Die Venus wird zehn Jahre alt

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Das Prienavera wird am Freitag zehn Jahre alt.

Prien (CH-Z) - "Die Geburt der Venus" - so warb die Priener Tourismus GmbH im Oktober 1999 auf großen Plakaten für ihr neues Erlebnisbad. Am Freitag jährt sich die Eröffnung zum zehnten Mal.

Der muschelförmige 20-Millionen-Mark-Bau am Chiemseeufer mit Blick aufs Königsschloss hat inzwischen über zwei Millionen Besucher angelockt. "Das Prienavera ist unser schönstes Bauwerk", schwärmten kurz vor der Eröffnung die Architekten Hans Romstätter und Anton Zeller. Die Geburt der Riesenmuschel am Bayerischen Meer hatte sie und alle Beteiligten aber auch viele Nerven gekostet. Stürme während der Bauzeit und mehrere Firmen, die pleite gingen, stellten sie vor große Herausforderungen und den angepeilten Termin mehrmals in Frage. Am Ende gelang trotz aller Widrigkeiten eine Punktlandung.

Das transparente Dach machte es möglich, "den Himmel ins Bad zu holen", eine Vision, die vor allem auch der damalige Bürgermeister Lenz Kollmannsberger den Architekten immer wieder mitgegeben hatte. Etwas Vergleichbares gab es noch nicht zwischen München und Salzburg.

Heute ist das Dach das größte Sorgenkind. Konstruktionsmängel und Erosionsschäden an den Halterungen sind der Grund, warum es im nächsten Jahr mit Millionenaufwand erneuert werden soll. Modernere Folien sollen dann auch die Energiekosten spürbar senken. Derzeit berechnen Spezialisten die möglichen Einspareffekte. Über 400.000 Euro muss die Priener Tourismus GmbH (PTG) zurzeit jährlich für Energiekosten ausgeben. Gas und Strom sind seit 1999 erheblich teurer geworden.

Möglicherweise werden im Zuge der Baumaßnahme auch Verbesserungen im akustischen Bereich umgesetzt. Der Geräuschpegel ist umso höher, je mehr Menschen sich in der Halle vergnügen. Was manchen Besucher mitunter stört, hatte zwischendurch einen Künstler sogar inspiriert. Baron Enoch zu Guttenberg, unter anderem Intendant der Festspiele Herrenchiemsee, dachte über den Bau einer zweiten Muschel gleich nebenan als Konzerthalle nach.

Der Badespaß im Prienavera ist bis heute vergleichsweise günstig. Als Familienspaßbad konzipiert, gewährt die PTG konsequent Kindern bis zum siebten Geburtstag freien Eintritt. Das haben heuer schon weit über 14.000 Mädchen und Buben genutzt - etwa ein Zehntel aller Besucher, weiß Betriebsleiterin Heike Kunze. Die 200.000er-Marke werde bis zum Jahresende wohl nicht ganz erreicht, schätzt PTG-Chef Ferdinand Reb.

In den Anfangsjahren war das anders. Die Muschel mit ihren Spaßbecken, Sprudeldüsen, der fast 70 Meter langen Rutsche und der konkurrenzlos schönen Aussicht faszinierte die Massen. An der Kasse standen die Wasserratten Schlange, bis zu 250.000 Besucher strömten übers Jahr verteilt ins Erlebnisbad. Auch die Sauna boomte mit bis zu 30.000 Gästen. Zuletzt schwankten die Zahlen dort zwischen 21.000 und 24.000 im Jahr.

Solche Zahlen sind heute utopisch. Der Umstand, dass laut Kunze ausgerechnet in der Hauptsaison im Juli und August an Spitzentagen bis zu 1400 Besucher kommen, belegt aber auch, dass das Prienavera unverändert ein immens wichtiger Eckpfeiler im touristischen Angebot ist.

Dieses "Pfund" lässt sich Prien etwas kosten. Zwar ist der Pro-Kopf-Umsatz der Besucher heuer im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Trotzdem bleibt das Bad, in dem über 30 Personen beschäftigt sind, davon rund 25 Voll- und Teilzeitkräfte, ein Zuschussbetrieb. Der Betrag sei aber nicht höher als früher beim Warmbad, das Ende der 90er-Jahre dem Prienavera weichen musste, betont Reb.

Um der Attraktivität zwischendurch neuen Schwung zu verleihen, bedarf es zusätzlicher Attraktionen. Seit 1999 haben sich, nahezu unbemerkt vom Publikum, viele Kleinigkeiten verändert. Mobiliar wurde immer wieder ergänzt oder ausgetauscht, Duschköpfe erneuert, die Eingangsschleuse zum Außenbecken umgebaut und vieles mehr.

Augenscheinlich waren vor allem zwei Maßnahmen: die Erweiterung der Sauna um einen Ruheraum mit 22 Liegen inklusive Neugestaltung des Saunagartens und der Bau eines Heißwasserbeckens mit Unterwassermusik. Letzteres war mehr oder weniger aus der Not heraus entstanden, weil das ohnehin wenig genutzte Kaltwasserbecken an dieser Stelle leck war und der Boden sowieso aufgerissen werden musste.

"Der große Wurf ist ausgeblieben", ist für PTG-Geschäftsführer Reb klar, dass "über kurz oder lang etwas passieren muss", sprich eine neue Atrraktion her muss, um wieder zusätzliche Gäste anzulocken. Zumal die Konkurrenz nicht untätig war seit 1999.

Eine zweite große Rutsche zum Beispiel würde nach Schätzungen inklusive eines eigenen Auslaufbeckens wohl rund eine halbe Million Euro kosten. Bis es vielleicht einmal soweit kommt, versuchen Reb und Kunze mit Aktionen und Spezialangeboten das Publikum in die Muschel zu bringen. Romantik-Badeabende, Obst- und Mondscheinsauna, Wassergymnastik, die "Nacht in Weiß", Kinder-Spielnachmittage und vieles mehr sprechen unterschiedliche Zielgruppen an.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Hier ein paar Eindrücke von vor 10 Jahren:

Das Prienavera

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