Verena unterm Sternenhimmel

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Voller Lebenshunger nach überstandener Chemotherapie: Verena (rechts), die vor drei Jahren an Krebs erkrankte. Das 15-jährige Mädchen freut sich schon auf Mitterndorf, besonders auf den Streichelzoo und die Sternwarte.

Rosenheim/Gstadt - Am Chiemsee entsteht derzeit eine neue Sternwarte. Durch das Glasdach des Irmengardhofs in Mitterndorf bei Gstadt soll man schon bald in den Nachthimmel schauen und träumen können - von einer Zukunft ohne Krebs.

Verena freut sich schon darauf und kann es kaum erwarten, bis die neue Ferieneinrichtung für schwerst kranke Kinder und deren Familien eröffnet wird. Bei der heute 15-jährigen Gymnasiastin war vor drei Jahren ein Bauchkrebs entdeckt worden.

Woher die Kraft nehmen, um mit einer schweren Krankheit fertigzuwerden, den Krebs zu besiegen und nicht an einem Schicksalsschlag zu zerbrechen? Eine Frage, mit der sich in Deutschland viele tausend Betroffene und ihre Angehörigen täglich auseinandersetzen müssen. Verena und ihre Eltern wissen, wie nervenaufreibend dieser Kampf ist. Erholungs-, Nachsorge- und Ferieneinrichtungen, wo sie Halt und Entspannung finden können, gibt es viel zu wenige.

Deshalb baut die Björn-Schulz-Stiftung, die seit 15 Jahren schwerst-, krebs- und chronisch kranke Kinder und Jugendliche begleitet, in Mitterndorf einen leer stehenden Klosterhof zu einem besonderen Ferienzentrum um - auch mit Hilfe der Leserinnen und Leser unserer Zeitung: Jeder Cent, der für die OVB-Weihnachtsaktion "Gemeinsam für krebskranke Kinder" gespendet wird, fließt direkt nach Mitterndorf.

"Schöne Erlebnisse stärken unsere Kinder, machen sie mutiger, fördern ihre Lebensfreude, ihr Gesundwerden oder Gesundbleiben", sagt Jürgen Schulz, Vorstand der Björn-Schulz-Stiftung. Wie gut eine solche Auszeit tut, sieht man Verena an: Ein gut gelauntes und sonnengebräuntes Energiebündel sitzt im Strandkorb an der Nordsee. Schon das zweite Mal ist Verena mit anderen Jugendlichen ihres Alters in den hohen Norden gefahren, um im Rosemarie-Fuchs-Haus auf Sylt mitten in den Dünen "aufzutanken".

Das Reetdachhaus ist die bisher einzige Nachsorgeeinrichtung der Björn-Schulz-Stiftung. Sie ist schön, aber klein - und die Nachfrage ist groß. Nur wenige Betroffene haben das Glück, wie Verena im Strandkorb Platz nehmen zu können. Wenn im Sommer 2011 der Irmengardhof am Chiemsee eröffnet wird, sollen auch andere Kinder zum Zug kommen.

Verena ist sehr sportlich. Das Mädchen mit dem kräftigen, immer wippenden Zopf turnt elegant mit dem Rhönrad, trainiert in einer Akrobatikgruppe. Das war nicht immer so. Im Januar 2007 hatten die Ärzte an einem Lymphknoten im Bauch Krebs festgestellt. Zwei Jahre lang kämpfte sie tapfer, 2009 konnte die Chemotherapie abgeschlossen werden.

Die lebensfrohe Gymnasiastin lässt sich nicht unterkriegen. Die 15-Jährige singt im Chor ihrer Schule, in der sie - altersgemäß - die 9. Klasse besucht. Eine enorme Leistung, denn normalerweise müssen die Kinder wegen der aufwendigen Behandlung eine oder sogar zwei Klassenstufen aussetzen.

Singen ist Verenas große Leidenschaft. Schon mit fünf gehörte sie zum "Kinderchor mit Bewegung" ihrer katholischen Kirchengemeinde "Maria Gnaden". Stolz erwähnt der Papa, dass die Kinder bereits mehrfach am Sternsingen im Bundeskanzleramt teilnehmen durften. Auch Musicals gehören zum Repertoire. Im März 2007 hatte sie mit dem Kindermusical "Schwein gehabt" ihren größten Auftritt. Das Benefizkonzert war ausverkauft, und Verena mitten in der Chemotherapie - aber nur am Vormittag. Am Abend sang sie auf der Bühne im Berliner Ernst-Reuter-Saal.

Die Björn-Schulz-Stiftung stand und steht der 15-Jährigen und ihren Eltern seit der Diagnose bei und macht ganz spezielle Angebote.

Vom Irmengardhof hat Verena schon gehört. Mehr als 30 Gästezimmer, ein Handwerksraum und eine Turnhalle entstehen derzeit im Chiemgau - und ein "Raum der Stille", der mit Geldern aus der OVB-Weihnachtsaktion finanziert werden soll. Sofort fragt das Mädchen nach Tieren. "Wir werden Haflinger und auch Schafe in einem Streichelzoo unterbringen. Schließlich sind das die besten Rasenmäher", scherzt Jürgen Schulz, Initiator des Irmengardhof-Projektes. Die Stiftung ist nach seinem Sohn Björn benannt, der 1982 im Alter von sieben Jahren an Leukämie starb.

Auch das junge Leben von Verena hat der Krebs bereits geprägt. Man kann ihr nur wünschen, dass ihr die Sterne über dem Chiemsee den Weg in eine gesunde Zukunft weisen - vielleicht sogar mit Chor-Auftritt beim Christkindlmarkt auf der Fraueninsel.

OVB-Weihnachtsaktion

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