Volkszählung bei den Bibern

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Zwei Landkreis-Biber auf Schmusekurs. Die beiden Tiere wurden im südlichen Landkreis gesichtet.

Rosenheim - Einfach war die Arbeit der freiwilligen Helfer des Bund Naturschutz nicht, aber jetzt steht fest, wie viele Biber bereits in Stadt und Landkreis Rosenheim heimisch sind.

Rund 450 Biber wurden gezählt. Dieses Ergebnis stellte der Biberbeauftragte Gerhard Kraus nun im Schüler- und Studentenzentrum Rosenheim der Öffentlichkeit vor.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat dem Bund Naturschutz in Bayern den Auftrag erteilt, in zehn ausgewählten Landkreisen eine Biberkartierung durchzuführen. Der Auftrag geht zurück auf einen Beschluss des Arbeitskreises zur Optimierung des Bibermanagements am Umweltministerium. Grund war, dass es in Bayern bisher nur vereinzelt detaillierte und aktuelle Biberkartierungen in den Landkreisen und Regierungsbezirken gibt.

Für die Stadt und den Landkreis wurde die Zählung in den Wintermonaten des vergangenen Jahres durchgeführt. Eng zusammengearbeitet wurde dabei mit den Unteren Naturschutzbehörden und dem Landratsamt Rosenheim.

Gerhard Kraus vom Landratsamt Tölz erklärt bei seiner Präsentation auch, warum die Aktion gerade in der kalten Jahreszeit durchgeführt werden musste: "Da sieht man die Spuren der Tiere besser und hat auch einen guten Blick durch das Gehölz, weil das Laub fehlt."

Geforscht nach den Bibern wurde an den Flüssen, Bächen, Gräben, Seen und Weihern in Stadt und Landkreis. Die Helfer suchten nach Fraßspuren, Fußabdrücken, Ausstiegen, Dämmen und Burgen.

Nach den Auswertungen steht fest: Im Jahr 2009 gab es in Stadt und Landkreis etwa 450 Biber und 126 Biber-Reviere. "Dieses Ergebnis kann natürlich nur eine Momentaufnahme sein. Denn die Entwicklung geht weiter. Es kommen Tiere hinzu und andere verschwinden auch wieder", so Kraus.

Alle Flüsse der Region seien mittlerweile durchgehend von den Nagetieren besetzt. An einigen Orten gebe es noch Entwicklungspotenzial, etwa an der unteren Mangfall. Dort würden derzeit acht bis neun Biber leben.

Auch neue Lebensräume würden die Tiere immer wieder entdecken, so wie jüngst den Kieferbach. Gesichtet wurde ein Biber sogar am Samerberg. "Wie die Tiere dort hinaufkommen, ist uns allerdings noch ein Rätsel", meinte Kraus dazu.

Bayernweit liege der Zahl der Biber derzeit bei 12.000 bis 15.000 Stück. In manchen Teilbereichen sei bereits eine Stagnation der Population erkennbar. Der Fachmann ist sich sicher, dass sich die Zahl der Biber auch in Zukunft selbst regulieren würde, wenn der Mensch nicht eingreife: "Wenn der Biber aus einem Gebiet entfernt wird, vermehrt sich die Spezies natürlich wieder mehr, weil der Nachwuchs dadurch mehr Lebensraum zur Verfügung hat."

Bis jetzt treten die Tiere hauptsächlich an größeren Flüssen und Bächen auf. In Zukunft würden sie aber wohl auch kleinere Gräben und Bäche besetzen und dann sei mit steigenden Problemen zu rechnen. "Wenn die Tiere das Wasser aufstauen und dadurch Wiesen unter Wasser setzen, ist der Ärger vorprogrammiert", so Kraus. Leider sei bislang noch keine Einigung in Sicht: "Es gibt die Möglichkeit zur Teilnahme am Vertragsnaturschutzprogramm und die Möglichkeit Uferstreifen an die Behörden zu verkaufen. Aber fast keiner nimmt bis jetzt diese Angebote in Anspruch", bedauerte Kraus. Schutz vor den Bibern sei auch mit Elektrozäunen, Drahthosen oder speziellen Baumanstrichen möglich. Fang oder Tötung stünden als letzte Möglichkeit zur Diskussion. Derzeit habe man im Landkreis zwei Fanggenehmigungen ausgestellt: "Aber das bleiben Einzelfälle."

wu/Oberbayerisches Volksblatt

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