„Vorglühen“ ist Unsitte

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Prien - Der Sommer ist da und mit ihm die Zeit der Partys und Feste für junge Leute. Auch in Prien und Umgebung rufen solche Veranstaltungen immer mal wieder die Polizei auf den Plan.

Meistens dann, wenn der ein oder andere Ju- gendliche zu viel Alkohol getrunken hat. Das tun die jungen Leute immer öfter schon, bevor sie bei solchen Partys auftauchen. „Vorglühen“ nennt sich das Phänomen.  In Städten wie Rosenheim und Traunstein vergeht kaum ein Wochenende, an dem nicht Nachtschwärmer aufgegriffen werden, die nicht selten auf Gehwegen oder gar Straßen liegen, weil sie sich nicht mehr auf den Beinen halten können. Und noch etwas fällt auf: Von Jugendlichen zu sprechen, trifft das Problem inzwischen oft nicht mehr, denn die Alkoholsünder werden immer jünger. In Prien und Umgebung sind solche Fälle bisher seltener als in den Städten – zumindest die, die bei der Polizei aktenkundig werden. Das könnten bald mehr werden. Denn das Innenministerium hat ein neues Schlagwort ausgegeben, mit denen Fälle erfasst werden. Das gab es bisher nicht. Deshalb sind statistische Daten schwer zu ermitteln.

Christian Pfaffinger, Jugendbeamter der Priener Inspektion, kennt den typischen Auslöser gut: „Vorglühen“ nennen es junge Leute, wenn sie sich schon betrinken, bevor sie zu einer Veranstaltung gehen. Im Geschäft ist der „Stoff“ billiger. Erst kürzlich berichtete die Jugendreferentin des Gemeinderates, Eleonore Pelzl, im Gremium über Vorkommnisse im Umfeld eines Konzerts der kommunalen Jugendarbeit im „Atrium“ am Sportpark.

Mehrere Zwölf- und 13-Jährige, die kräftig „vorgeglüht“ hatten, waren auf dem Gelände aufgetaucht. Die Jugendarbeiter verständigten die Eltern, aber die ansonsten gut und ordnungsgemäß organisierte Party bekam einen faden Beigeschmack. „Ein paar wenige machen schlechte Stimmung und alles kaputt. Kinder haben in der Nacht da draußen nichts verloren“, ärgerte sich Pelzl auch darüber, dass es einige Eltern mit ihrer Aufsichtspflicht nicht so genau genommen hatten.

Die Jugendlichen besorgen sich den Alkohol meist nach dem gleichen Schema: Ein Freund, der schon 18 oder älter ist, wird vorgeschickt zum Einkaufen. Er verteilt den Stoff dann – nicht selten gleich vor dem Laden – an die Jüngeren. Zwei 18-Jährige haben sich heuer im Bereich der Polizei Prien schon eine Anzeige eingehandelt, weil sie Alkohol für Jüngere besorgt hatten – wegen „fahrlässiger Körperverletzung“.

Immer mehr Vereine und andere Jugendorganisationen haben in den vergangenen Jahren entdeckt, dass Veranstaltungen ein lohnendes Geschäft für die Vereinskasse sein können. Gerade im Juni und Juli vergeht kaum ein Wochenende, an dem im PI-Gebiet nicht mindestens eine Party steigt. Den allermeisten Veranstaltern stellt Pfaffinger ein gutes Zeugnis aus im Bemühen, die Jugendschutzgesetze einzuhalten und Alkoholexzesse zu vermeiden. Aber wenn er bei einer seiner Kontrollen, wie im Sommer des vergangenen Jahres geschehen, einen 16-jährigen Parkplatzeinweiser mit der Bierflasche in der Hand entdeckt, schüttelt er nicht nur den Kopf, sondern handelt.

Vor zwei Jahren hat Pfaffinger ein Merkblatt entwickelt und an die Gemeinden verteilt. Die geben es Veranstaltern an die Hand, wenn die ihre Feste bei der Kommune anmelden (wozu sie verpflichtet sind). Das Papier scheint seine Wirkung nicht zu verfehlen, denn in der Regel sind die Organisatoren sehr bemüht, berichtet der Jugendbeamte im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Trotzdem rufen gerade die Folgen des „Vorglühens“ bei Partys im PI-Einsatzgebiet immer mal wieder die Ordnungshüter auf den Plan, während es mit Lokalen Pfaffinger zufolge in dieser Hinsicht keine Probleme gebe. Vier schwer betrunkene Jugendliche sind heuer im Umfeld von Veranstaltungen schon aktenkundig geworden, bevor die Sommersaison begonnen hat. Für drei von ihnen endete der Alkoholexzess im Krankenhaus.

Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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