Wieder fast 200 Einsätze

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Aus heiterem Himmel war am 4. August 2009 ein riesiger Baum am Parkplatz der Romed-Klinik umgestürzt und auf 13 Autos gekracht. Die Priener Feuerwehr musste ihn zerlegen.

Prien - Einmal mehr hat die Priener Feuerwehr 2009 ein enormes Pensum im Dienst für die Allgemeinheit geleistet.

Kommandant Stefan Pfliegl berichtete bei der Mitgliederversammlung im Florianstüberl von rund 9500 Einsatz- und Übungsstunden. Unter den knapp 200 Einsätzen waren auch einige, die den ehrenamtlichen Helfern an die Nieren gingen.

Drei Tage vor Weihnachten war ein Arbeiter in der Carl-Braun-Straße mit dem Arm in das Rührwerk einer Verputzermaschine geraten. Finger und Arm wurden fast abgerissen. Der Mann steckte in der Maschine fest. Ein Chirurgenteam stand schon für eine Notamputation am Unfallort bereit, als es den Feuerwehrlern gelang, den Arbeiter mit einem Plasmaschneider zu befreien, so dass er in eine Münchner Klinik geflogen und der Arm wieder angenäht werden konnte.

Ende Juli mussten Priener Floriansjünger mit ansehen, wie ein Mädchen in Eggstätt vom Dach eines Hauses sprang und vor ihren Augen aufschlug, bevor sie mit dem Sprungtuch zur Stelle waren. Sie hatten sich in einiger Entfernung verstecken müssen, weil das Mädchen drohte, sofort zu springen, sollte sie einen Retter zu Gesicht bekommen. Trotz langem Zureden sprang sie dann tatsächlich. Die Priener Feuerwehrler rannten, so schnell sie konnten, schafften es aber nicht ganz. Das Mädchen überlebte schwerverletzt.

Solche Einsätze lassen ahnen, dass der ehrenamtliche Feuerwehrdienst, den in Prien derzeit 68 Aktive leisten, nicht nur zeitintensiv ist, weil viele verschiedene Szenarien immer wieder geübt werden müssen, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt. Die Retter sind nicht selten auch großen psychischen Belastungen ausgesetzt.

Deshalb appellierte Bürgermeister Jürgen Seifert im Florianstüberl vor versammelter Mannschaft, dass sich die Priener Feuerwehrler nicht nur "Gehorsam und Chorgeist", sondern vor allem auch ihr "Herzblut" bewahren.

Pfliegl hatte zuvor die 197 Einsätze - fünf weniger als im Jahr davor - in Wort und Bild Revue passieren lassen. 2513 Stunden leisteten die Retter dabei. Knapp 5600 Stunden übten die Aktiven, gut 900 die Jugendgruppe. Mit Lehrgängen, Feuerbeschauen und weiteren Arbeiten kam die Wehr 2009 auf knapp 9500 Einsatz- undÜbungsstunden - bei einem angenommenen Stundensatz von 20 Euro ergibt das ausschließlich ehrenamtliche Arbeit im Gegenwert von fast 200000 Euro.

Für alle Lehrgänge Urlaub genommen

Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer rechnete vor, dass jeder Priener Feuerwehrler im vergangenen Jahr im Schnitt 145 Stunden geleistet hat. Besonderen Respekt nötigte es Ruhsamer ab, dass Priener Floriansjünger 2009 neun Fortbildungslehrgänge besuchten - weil alle dafür extra Urlaub genommen hatten.

Der Fuhrpark konnte 2009 durch einen neuen Einsatzleitbus mit zahlreichen Geräten ergänzt werden. Zur Finanzierung trug die Gemeinde 43000, der Feuerwehrverein selbst Pfliegl zufolge 25000 Euro bei. Auf der Wunschliste ganz oben und im Finanzplan der Gemeinde für die nächsten Jahre steht nun der Ersatz für ein gut 30 Jahre altes Tanklöschfahrzeug.

Bereits bestellt hat die Wehr nach Angaben des Kommandanten Ersatz für das kleinere ihrer beiden Einsatzboote. Es wird ausschließlich über Zuschüsse finanziert. Dagegen wurde das Eisrettungsboot laut Pfliegl an den Landkreis zurückgegeben. Es war bei der Suche nach einer vermissten Person im Januar 2009 auf dem Simssee kaputt gegangen und habe sich als ungeeignet herausgestellt.

Der Kommandant kündigte an, dass die Suche nach Nachwuchs intensiviert werden müsse, weil alle aktiven jungen Leute die Altersgrenze von 16 Jahren erreichen. Jugendwart Christian Gsella und sein Stellvertreter Florian Wunderle tauschen ihre Funktionen.

Kassenwart Manfred Heller konnte trotz zahlreicher Ausgaben für Anschaffungen im vergangenen Jahr über ein finanzielles Polster von gut 90000 Euro berichten. Vorstand Hans Herzinger hatte eingangs auf einen Mitgliederstand von 137 verwiesen und das Florifest, den gesellschaftlichen Höhepunkt im Jahresverlauf, für den 5. Juni angekündigt.

db/Chiemgau-Zeitung

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