Unternehmerfamilie Meltl setzt auf Windenergie

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Ein Versuchsfeld von "alpha ventus", dem ersten deutschen Windpark auf hoher See: Ein ähnliches Bild wird der neue Offshore-Windpark liefern, an dem sich auch die Unternehmerfamilie Meltl beteiligt.

Bernau - Auf der Nordsee engagiert sich die Unternehmerfamilie Meltl in einem der ersten Windparks auf offenem Meer. Die Windräder werden die Jahresstromleistung eines halben Atomkraftwerks ersetzen.

Auf dem Bayerischen Meer ist die Unternehmerfamilie Meltl zu Hause, das hat sie als ehemalige Inhaberin von Bavaria Yachtbau und Eigentümerin der Yachtagentur Meltl oft genug bewiesen. Doch jetzt gehen Josef und Dorothea Meltl - unternehmerisch gesehen - fremd: Auf der Nordsee engagiert sich ihre Firmengruppe unter dem Dach der Ativo Beteiligungs GmbH & Co. KG in einem der ersten Windparks auf offenem Meer. Die 80 Windräder werden in Zukunft die Jahresstromleistung eines halben Atomkraftwerkes ersetzen.

Es ist die größte Projektfinanzierung eines Windparks aller Zeiten, doch Josef und Dorothea Meltl erklären einmütig: "Wir sind uns des unternehmerischen Risikos bewusst und glauben an den Erfolg des Vorhabens." Das haben die Rimstinger auch schon getan, als der Atomenergieausstieg noch kein Thema war. Denn die Genehmigung für den Windpark "Global Tech I" ist bereits 2006 erfolgt, seit 2008 sitzt die Ativo Beteiligungs GmbH mit im Boot des Gesellschafterkreises, der Investitionen von 1,6 Milliarden Euro tätigen wird.

Was kaum jemand weiß: Dorothea und Josef Meltl beschäftigen sich schon länger nicht nur mit dem Wind auf dem Bayerischen Meer: Bereits vor vier Jahren haben sie einen Windpark südlich von Bremen gekauft. 2008 folgte der Erwerb des landwirtschaftlichen Gutes Grabenstätt und der Bau einer Biogasanlage, 2010 der Kauf eines Gutes in Brandenburg bei Berlin, wo neben der Tierhaltung auch eine Biogasanlage betrieben wird.

Seit dem Verkauf der Bavaria Boote im Jahr 2007 haben die Meltls konsequent auf Projekte gesetzt, die erneuerbare Energien im Fokus hatten. Die Grundstimmung gegenüber ihrem Projekt war nicht immer so positiv wie derzeit. Im Gegenteil: "In den Augen vieler galten wir noch vor nicht allzu langer Zeit als Traumtänzer", berichtet Meltl. Dass er und seine Frau sich trotz der vor dem Reaktorunglück von Fukushima herrschenden Skepsis gegenüber der Windenergie nicht von ihren Plänen abhalten ließen, liegt an ihrer Überzeugung, dass auch das Ende der fossilen Energieträger wie des Öls absehbar ist. Dorothea Meltl sieht zwischen dem finanziellen Engagement auf der Nordsee und der Familien- sowie Unternehmensgeschichte außerdem einen Zusammenhang. "Unser ganzes Leben hat sich bisher schließlich auf dem Wasser abgespielt, die Elemente - vor allem der Wind - haben uns stets begleitet", erläutert die Trägerin des bayerischen Verdienstordens. "Wir sind mit Leib und Seele Unternehmer und wollen etwas bewegen", bringt die Geschäftsführerin, die sich mit ihrer Stiftung auch sozial engagiert, auf den Punkt, warum sie und ihr Mann in mutige Projekte wie in einen der ersten und größten Windparks in der Nordsee investieren.

Das Vorhaben, an dem die Meltls beteiligt sind, besitzt gigantische Ausmaße: 80 Windräder mit einer Gesamtleistung von 400 Megawatt werden pro Jahr rund 1,4 Milliarden Kilowattstunden sauberen Strom für 445 000 Haushalte produzieren. Im Meeresboden werden auf einer Fläche von 41 Quadratkilometern etwa 180 Kilometer vor Bremerhaven die Anlagen mit einer Nabenhöhe von 90 Metern verankert. Von der Küste aus sind sie aufgrund der Erdkrümmung nicht zu sehen.

Die Ativo mit Sitz in Bernau am meist ruhigen Bayerischen Meer ist am Offshore-Windpark, wo auf freier See eine Windstärke von durchschnittlich zehn Meter pro Sekunde herrscht, nicht nur als passiver Investor beteiligt. Ativo-Geschäftsführer Guido Decker hat zur Freude der Meltls eine aktive Rolle im Finanzierungsteam übernommen. Viele Bauteile und Elemente für die Anlage, die 2012 ans Netz und 2013 in den Vollausbau gehen soll, kommen außerdem aus Bayern. Know-how vom alpinen Festland für die See: Das stellt die beteiligten Unternehmen - unter ihnen auch die Firma Hoch-Tief - vor große technische Herausforderungen angesichts des hohen Salzgehaltes der Luft und der starken Belastungen durch Wind, Wellen und Strömungen für Fundamente, Turbinen und das Umspannwerk. Die Installation der Windräder, deren Produktion bereits begonnen hat, wird deshalb wohl ein weiteres besonderes Abenteuer in der bewegten Geschichte der Firmengruppe Meltl darstellen.

Heike Duczek (Oberbayerisches Volksblatt)

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