Widerstand gegen geplanten Masten

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Greimharting - In Greimharting formiert sich Widerstand gegen einen möglichen Sendemasten für den digitalen Behördenfunk "Tetra" auf der Ratzinher Höhe. Dort wird derzeit ein Standort gesucht.

In Greimharting hat sich eine Bürgerinitiative (BI) gebildet, die mit einem Informationsabend im Gemeindehaus über die gesundheitlichen Risiken einer solchen Anlage aufklärte.

Das Interesse war sehr groß. Die Initiatorin der BI, Dr. Ingrid Reiser, konnte fast 100 Zuhörer begrüßen, darunter auch Bürgermeister Josef Mayer und mehrere Gemeinderäte.

Hauptreferent war Siegfried Zwerenz, Vorsitzender des Vereins "Bürgerwelle", des Dachverbands von Bürgern und Initiativen zum Schutz vor Elektrosmog.

Mit der "Tetra"-Technik ließen sich Universalnetze aufbauen, über die dann der gesamte Mobilfunk von Anwendern mit besonderen Sicherheitsanforderungen abgewickelt werden könne, auch von Behörden, erläuterte der Referent. Für den Aufbau eines bundesweiten Netzes werde ein Bedarf von 4000 Standorten für "Tetra"-Masten prognostiziert.

Bei "Tetra" handle es sich um eine "gepulste hochfrequente Strahlung". Die Basisstation sende immer, auch wenn keine Gespräche geführt würden. Die Pulsfrequenzen liegen Zwerenz zufolge unmittelbar im Bereich "biologisch bedeutsamer Frequenzen". Dazu komme, dass die Signale aufgrund der niedrigen Trägerfrequenz von rund 400 Megahertz noch tiefer ins Körpergewebe eindringen als die Strahlung des GSM-Mobilfunks mit Trägerfrequenzen von 900 und 1800 Megahertz.

Zwerenz wies auf mehrere drastische Erfahrungsberichte aus England hin, wo "Tetra" schon länger in Betrieb sei. Demnach klagten Bürger in Lancashire über Kopfschmerzen und Migräne, Hitzewallungen und Halsschmerzen.

Die Diskussion drehte sich vor allem um die Frage, wie ein Sendemast auf der Ratzinger Höhe verhindert werden kann. Niemand könne gezwungen werden, seinen Grund für einen Sendemasten herzugeben, hob Zwerenz hervor. Wenn sich alle einig seien, werde ein solcher auch nicht kommen.

Eine weitere Möglichkeit sei, den Bauantrag abzulehnen, der gestellt werden müsse, da ein Mast höchstwahrscheinlich höher als zehn Meter sein müsse und damit nicht mehr als genehmigungsfrei gelten könne.

Bürgermeister Josef Mayer sagte, dass es aktuell noch keinen Standort gebe, wenn auch schon "einige Herren" in der Gemeinde nachgefragt hätten.

Die Gemeinde werde auf keinen Fall bei der Standortsuche helfen und auch keine gemeindlichen Grundstücke dafür zur Verfügung stellen, betonte Mayer.

Der Bürgermeister fragte auch, warum der Behördenfunk trotz der schlechten Erfahrungen in England doch eingeführt werden solle. Offensichtlich würden die gesundheitlichen Risiken nicht ernst genommen und außerdem hingen viele private Interessen an dem Vorhaben, mutmaßte der Referent.

Der Kommandant der Rimstinger Feuerwehr, Albert Kunsler, begrüßte die Einführung des neuen Funknetzes. Das derzeitige analoge Funknetz sei bei 117 Feuerwehren im Landkreis überlastet und lasse, abgesehen von Alarmierungen, des Öfteren keine weiteren Gespräche mehr zu.

In einer Reihe von Wortmeldungen wurde mehr Aufklärung über die gesundheitlichen Risiken gefordert und deutliche Kritik an den Behörden geäußert.

Zwerenz nannte "Tetra" wegen der geringen Bandbreite eine mittlerweile schon wieder veraltete Technik. th

Rubriklistenbild: © pa

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