Vorstellung hinterm Vorhang

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Prien - Um die verschiedensten Berufswünsche ging es nun an der Priener Mittelschule. Der Ernstfall, das Bewerbungsgespräch, wurde ebenfalls gleich geprobt.

Noch nie waren die Berufsvorstellungen der Priener Mittelschüler so vielfältig wie heuer. 46 verschiedene Ausbildungsberufe hatten 95 Neuntklassler in Fragebögen als Wunsch angegeben. In diesen Tagen testeten sie einen entscheidenden "Ernstfall" auf dem Weg dorthin, das Vorstellungsgespräch.

Die meisten versuchten beim Betreten der Turnhalle tapfer zu lächeln. Aber die Nervosität stand vielen ins gerötete Gesicht geschrieben, obwohl es doch "nur" ein unverbindlicher Test war. Bei dem ein oder anderen mag der etwas gequälte Gesichtsausdruck auch von der ungewohnten Kleidung hergerührt haben. Für den großen Auftritt hatten manche die Jeans im Schrank gelassen und sich stattdessen von Mama die Bundfaltenhose aufbügeln lassen. Während ein Bänker so etwas wohlwollend mit Pluspunkten honorierte, sah es der Zimmerermeister eher praktisch - die Klamotten sollen zum Beruf passen.

14 Firmenvertreter warteten in ihren "Büros" (zwei Stühle und ein Tisch hinter einem Sichtschutzvorhang) auf ihre Kandidaten. Schulsozialarbeiterin Maren Welkener von der Diakonie hatte versucht, so vielen der 95 Neuntklassler wie möglich Ansprechpartner ihrer Wunschberufe zuzuordnen.

Ganz oben auf der Liste waren Welkener zufolge bei den Buben Zimmerer und Schreiner sowie Kfz-Mechatroniker, bei den Mädchen standen Kinderpflegerin und Erzieherin am höchsten im Kurs. 46 Wunschberufe, zehn mehr als im vergangenen Jahr, hatten die Neuntklassler angegeben.

Schon im ausklingenden vergangenen Schuljahr hatten die Lehrer in den Klassen begonnen, ihre Schützlinge auf den Weg in Richtung Berufsleben vorzubereiten. Die jungen Leute hörten, wie ein Anschreiben formuliert wird, was in einen Lebenslauf gehört und was alles in die Bewerbungsmappe.

Die wurde dann zusammengestellt und zunächst vom Lehrer, später nochmal von Welkener kontrolliert. Trotzdem fehlten beim Planspiel am Tag X bei nicht wenigen zum Beispiel Praktikumsbestätigungen. "Die Diskrepanz der Mappen ist sehr groß", fasste Welkener die Eindrücke der unterschiedlichsten Qualität zusammen.

Auch die Gespräche waren dann ein Spiegelbild der großen Bandbreite der schulischen Leistungen und der verschiedenen pubertären Entwicklungsstadien der jungen Leute. "Alle waren sehr bemüht", fasste Zimmerermeister Markus Stocker aus Prien seine Eindrücke zusammen. Er findet die Azubis für seinen Betrieb meist durch Schnupperlehren im Rahmen des schulischen Lehrplans. Durchwegs gute Zeugnisse stellte seinen Kandidaten auch Zimmerermeister Sepp Hofer aus Halfing aus. "Lebensläufe und Auftreten passen zusammen", beobachtete er.

"Die Besten haben schon Verträge in der Tasche", stellte nicht nur Hotelier Andreas Neuer fest, dass die Test-Bewerber, die die positivsten Eindrücke hinterließen, genau die sind, die sowieso ihre Lehrstelle schon sicher haben. Das sind allerdings Welkener zufolge bisher noch die wenigsten der knapp 100 Jugendlichen, die im Sommer 2012 die Franziska-Hager-Mittelschule verlassen werden.

Wolfgang Tschuschner von der Volksbank Raiffeisenbank (VR Bank), der wie einige andere Firmenvertreter seit Jahren regelmäßiger Gast der Mittelschule ist, hat dabei festgestellt, dass im Laufe der Zeit die kontinuierliche Berufsvorbereitung der Schule selbst und ihrer Schulsozialarbeit bei der Vorbereitung der Bewerber in spe spürbare Früchte trägt. Trotzdem wisse der ein oder andere auf dem Stuhl dann nicht wohin mit seinen Händen und lasse vor Respekt die Schultern hängen. Tschuschner hat ihnen eindringlich erklärt, wie wichtig auch die richtige Haltung als Zeichen einer gesunden Portion Selbstbewusstsein ist.

Mehr Kenntnisse über die Anforderungen an einen Kfz-Mechatroniker hätte sich Stefan Saur vom gleichnamige Bernauer VW-Autohaus von seinen Gesprächspartnern gewünscht. "Da geht es um mehr als darum, am Mofa rumzuschrauben. Autos sind heute fahrende Netzwerke." Das Wissen der jungen Leute um die Unternehmen und ihre Produkte oder Dienstleistungen wird bei Firmen- und Personalchefs genau und positiv registriert.

Auch wenn der ein oder andere Neuntklassler noch größeren Nachholbedarf in Sachen Bewerbungen hat, ist Rektor Hans-Joachim Reuter zuversichtlich, dass die Franziska-Hager-Mittelschule auch heuer wie im vergangenen Jahr so gut wie alle ihre Schützlinge unterbringen kann. Damit das gelingt, wird Welkener in den nächsten Wochen mit allen 95 Kandidaten Manöverkritik betreiben - anhand der Checklisten, die die Firmenvertreter bei jedem Gespräch ausgefüllt haben. Darin wurde unter anderem Erscheinungsbild, Auftreten und Selbsteinschätzung beurteilt.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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