Priener Bahnhof: Die Vision von der "Trinität"

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Ein neuer Gebäudekomplex zwischen Bahnhof und Seestraße (links oben) sowie ein verkehrsfreier Platz mit Aufenthaltsqualität sind zentrale Punkte im Entwurf von Fabian Zimmermann, der aber zunächst nur als Diskussiongrundlage dient.

Prien - Fabian Zimmermann plant Bahnhöfe in aller Welt, zum Beispiel in Dubai und in Prien. Denn in der Marktgemeinde steht sein "Heimatbahnhof". Im Marktgemeinderat stelle er seine Visionen für den Priener Bahnhof der Zukunft vor.

Der gefragte Architekt, der auf der Ratzinger Höhe lebt, hat in seinen Entwürfen Historisches und Modernes zu verbinden versucht. Er ließ sich von einem Bundwerkstadel aus Mauerkirchen ("Hightech von vor 200 Jahren") ebenso inspirieren wie von einem fast futuristisch anmutenden Bahnhof in Landsberg am Lech.

Das Priener Bahnhofsgebäude entstand 1860, aus dem Jahr 1881 datiert der König-Ludwig-Pavillon am südlichen Ende des Haupttraktes, der später von Rimsting nach Prien versetzt wurde. Er steht ebenso unter Denkmalschutz wie die "Alte Post", die 1924 gebaut wurde.

Diese historischen Eckpfeiler hat Zimmermann in seine Planspiele aufgenommen und favorisiert um sie herum Gebäude, die in der Hauptsache aus Holz und Glas bestehen könnten. Den Werkstoff Holz hatte im Herbst 2008 MdL Klaus Stöttner ins Spiel gebracht und eine Zusammenarbeit mit der Fachhochschule (FH) Rosenheim angeregt.

Ein Dreh- und Angelpunkt für den Architekten ist der Bahnhofsplatz, heute für ihn wegen der parkenden Autos "eigentlich kein angenehmer Platz". Er sollte nach seiner überzeugung so weit als möglich vom Verkehr befreit werden, um Aufenthaltsqualität zu schaffen. Denkbar sind ein Brunnen und eine ansprechende Begrünung - die großen, alten Bäume, die schon stehen, würde Zimmermann unbedingt erhalten.

Sein Ziel ist eine "angenehme Verbindung vom Bahnhofs- zu Rathaus- und Marktplatz, also ein Dreieck zentraler Punkte oder eine "Trinität", wie der Architekt es nannte. "Wir wollen den Bahnhofsplatz zurückverlagern in den Ort", gab er als Marschrichtung vor. Dabei müssten aber auch "Barrieren", also vielbefahrene Straßen überwunden werden.

Das Bahnhofsgebäude selbst soll weitgehend erhalten bleiben, wenn es nach Zimmermann geht, die beiden Seitenflügel will die Bahn erneuern. Das Geld dafür will sie aus Grundstücksverkäufen erlösen. Die Eigentumsverhältnisse in dem Areal sind verzwickt - allein vier Bahngesellschaften besitzen Grundstücke und ein Löwenanteil zwischen Seestraße und Sparkasse gehört der "Aurelis", früher eine Bahntochter, heute eigenständig.

Die ersten Teilstücke könnten bald den Besitzer wechseln. "Es gibt Flächen, da sind wir kurz vor dem Abschluss", deutete Bürgermeister Jürgen Seifert an, dass der Markt Prien schon aktiv ist. Mittel dafür stehen im Haushalt bereit.

Busbahnhof statt Lagerhallen

Der Busbahnhof könnte von der Hochriesstraße abgerückt werden und an der Stelle neu entstehen, wo heute noch alte Lagerhallen aus Holz stehen. Für wartende Busfahrgäste schlägt Zimmermann einen überdachten Bereich vor.

Aus seinen computeranimierten Visionen ragt ein Komplex aus vier Gebäuden zwischen Bahnhof und Seestraße heraus, die U-förmig angeordnet einen kleinen Platz umgeben. Während im Erdgeschoss Läden, gastronomische Betriebe und auch eine Tourist-Info entstehen könnten, findet der Architekt die Stockwerke darüber prädestiniert für betreutes Wohnen - wegen der zentralen Lage mitten im Zentrum. Auf diesem Areal steht heute unter anderem der Kinderhort "Wirbelwind".

Ein weiterer Neubau findet sich in Zimmermanns Vorschlägen südlich der "Alten Post" parallel zur Hochriesstraße, quasi als "Abschluss" des Platzes. Zwischen diesem Haus und der "Alten Post" könnten die Busse künftig wieder auf die Hochriesstraße einbiegen. "Nicht ganz neu", gab Zimmermann zu, ist die Idee, zwischen Gleisen und Sparkassen-Areal ein Parkdeck zu schaffen.

Im September soll sich der Marktgemeinderat mit der Bauleitplanung befassen, kündigte Seifert an, also die Grundlagen für einen Bebauungsplan legen. Bis dahin - das weiß der Architekt - ist "alles noch ein bisschen Makulatur".

db/Chiemgau-Zeitung

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