Viele Liegestühle blieben leer

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So gut besetzt wie bei "Ziemlich beste Freunde" waren die Liegestühle im "Open Air"-Kino im Prienavera-Strandbad sonst fast nie.

Prien - Am Wochenende geht die erste Priener "Open Air"-Kino-Saison zu Ende. Ob es wegen niedriger Besucherzahlen zugleich auch die letzte sein wird, ist offen.

Weil die Besucherzahlen deutlich hinter den Erwartungen zurück blieben und oft Vorstellungen wetterbedingt ausfallen mussten, weiß Kinobetreiber Mike Engel noch nicht, ob er auch 2013 Filme unter freiem Himmel zeigen wird.

Die Premiere Mitte Mai war im Nachhinein betrachtet ein Spiegelbild fast der ganzen Freiluftsaison. Knapp 80 Hartgesottene erlebten damals in Wolldecken verpackt bei Temperaturen im einstelligen Plusbereich die polnische Komödie "Sommer auf dem Land". Nur zwei Filme schafften es seitdem, diese Besucherzahl deutlich zu übertreffen: der französische Überraschungserfolg "Ziemlich beste Freunde", der zehnmal lief und bis zu 150 Zuschauer anlockte, und die Vorpremiere (neudeutsch "Preview") von Marcus H. Rosenmüllers neuem Streifen "Wers glaubt wird selig", die sich 200 Cineasten nicht entgehen ließen.

Dabei waren Priens Kinochef Mike Engel und seine Helfer mit viel Enthusiasmus an die "Open Air"-Idee herangegangen. Für mehrere tausend Euro hatte er im Mathäser-Filmpalast in München eigens ein Vorführgerät erstanden und eine 14 Meter breite, aufblasbare Leinwand gekauft. Und auch die 650 drahtlosen Kopfhörer ließ er sich einiges kosten. Dass das Strandbad nicht aus großen Boxen beschallt wird, war eine der Auflagen der Genehmigung für die Freiluftveranstaltung.

Zum Auf- und Abbau der 500 Kilo schweren Leinwand, für die Kasse und zur Bedienung des Vorführgeräts waren pro abendlicher Vorstellung fünf Kino-Mitarbeiter nötig, die bezahlt werden wollen.

Prienavera-Wirt Peter Birkenbeul hatte auch investiert und zusätzlich ein paar hundert Liegestühle und Decken angeschafft.

Vor dem letzten "Open Air"-Wochenende muss Engel nun eine eher ernüchternde Bilanz ziehen. Unterm Strich hat er kräftig draufgezahlt. Beträge will er zwar nicht nennen, aber der Umstand, dass er die Zukunft des Priener Freiluftkinos offen lässt, ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass am Saisonende ein schmerzhaftes Minus steht.

Engel will sich in Ruhe überlegen, ob er 2013 eine zweite Saison im Strandbad wagt oder nicht. Wenn überhaupt, dann werde es im nächsten Jahr aber höchstens sechs komprimierte Wochen "Open Air"-Kino im Juli und August geben.

Die Hauptschuld an der meist mäßigen Resonanz trägt wohl das Wetter. Bestes Beispiel war der Juli, in dem nur zwei von zwölf geplanten Vorstellungen (jeweils donnerstags bis sonntags) stattfanden. Auch am vergangenen Wochenende flimmerte kein einziger Film über die Großleinwand am Chiemseeufer.

Zwei Wochen lang standen Zelte über den Biertischen und -bänken im hinteren Zuschauerbereich. Weil diese aber gemietet waren und so zusätzliche Kosten verursachten, verzichtete Engel zuletzt wieder darauf.

Der durchwachsene, oft regnerische Sommer hielt wohl viele davon ab, abends den Weg ins Strandbad zu wagen. Während die Menschen auch unter dunklen Wolken noch in den Biergärten saßen, wo schnell bezahlt ist, wenn es zu tröpfeln beginnt, riskierten sie den Besuch im Freiluftkino vielleicht im Zweifelsfall nicht, weil ein Film in der Regel 90 Minuten dauert und ihnen in dieser langen Zeit das Regenrisiko zu groß erschien.

So kam es, dass zu den meisten "Open Air"-Vorstellungen im Strandbad nicht einmal genug Besucher kamen, um zumindest die Filmverleih-Gebühr decken zu können.

Engel setzte fast ausschließlich auf Komödien, weil andere Betreiber von Freiluftkinos damit die besten Erfahrungen gemacht haben. Auch am letzten Saisonwochenende sind lustige Filme Trumpf: Am Freitag, 31. August, und Samstag, 1. September, steht jeweils um 21 Uhr die Vorpremiere von "Heiter bis wolkig" auf dem Spielplan, einer deutschen Produktion, die als "gefühlvolle Aufreißer-Tragikomödie" angekündigt wird.

Und zum Finale am Sonntag, 2. September, soll noch einmal "Ziemlich beste Freunde", der Kassenschlager aus Frankreich, über die Großleinwand flimmern - wenn das Wetter mitspielt.

red/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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