Vorplatz von der Bahn als "Geschenk"

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Der König-Ludwig-Pavillon (links) steht Pate. Er soll mittelfristig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Begriff "König Ludwig Bahnhof Prien am Chiemsee" ist allerdings nur ein "Arbeitstitel" für die Umgestaltung, eigentlich verleiht die Bahn ihren Bahnhöfen keine solchen Eigennamen mehr. Beim Ortstermin besprachen Bürgermeister Jürgen Seifert, Johann Ramstötter, Rosenheimer Büroleiter der "DB Station & Service", Kreisheimatpfleger Knut Stolte, Günther Pichler, Regionalbereichsleiter "DB Station & Service", Helmut Zöpfel, Leiter des Bahnhofsmanagements Oberbayern der "DB Netze" und CSU-Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner (von links) die weitere Vorgehensweise.

Prien - Die Bahn überlässt dem Markt Prien den Platz vor dem Bahnhof kostenlos und modernisiert 2011 für eine Million Euro die Bahnsteige.

Die Pläne zur Umgestaltung des gesamten Areals zwischen Seestraße und Sparkasse gehen in eine neue Runde. Alle wesentlichen Eckpunkte sollen im nächsten Jahr im Rahmen der Bauleitplanung festgezurrt werden. Den Jugendtreff "Teestube" und den Caritas-Kinderhort "Wirbelwind" hatte der Markt Prien schon gekauft. Beide Gebäude gehörten bis dahin der Bahn. Aber um möglichst viele ihrer Vorstellungen von einem neuen Bahnhofsareal verwirklichen zu können, braucht sie einen gemeinsamen Nenner mit der Bahn und der "Aurelis", einer Gesellschaft, die Grund und Immobilien der Bahn zu Geld machen will und soll. Beide Partner haben die Hand auf Flächen zwischen Seestraße und Sparkasse.

Die Bahn hat ihre Hand beim jüngsten Treffen aller Beteiligten und der Fraktionssprecher des Marktgemeinderates jetzt weit gehoben. Günter Pichler, Regionalbereichsleiter der "DB Station & Service" AG, habe angeboten, der Marktgemeinde den Vorplatz im Rahmen eines so genannten Gestattungsvertrags für 25 Jahre kostenfrei zu überlassen, berichtete Bürgermeister Jürgen Seifert im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, erfreut und dankbar über dieses Angebot. Eingefädelt hatte dieses "Geschäft" CSU-Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner im Oktober im Landtag, als er Bürgermeister, Bahnvertreter und Planer an einen Tisch hatte.

Prien muss den Platz zwischen Bahnhofsgebäude und "Miedl" inklusive der Parkplätze also nicht kaufen, um ihn umgestalten zu können. Danach soll er möglichst verkehrsfrei sein, deutete Architekt Fabian Zimmermann an, wohin die weitere Plan-Reise gehen soll. An- und Abfahrt zum Bahnhof sowie Taxistände würden dann wohl zur "Alten Post" verlagert. Zimmermann, der weltweit Bahnhöfe plant, lebt auf der Ratzinger Höhe. Der Gestattungsvertrag eröffne zudem die Option auf Fördergelder für Maßnahmen auf diesem Areal, erläuterte Helmut Zöpfel, Leiter des Bahnhofsmanagements in Oberbayern, einen Vorteil dieses "Geschäfts".

Vom Tisch ist mittlerweile ein Entwurf des Wahl-Rimstingers für das Gelände zwischen Bahnhof und Seestraße. Bei der ersten Bahnhofkonferenz hatte er dort, wo jetzt Bahn-eigene Parkplätze sind, noch einen dreigeschossigen, U-förmigen Komplex skizziert - in der Annahme, dass die Eigentümer aus ihrem Grund möglichst viel Kapital schlagen wollen.

Durch den Kauf des "Wirbelwinds" hat die Gemeinde dort nun mehr Einflussmöglichkeiten. Zwar ist Zimmermann zufolge weiter "ein kommerzielles Gebäude" angepeilt, aber offenbar bei weitem nicht mehr in der zunächst angedachten Dimension. Diesen Entwurf hatte zudem der Bauausschuss kürzlich in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig als "zu massiv" abgelehnt, ergänzte Seifert.

Aus dem Erlös des "kommerziellen Gebäudes" nördlich des Bahnhofs wiederum, das Zimmermann zufolge in der weiteren Planung nun "in Höhe und Stil angepasst" wird, will dann die Bahn die Sanierung des Bahnhofsgebäudes selbst finanziert werden.

Bisher hat die Bahn nach eigenen Angaben rund eine Million Euro investiert - den Löwenanteil in die beiden Aufzüge, die nach Verzögerungen nun im März in Betrieb genommen werden sollen (wir berichteten), aber unter anderem auch für sogenannte dynamische Anzeigentafeln auf den Bahnsteigen, die dieser Tage installiert wurden.

2011 werde die Bahn Zöpfel zufolge nochmal die gleiche Summe in die Hand nehmen, um "die Bahnsteigsituation anzupassen". Zeitgleich soll im nächsten Jahr die Bauleitplanung in Abstimmung aller Beteiligten, auch unter Einbeziehung der Bürgerwerkstatt Bahnhof, erfolgen, um die Weichen für alle weiteren Maßnahmen zu stellen.

Mitte 2012 könnte dann die Umgestaltung des Vorplatzes und die Sanierung des Bahnhofsgebäudes beginnen. Bis alle angestrebten Maßnahmen in die Tat umgesetzt werden, wird es wohl 2014 werden. Bis dahin ist angedacht, denn Busbahnhof zu erneuern und ihn möglichst nah am Bahnhofsgebäude zu platzieren. Im Gesamtentwurf enthalten ist außerdem noch ein neues Gebäude zwischen "Alter Post" und Sparkasse entlang der Hochriesstraße.

Stöttner erhofft sich am Ende durch die deutliche "Verbesserung der Aufenthaltsqualität" auch eine touristische "Initialzündung". Er setzt darauf, dass vor allem Hotels nachziehen und investieren, wenn der Bahnhof als Anlaufpunkt für viele Urlauber in ein paar Jahren in neuem Glanz erstrahlt.

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