Weiter mit langem Atem

Chiemsee - Die Erfindung des Bürgerbusses, der Bau von Beobachtungstürmen und kommunalen Fotovoltaikanlagen, Energieeinsparprogramme an Schulen: Die Bilanz kann sich sehen lassen.

Vor genau zehn Jahren wurde aus dem Abwasserzweckverband (AZV) der Abwasser- und Umweltverband (AUV) Chiemsee. Bei der Chiemseekonferenz in Grabenstätt und im anschließenden Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung zog Vorsitzender Josef Mayer eine Zwischenbilanz. Bald nach der Umbenennung entstanden in der "Chiemseeagenda" regionale Arbeitskreise mit Bürgerbeteiligung. Vorausgegangen war der gemeinsame Gewässerentwicklungsplan unter Leitung der Wasserwirtschaftsämter Traunstein und Rosenheim, der bereits viele Vorschläge zum Ausbau der kommunalen Zusammenarbeit enthielt, darunter zum Beispiel die vor einigen Jahren geschaffenen Ruhezonen in Ufernähe für brütende Wasservögel, aber auch den Ausbau des Chiemseerundwegs.

Die damals Verantwortlichen wollten durch innovative ökologische Projekte die Region voranbringen. Die Lebensgrundlagen am Chiemsee sollten geschützt, der Wirtschafts- und Erholungsraum verbessert werden.

Die Arbeitskreise entwickelten in den Themenbereichen Energie, Verkehr und Wirtschaft zusätzlich zu den vorhandenen Konzepten eigene Ideen. Vier Jahre lang wurde die "Chiemseeagenda" als Modellprojekt sogar staatlich bezuschusst.

"Die Begriffe ,Bürgerbeteiligung' und ,Nachhaltigkeit' sind heute wichtiger als vor zehn Jahren, was unter anderem in Zusammenhang mit dem Klimaschutz oder der Ressourcenknappheit als neuen Erfordernissen steht", so Mayer. Der AUV habe vor zehn Jahren die Weichen richtig gestellt. Es bleibe aber eine dauerhafte, reizvolle und stets neue Herausforderung, trotz knapper Kassen, knappem Personalstand in den Gemeindeverwaltungen und zahlreichen gemeindlichen Aufgaben alle Verbandsmitglieder zusätzlich für freiwillige regionale Projekte des Umweltverbandes und für die Finanzierung zu gewinnen.

Zu den sichtbaren Erfolgen gehören nach Angaben des Vorsitzenden die ehrenamtliche Bürgerbuslinie, die Chiemseeringlinie, Naturbeobachtungsstationen, Naturführungen (heuer mit 4000 Teilnehmern), Infotafeln, Bürgersolarkraftwerke, das "Fifty-Fifty-"-Einsparprojekt an vier Schulen (sie bekommen die Hälfte des eingesparten Geldes) und eine Pelletseinkaufsgemeinschaft.

Zu den nicht messbaren, aber wertvollen Erfolgen gehört Mayer zufolge das gemeinsame Eintreten für wichtige regionale Projekte, die Offenheit für eine breitere demokratische Mitwirkung und dadurch auch die Nutzung des "Innovationspotenzials von unten".

Das wichtigste Thema bis 2014 bleibe der Ausbau des Chiemseerundwegs zu einem radtouristischen Qualitätsprodukt mit Ausstrahlkraft für die Region.

Weitere vorsichtige Zukunftsvisionen des Umweltverbands knüpfen an bestehende Projekte an und müssen erst abgestimmt werden. Dazu zählen im Verkehrsbereich die Unterstützung des Projekts "Tourismus für alle" mit barrierefreien Pilotprojekten, unter anderem rollstuhlgerechten Bushaltestellen rund um den See, und der Ausbau einer emissionsarmen Mobilität.

Der Natur-, Arten- und Landschaftsschutz sollte als "Grundkapital" des Sees und Grundthema bereits im Gewässerentwicklungsplan nicht vergessen werden. Ebenso wichtig seien eine Senkung des Energieverbrauchs in den kommunalen Liegenschaften und die Gewinnung von erneuerbaren Energien, bei dem die Verbandsgemeinden ebenfalls eine Vorbildfunktion einnehmen sollten, so der Rimstinger Bürgermeister.

"Der Weg zu einer nachhaltigen Modellregion kann nur mit Unterstützung vieler Partner gelingen, von den Bürgern am Chiemsee bis zu den Gemeindegremien, Verbänden und der Regierung. Der Umweltverband Chiemsee sollte diesen Weg schrittweise weitergehen, auch wenn dieser Weg Geduld und einen langen Atem erfordert", sagte der Vorsitzende abschließend.

db/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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