"Weniger Kirchturm, mehr Region"

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Chiemgau - Erste Erfolge zeigt das neue Konzept des Vereins Chiemgau-Tourismus. Die Region verfügt in ihren Werbeaktivitäten jetzt über ein einheitliches Erscheinungsbild.

Innovative Werbewege, etwa mit Kinowerbung, wurden beschritten. Das berichtete Geschäftsführer Michael Lücke im Kreisausschuss des Kreistages, der am Dienstag unter Vorsitz von Landrat Hermann Steinmaßl in Traunstein tagte.

Das Gremium gab die Jahresmittel von einer Million Euro, im Oktober 2008 vom Kreistag einstimmig beschlossen, für 2010 frei. Der Zahlungsplan sieht 300.000 Euro im Januar, 400.000 Euro im April und 200.000 Euro im Juli vor. Den Rest erhält der Chiemgau-Tourismus im November.

Lücke beleuchtete die Ausgangsbasis im Tourismus, das zwischenzeitlich Erreichte und die künftige Entwicklung. In der Vergangenheit gingen nach Lücke die Gästezahlen zurück. Bis 2008 habe es keine gemeinsame Marke gegeben, hinzu gekommen sei eine "relativ geringe Wahrnehmung der Destination Chiemgau aus Gästesicht".

2009 verlor Bayern weiter an Gästen, der Chiemgau ebenso. Der Wettbewerb wird immer größer. Die Reisetätigkeit in Deutschland geht insgesamt zurück. "Daraus ergibt sich Handlungsbedarf bei Produkt und Qualität", so der Geschäftsführer. Ein wichtiger Etappenschritt sei im September 2009 die Marke "Chiemgau - Bayerns Lächeln" gewesen. Sie präge jetzt sämtliche Kataloge im Chiemgau. Das bedeute: "Jeder wirbt für jeden. Das ist auch ein Stück neues Denken."

Als Hauptzielgruppe nannte Lücke Familien und die "Generation 55 plus". Inzwischen sei die Kommunikation nach innen wie außen verstärkt worden, auch mit den Medien. Das Fazit Lückes: "Wir haben eine neue Wahrnehmung auf dem Touristikmarkt erzielt." In den neuen Katalogen seien verschiedene Themen, Lebensfreude und Lifestyle im Chiemgau dargestellt. Man habe neben einem Hörfunkspot einen Imagefilm produziert. Eine Kurzfassung davon laufe aktuell in großen Kinos in Deutschland. Zusätzlich könnten Interessierte Infomaterial an der Kinokasse bekommen.

Unter den weiteren Maßnahmen sei die Kooperation mit der Bayern Tourismus GmbH, eine große Mailingaktion, Werbung in Intercity-Zugbegleitheften und der neu gestaltete Internetauftritt. Bereits fertig sei die Konzeption für einen neuen Messestand. Michael Lücke wörtlich: "Wir haben eine Effizienzsteigerung bei Messen erreicht und versuchen, unsere Hauptquellmärkte abzudecken."

Das personell erweiterte Team des Chiemgau-Tourismus-Vereins sei vom Landratsamt umgezogen in das Gebäude Leonrodstraße 7 in Traunstein. Das Budget betrage 1,6 Millionen Euro pro Jahr. Ein Drittel des Etats fließe in den Verwaltungsbereich, zwei Drittel direkt in Marketingmaßnahmen. Ziele seien eine nachhaltige Stärkung des Chiemgau-Tourismus und die Umkehrung der jahrelangen Minuszahlen - "damit Investitionen im Sektor Hotellerie wieder attraktiver werden".

In seinem Ausblick meinte der Touristiker: "Wir verstehen uns als Schwungrad zur Verzahnung der im Tourismus tätigen Akteure - zwischen Leistungsträgern, Orten und Region. Wir sind auf einem sehr guten Weg, der aber noch lange nicht zu Ende ist. Wir brauchen weniger Kirchturm, mehr Region."

In der Diskussion fragte Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD) den Geschäftsführer: "Machen Ihre Partner mit, etwa bei mehr Service in Gaststätten und mehr Freundlichkeit in Tourismusbüros?" Sie forderte einen Bericht zur Auswirkung der Mehrwertsteuersenkung für den Hotelbereich und setzte sich für "auch einfachere Unterkünfte für junge Leute mit weniger Geld" ein. Lücke verwies unter anderem auf schon laufende Seminare für mehr Servicequalität im Tourismus. Bei der Mehrwertsteuer werde man abwarten müssen: "Ich hoffe, es wird investiert."

Landrat Hermann Steinmaßl sprach von "Unfreundlichkeit als jahrzehntelanges Maß der Dinge": "Das werden wir nicht sofort ändern können." Jedoch sei der Vorwurf keinesfalls zu verallgemeinern. Darauf bestanden mehrere Kreisräte quer durch die Fraktionen.

Zuversichtlich in Sachen Mehrwertsteuer gab sich Sepp Hohlweger (Bündnis 90/Die Grünen). Die Mehrwertsteuersenkung gelte nicht nur für Hotels, sondern auch für andere Übernachtungsbetriebe: "Viele werden investieren. Das kommt dem regionalen Handwerk zu Gute."

kd/Chiemgau-Zeitung

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