Kostbares Nass ab November teurer

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Prien - Ab November müssen Wasser- und Abwassergebühren erhöht werden: Zu diesem Schluss kam jetzt der Priener Marktgemeinderat.

Sauberes Trinkwasser - wir sind es gewohnt, zu jeder Zeit und in beliebigen Mengen über das kostbare Nass verfügen zu können. Dass die Bereitstellung mit Kosten verbunden ist, dringt in der Regel erst bei der jährlichen Gebührenabrechnung ins Bewusstsein der Verbraucher. Intensiver hat sich der Marktgemeinderat Prien mit dem Kostenthema beschäftigt und kam einstimmig zu dem Schluss: Ab November müssen Wasser- und Abwassergebühren erhöht werden.

Die Wasserverbrauchsgebühren wurden zuletzt zum 1. September 2009 angepasst und blieben bisher mit 71 Cent pro Kubikmeter unverändert. Das wird sich ab 1. November drastisch ändern, wie der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit der Änderung der Wasserabgabesatzung festlegte: Um 38 Prozent steigt dann der Verbrauchspreis auf 98 Cent. Angehoben wird auch die Grundgebühr: Sie erhöht sich zum Beispiel bei Anschlüssen mit einem Wasserzähler mit 2,5 Kubikmeter Nenndurchfluss pro Stunde um zwölf Euro auf 60 Euro pro Jahr, was einer Steigerung von 25 Prozent entspricht. Die Herstellungsbeiträge für Grundstücks- und Geschossflächen bleiben stabil mit 0,22 Euro beziehungsweise 1,17 Euro pro Quadratmeter.

Nicht ganz so eklatant, aber immerhin um 15 Prozent angehoben werden zu dem Stichtag die Gebühren für die Einleitung von Schmutz- und Niederschlagswasser, wie das Gremium bei der Änderung der Entwässerungssatzung beschloss: Lagen die Gebühren bisher bei 1,61 Euro pro Kubikmeter, werden ab November 1,86 Euro in Rechnung gestellt. Geringfügig niedriger stellen sich hier die Herstellungsbeiträge dar: Wurden bisher für Grundstücksflächen sechs Cent pro Quadratmeter angerechnet, sind es ab November fünf Cent; bei den Geschossflächen sinkt die Gebühr um 90 Cent auf 15 Euro pro Quadratmeter.

Wie sich das finanziell auf die Verbraucher auswirken wird, erläuterte Kämmerer Georg Schmid. So werden zum Beispiel Bewohner eines Einfamilienhauses mit einem Wasser-Jahresverbrauch von 150 Kubikmeter in den nächsten vier Jahren jährlich Mehrkosten von 52,50 Euro netto für den Wasserbezug haben. "Dies entspricht monatlichen Mehrkosten von weniger als fünf Euro für die Investitionen in das lebenswichtige Gut Wasser", so der Kämmerer.

Haushalte in Mehrfamilienhäusern mit einer Wasseruhr haben laut Schmid wie bisher gegenüber Haushalten in Einfamilienhäusern einen Vorteil bei der Grundgebühr, da sich diese auf die Anzahl der Haushalte aufteilt. Dieser Vorteil beläuft sich - bezogen auf die geplante Erhöhung der Grundgebühr um zwölf Euro jährlich - bei den "kleinen Wasseruhren" netto je Haushalt zum Beispiel bei einem Zwei-Familienhaus auf 50 Cent monatlich und bei einem Sechs-Familienhaus auf knapp einen Euro monatlich.

Die Gründe für die Kostenexplosion machte in der Sitzung Bürgermeister Jürgen Seifert deutlich. Zum einen seien die Wasserbeschaffungskosten mit der Umlage an den Zweckverband "Wasserversorgung Chiemseegruppe" angestiegen. Zum anderen habe sich der finanzielle Aufwand der Marktgemeinde für Sanierung und Unterhalt des alten, maroden Wasserleitungsnetzes in den letzten Jahren erheblich erhöht. In dem großen, noch nicht erneuerten Teil des Leitungsnetzes komme es sehr oft zu Wasserrohrbrüchen, die mit einem hohen Reparaturaufwand verbunden seien. Die Kosten für die Instandsetzung eines Rohrbruches liegen laut Seifert zwischen 2500 und 10000 Euro. Die Zahl der Rohrbrüche sei von 80 in 2009 auf 55 in 2011 zurückgegangen; im laufenden Jahr mussten bislang 40 weitere repariert werden.

In diesem Zusammenhang lobte der Bürgermeister die Mitarbeiter des Wasserwerks, die durch ihr "anerkennenswertes hohes Engagement" den Wasserverlust in den letzten vier Jahren von 42 auf 27 Prozent verringern konnten.

Das zu betreuende Netz - 1905 wurden die ersten Leitungen in der Gemeinde verlegt - habe zwischenzeitlich eine Länge von rund 180 Kilometern erreicht, wovon knapp 70 Kilometer Anschlussleitungen für die rund 2900 Hausanschlüsse sind, so der Bürgermeister weiter. Die ebenfalls zur Wasserversorgungseinrichtung gehörenden drei Hochbehälter seien bereits saniert beziehungsweise erneuert worden. "In den letzten vier Jahren wurden hierfür knapp 700.000 Euro investiert", sagte Seifert. Im gleichen Zeitraum wurden rund vier Kilometer des Leitungsnetzes mit einem Kostenaufwand von rund einer Million Euro ersetzt. Im neuen Gebühren-Kalkulationszeitraum 2013 bis 2016 sollen weitere fünf Kilometer nach Dringlichkeit erneuert werden.

Die Erhöhung der Abwassergebühren ist laut Seifert nahezu ausschließlich auf die höheren Umlagen an den Abwasserzweckverband für die "in die Jahre gekommenen" Verbandskläranlage in Stiedering zurückzuführen. Sie steigt im Vorkalkulationsraum 2013 bis 2016 um rund 186.000 Euro auf rund 954.000 Euro. Das entspreche einer Zunahme von 26 Cent pro Kubikmeter und sei nahezu deckungsgleich mit dem ermittelten Gebührenmehrbedarf, so der Bürgermeister. An den Betriebskosten ist der Markt Prien mit etwa einem Drittel beteiligt und mit rund 55 Prozent auch Hauptkostenträger der Priener Entwässerungseinrichtung. In Zahlen ausgedrückt: Im Haushaltsjahr 2012 sind Gesamtkosten für die Entwässerungseinrichtung von rund 1,76 Millionen Euro eingeplant, wovon der Anteil der Verbandsumlage 970000 Euro beträgt, wie es abschließend hieß.

Beide Satzungsänderungen wurden mit einstimmigem Votum vom Marktgemeinderat verabschiedet.

ul/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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