Wickie und die Löw-Männer

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Prien - Morgen geht es für Bundestrainer Joachim Löw und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Russland um die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. In Prien-Bachham ist die WM schon längst angekommen.

Demnächst läuft die Produktion von Bällen im großen Stil und im Südafrika-Design an.

Ein Sommermärchen wie die WM 2006 im eigenen Land wird die Endrunde am Kap der guten Hoffnung vielleicht nicht werden, aber bei "Togu" hoffen die Verantwortlichen trotzdem darauf, dass ihnen das Fußballfieber große Nachfrage beschert.

"Togu" ist längst "am Ball", hat Leder- und Kunststoffbälle mit den südafrikanischen Nationalfarben entworfen. Demnächst rollt in Bachham die Produktion für 2010 an. Bis kurz vor Weihnachten werden eine halbe Million Bälle hergestellt. Sie werden die Lagerhalle bis unters Dach füllen, denn "Togu" zählt zu den wenigen Anbietern der Ball-Branche, die ihre Produkte aufgepumpt ausliefern. Während die Berliner ihre berühmte Luft in Flaschen vermarkten, wird die Priener Luft also in bunten Bällen exportiert - im wahren Sinn des Wortes, denn fast ein Drittel der "Togu"-Produkte wird ins Ausland verkauft, bis nach Japan und in die USA. Damit ist auch klar, warum die Firma, die von Einheimischen seit über 50 Jahren liebevoll "Ballfabrik" genannt wird, mit ihrem Unternehmesmotto international ist: "Togu makes the world go round".

Die halbe Million Bälle, die noch heuer für 2010 "made in Germany" hergestellt wird, ziert aber beileibe nicht nur das WM-Design. Etwa 30 verschiedene Motivserien sind aufgelegt, jedes Jahr muss etwa die Hälfte aktuellen Trends angepasst und neu aufgelegt werden, verrät Prokurist Wilfried F. Boggusch im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Zu den Rennern 2009 zählt "Wickie" - dank des Kinofilms von Bully Herbig ist der pfiffige Wikingerbub zurzeit sehr angesagt. Und "Togu" hat die Lizenzrechte für "Wickie", genauso wie für die Mainzelmännchen des ZDF, "Shaun das Schaf" und den kleinen Maulwurf, ebenfalls Lieblinge der Kinder.

Bälle mit solchen Motiven sind ein Garant dafür, dass die Wirtschaftskrise in Bachham kaum zu spüren ist. Laut Boggusch wird das Unternehmen heuer in etwa das gleiche Jahresergebnis erzielen wie im vergangenen Jahr - über genaue Zahlen schweigt man diskret, verschweigt aber nicht, dass steigende Rohstoff- und Energiepreise das Wirtschaften nicht leichter machen.

Trotzdem war eine Produktionsverlagerung ins billigere Ausland nie ein Thema in Bachham. Inhaber Toni Obermaier hat sich immer zum Standort bekannt, wo im Jahresschnitt 100 Mitarbeiter in Lohn und Brot stehen. Das hat auch Vorteile. Wenn zum Beispiel durch den Erfolg des Kinohits "Wikie" die Nachfrage nach Bällen mit solchen Motiven plötzlich stiegt, kann "Togu" schnell reagieren und die Produktion sozusagen über Nacht anpassen. Das ermöglicht kurze Lieferzeiten, was die Kunden zu schätzen wissen.

"Ballfabrik" hin oder her, die runden Kugeln aus Leder oder PVC, alle mit Ventil zum Nachpumpen ausgerüstet, machen heute "nur" noch 40 Prozent der Gesamtproduktion aus.

Schon vor vielen Jahren hat "Togu" begonnen, durch die Entwicklung von Gesundheitsgeräten auf einem anderen Markt Fuß zu fassen. Mit Erfolg: 60 Prozent der Produktion entfallen inzwischen auf diese Sparte. Kooperationen mit dem Deutschen Turnerbund und anderen Partnern machen es möglich.

Letzte aufsehenerregende Neuerung war der "Jumper", der im vergangenen Jahr nach langen und kostenintensiven Vorbereitungen auf den Markt gebracht wurde. Denn auch das ist typisch für "Togu": Die Maschinen für die Herstellung der breiten Produktpalette werden allesamt selbst entwickelt, gebaut und gepflegt. Darum kümmert sich in Bachham ein eigenes Werkstattteam.

Wenn im Sommer 2010 in Südafrika das Eröffnungsspiel angepfiffen wird, ist die Fußball-WM in Bachham fast schon wieder Geschichte. Im Januar beginnen die Planungen für die neuen Kollektionen für 2011, im Februar werden auf dem eigenen Stand bei der Spielwarenmesse in Nürnberg die ersten Aufträge für 2011 an Land gezogen, bis April sind die Motive ausgefeilt, im Mai und Juni wird das Folgejahr wirtschaftlich durchkalkuliert.

Bis dahin hat Boggusch noch eine Aufgabe vor sich, um die ihn viele Kinder beneiden werden. Er muss im Fernsehen und auf DVDs so ziemlich alle Kinderserien anschauen, die zurzeit laufen, um den neusten Trends auf die Spur zu kommen. "Immer am Ball bleiben" ist das Motto - im doppelten Sinn.

re/Chiemgau-Zeitung

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