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Wenn Rentner zu Piraten werden

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Ein ungeschütztes Netzwerk im Funkbereich anzapfen und damit auf fremde Kosten illegal Musik herunterladen und verbreiten: Für versierte Hacker ist das - so wie in dieser gestellten Szene - kein Problem.

Rosenheim/Landkreis (ch-z) - Immer mehr junge Menschen holen sich Musik aus dem Internet und nicht mehr im CD-Laden. Das kann ihnen viel Ärger und teure Denkzettel einbringen - aber nicht nur den Jugendlichen!

Doch ins Visier von Anwälten, die im Netz gezielt nach illegalen Lieder-Tranfers suchen, können auch Computer-Nutzer geraten, die sich noch nie in den Tauschbörsen bedient haben. So wie ein Ehepaar aus Bad Aibling, das aus allen Wolken fiel, als drei Schadensersatzklagen in Höhe von rund 1500 Euro ins Haus flatterten.

Schutz vor Datenklau

Musiktitel von Britney Spears, Sir Colin, der Dream Dance Alliance und Shaun Baker soll sich das ältere Ehepaar auf den Rechner geladen und "weltweit einer unbegrenzten Zahl von weiteren Tauschbörsen-Nutzern", wie es in den Anwaltsschreiben heißt, zugänglich gemacht haben. Dabei haben die angeblichen "Song-Piraten" aus Bad Aibling mit Popmusik überhaupt nichts am Hut. "Britney Spears ist uns ein Begriff, aber von den anderen Interpreten haben wir noch nie etwas gehört", beteuern sie.

Dass sie nicht einmal wissen, wie eine Musik-Tauschbörse funktioniert, wird ihnen jeder Polizist oder Richter ebenfalls gern glauben. Ermittler der Polizei vermuten, dass sich Hacker bewusst ihres Internet-Zugangs bedient haben. Das ist bei PCs und Laptops möglich, die sich über das kabellose Wireless-LAN per Funk ins Internet einwählen. Wurde beim WLAN-Router keine sichere Verschlüsselung angewendet, können sich fremde Personen in den Anschluss einwählen, sofern sie sich im Funkbereich des Routers aufhalten.

So konnten sich der oder die Hacker nicht nur nach interessanten Dokumenten im Netzwerk des Ehepaars umsehen, sondern über den fremden Internet-Zugang auch urheberrechtlich geschützte Musik herunterladen und anderen zum Download anbieten. Dafür sollen nun die Opfer geradestehen. Gleich drei Anwaltskanzleien aus Karlsruhe und München schickten "Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzung sowie Aufforderungen zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung und zur Zahlung von Schadenersatz" - insgesamt über 1500 Euro.

Das Ehepaar hat die Forderungen nicht nur zurückgewiesen und Widerspruch eingelegt, sondern auch bei der Bad Aiblinger Polizei Anzeige wegen Betrugs erstattet. Die Anzeige wurde allerdings verworfen - vermutlich ist der Ermittlungsaufwand zu groß und die Erfolgsaussichten sind zu gering.

Zudem handele es sich keineswegs um einen Einzelfall. Quer durch die Bundesrepublik würden die Inhaber von ungenügend geschützten WLAN-Systemen zivilrechtlich für den Missbrauch ihres Internet-Zugangs durch andere zur Rechenschaft gezogen. Immer wieder schalteten Musikkonzerne Firmen und Anwaltskanzleien ein, um gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen.

Die Kanzleien fordern die Personendaten innerhalb eines sogenannten gerichtlichen Anordungsverfahrens vom jeweiligen Internet-Provider an. Entscheidend ist dabei die IP-Nummer, die jedem Computer zugeteilt wird, der ins Netz geht. "Die IP-Adresse war zum Tatzeitpunkt Ihrem Internetanschluss zugeordnet", heißt es in den Drohschreiben.

Trotzdem zahlt das Ehepaar nicht und lässt es auf eine Gerichtsverhandlung ankommen. Die rechtliche Situation ist unklar. So hat das Landgericht Düsseldorf drei Rentner wegen angeblicher Musik-Downloads in einem Zivilstreit mit dem Rapper "Bushido" zum Zahlen verurteilt. Obwohl die Beklagten glaubhaft machen konnten, dass sie selber mit dem Herunterladen nichts zu tun hatten, vertraten die Richter folgende Auffassung: Wenn der Inhaber eines ungeschützten WLAN-Routers die Möglichkeit offen lässt, dass sich Dritte darüber ins Internet einwählen, müsse der Anschlussinhaber für die Folgen haften. Dagegen entschied das Oberlandesgericht in Frankfurt in einem ähnlichen Fall, dass die uneingeschränkte Haftung des WLAN-Anschluss-Inhabers zu weit geht, wenn er keine Kenntnis von der rechtswidrigen Nutzung seines Anschlusses durch Dritte hat.

re/Chiemgau-Zeitung

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