Zusammenlegung unterm Strich keine neuen Erkenntnisse bringen. "Ich glaube nicht, dass sich an dem Ergebnis, das mit elf zu fünf Stimmen deutlich ausgefallen ist, was ändern wird", meinte Rudolf Mayer (FW). Josef Hölzl (FW) und Sepp Daxenberger (CSU) forderten, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Hölzl: Von einer überstürzten Grundsatzentscheidung könne nicht die Rede sein. Der Gemeinderat habe sich sehr wohl Gedanken über eine zukunftsträchtige Lösung gemacht. Sowohl das Rathaus in Seebruck als auch die Dienststelle in Seeon seien in die Jahre gekommen und müssten dringend saniert werden.

Vor diesem Hintergrund stand für die meisten Gemeinderäte im letzten Jahr fest, Nägel mit Köpfen zu machen und der Zweigleisigkeit ein Ende zu setzen. Auf FW-Antrag wurde deshalb beschlossen, drei mögliche Standorte in allen drei ehemaligen Gemeinden zu untersuchen: Das bestehende Rathaus in Seebruck, das Areal der ehemaligen Molkerei in Truchtlaching (Bauhofgelände) und die alte Schule in Seeon, in der sich die Limnologische Forschungsstation befindet. Das Ergebnis der Studie, die in enger Zusammenarbeit mit Gremiumsvertretern und der Verwaltung erarbeitet wurde, wurde von den Architekten Anton Zeller und Hans Romsätter vom gleichnamigen Architekturbüro in Traunstein dem Gemeinderat in der Sitzung präsentiert.

Nach dieser Studie könnte das Rathaus in Seebruck umgebaut, entsprechend saniert und nach Südwesten erweitert werden. Nach den Vorstellungen der Architekten könnte in dem Anbau, der eine transparente Form erhalten würde und durch ein Zeltdach einen räumlichen Abschluss fände, im Obergeschoss der Sitzungssaal mit Blick auf den Chiemsee Platz finden. Im Erdgeschoss könnte die Tourist-Information (Verkehrsamt) integriert und im Untergeschoss ein Lese- und Vortragsraum eingerichtet werden - immer vorausgesetzt, die Gemeinde entscheidet sich für einen Umzug der Tourist-Information.

Das bestehende Rathaus, dessen Bausubstanz nach Aussagen Zellers noch gut sei, würde entsprechend saniert und umgebaut. Die grob geschätzten Kosten für diese Alternative (Umbau, Erweiterung und Tourist-Info) würden sich bei 2,5 Millionen Euro bewegen. Am Standort in Truchtlaching käme nur ein Neubau in Frage, der inklusive der Außenanlagen mit geschätzten Kosten von rund drei Millionen Euro zu Buche schlagen würde. Hier wäre ein Solitärgebäude (freistehendes Gebäude) möglich, sagte Zeller. Sollte diese Alternative zum Tragen kommen, müsste der Bauhof verlegt werden, über dessen Standort grundsätzlich noch zu diskutieren wäre.

Intensiv "vorgeknöpft" haben sich die Architekten das ehemalige Seeoner Schulhaus (Limnologische Station). Wie Zeller erklärte, steht es mit der Bausubstanz nicht zum Besten und die Räume seien für eine Verwaltung eher "suboptimal", also ungeeignet. Beim Dachstuhl seien der Hausbock und der Holzwurm fest am Werke und im Keller habe die Feuchtigkeit ihr Werk vollzogen. Ein Umbau des Gebäudes wäre deshalb so teuer, wie ein Neubau - etwa drei Millionen Euro. Bei einem Neubau, für den das Grundstück der bestehenden Gemeindebücherei nötig wäre, könnte die Bibliothek im Dach- oder im Kellergeschoss untergebracht werden. Das Untersuchungsergebnis der Standortstudie wird auch den Besuchern in der Bürgerversammlung vorgestellt. Nach der Sommerpause will sich der Gemeinderat dann auf einen Standort festlegen.

ga/Chiemgau-Zeitung

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