Wackelt die Nachtruhe?

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Prien - Durch den Volksentscheid für das strikte Rauchverbot entwickelt sich nun ein neues Problem. Die Raucher, die vor der Tür miteinander reden, erzeugen Lärm, der viele Nachbarn stört.

Die Bürger in Bayern haben gesprochen. Ein Volksentscheid brachte ein striktes Rauchverbot. Seit Anfang August ist das Qualmen in den Gasthäusern nicht mehr erlaubt. Auch in Prien halten sich die Wirte, wie eine Umfrage der Chiemgau-Zeitung ergab, weitestgehend an die neue Gesetzeslage. Jetzt jedoch beginnt sich da und dort ein neues Problem abzuzeichnen: Die Raucher gehen vor die Tür und reden mit einander - und der eine oder andere Nachbar fühlt sich dann gestört.

"Selber schuld" seien die Raucher, dass sie jetzt keine Zigaretten mehr in den Lokalen anzünden dürfen, sagt "Sanny", Besitzer der "Sanny Bar" am Bahnhofplatz. Er wollte von 24 seiner rauchenden Gäste wissen, ob sie für das Rauchen gestimmt hätten. Nur drei hatten. "Nun müssen sie halt wieder zum Rauchen ins Freie gehen", sagt Sanny, der selbst Nichtraucher ist, mit stoischer, indischer Ruhe.

Auch Reiner Liepold, Besitzer des "Boccacio", sieht das so. "Wären die Nichtraucher zum Wählen gegangen, sähe die Sache heute vielleicht anders aus." Seit er das Rauchverbot strikt einhalte, habe er, wie er weiter erzählt, Ärger mit den Nachbarn - zum ersten Mal seit 23 Jahren. Denn die Gäste gingen in Gruppen zum Rauchen ins Freie und würden sich dabei unterhalten. "Um 23 Uhr muss ich ihnen das Getränk wegnehmen". Er hofft, dass die Schilder am Lokaleingang mit der Aufschrift "Beim Rauchen bitte leise sein" ihre Wirkung erzielen.

"Bei uns hat sich alles reguliert", berichtet Manfred Mitterer vom "Wieninger Bräu". Hatte er zunächst beobachtet, dass die Raucher nervös wurden, wenn sie mit dem Essen fertig waren, so kann er heute feststellen, dass sie danach zum Rauchen nach oben ins Freie gehen und dann noch ein Glas im Gastraum trinken. Das Problem mit der Ruhestörung habe er nicht, denn als Restaurant ohne Bar habe er spätestens um Mitternacht geschlossen.

"Bislang hatten wir noch keine Beschwerden wegen Lärm von Rauchern auf der Straße", erzählt Werner Blauhorn vom "Piratenpub". "Aber das kann noch kommen." Die Gäste müssten das Rauchverbot strikt einhalten und dann zum Rauchen nach draußen gehen.

Ganz anders in einem kleinen Priener Lokal, dessen Besitzer nicht genannt werden möchte. Draußen hängt ein Schild "Geschlossene Gesellschaft" - und drinnen sitzen Gäste und rauchen. "Wir sind mündige Bürger und möchten selbst entscheiden, ob wir rauchen oder nicht", sagt einer der Gäste. Ebenso wenig verstehe er, "dass der Besitzer eines Lokals nicht selbst bestimmen darf, ob in seinem Haus geraucht werden darf oder nicht".

"Die Nichtraucher können ja draußen bleiben, niemand zwingt sie, ein Lokal zu betreten, im dem geraucht werden darf", sagt ein anderer Gast. Den ganzen Tag freue er sich auf den Feierabend und darauf, mit Freunden ein Bier zu trinken und dabei zu rauchen. "Wir sind alle Gleichgesinnte und somit eine geschlossene Gesellschaft. Wenn uns ein Nichtraucher toleriert, ist er bei uns herzlich willkommen."

Die beiden Gäste sowie der Besitzer der Bar befürchten, dass in Kürze kleinere Lokale pleite gehen - so wie das "Sisters Pub" in Rimsting. Den Initiator des Volksentscheides, den Passauer Sebastian Frankenberger, störe nicht im geringsten, sagen sie, dass nun so viele Existenzen "draufgehen".

Seine Existenz sei, wie der Wirt berichtet, gefährdet seit dem Volksentscheid gegen das Rauchen.

Gertie Falk (Chiemgau-Zeitung)

Rubriklistenbild: © dpa

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