Wieder sehr viele Renken im See

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Fraueninsel - Die 17 Berufsfischer am Bayerischen Meer erwarten heuer ein gutes Fangergebnis für die Renke, den "Brotfisch des Chiemsees". Die Durststrecke ist offenbar überwunden.

Es gibt in diesem Jahr wieder genügend Renken - und auch mit einem entsprechenden Gewicht, wie aus dem Bericht des neuen Vorsitzenden der Fischereigenossenschaft Chiemsee, Thomas Lex, auf dem

Zum ersten Mal leitete Thomas Lex die Jahreshauptversammlung der Fischer. In der Wirtschaftsversammlung der Genossenschaft hatte er den Vorsitz von seinem Vater Holmer Lex übernommen. Sein Sohn sagte nun, dass sein Vater sie mit großem Sachverstand und Diplomatie geführt und alles wohl geordnet übergeben habe. Die Genossenschaft stehe bestens da, so Thomas Lex.

Bereits 2008 hatten die Berufsfischer eine große Anzahl von jungen Renken im See festgestellt und auf bessere Fänge in den nächsten Jahren gehofft - was heuer nun auch voraussichtlich der Fall sein wird. Schon im Januar konnten die Berufsfischer aufgrund des guten Planktonvorkommens laut Lex ausgezeichnete Fänge erzielen. Allerdings habe dann die lange Schneeschmelze einen Einbruch in der Planktonproduktion gebracht - mit der Folge, dass die Renken hätten hungern müssen. Der verregnete Juni habe den Fischen jedoch einen erheblichen Nährstoffeintrag beschert. Die Renken hätten dann in den folgenden Wochen enorm an Gewicht zugelegt. Der Fang "sei wirklich gut" geworden. Lex: "Es macht Freude, die großen, wohlgenährten Renken auf den Markt zu bringen. Wir haben gute Hoffnung, dass uns die zwei verbleibenden Monate bis zur Schonzeit noch ein gutes Renkenjahr 2009 bescheren werden."

Dass es mit dem Renkenbestand wieder aufwärts gehe, bestätigte auch Dr. Ulli Wunner von der Fischereiberatung des Bezirkes Oberbayern. Wie im Mai diesen Jahres festgestellt, sei der Renkenbestand wesentlich dichter als in früheren Jahren und das Wachstum "sehr gut". Auch der Jungrenkenbestand sei "auf einem hohen Niveau". Die fangfähigen Jahrgänge seien "gut vertreten", so Dr. Wunner.

Als "sehr gut" bezeichnete Lex den Besatz mit Renken. So konnten in der Renkenlaichzeit Ende November bis Anfang Dezember 1091 Liter Renkenlaich (88 Millionen Eier) in die eigene Brutanstalt in Harras eingebracht werden. Als "erstaunlich" bezeichnete er die hohe Schlüpfrate mit 76 Prozent. So konnten in diesem Jahr laut Lex 67 Millionen Renkenbrütlinge in den Chiemsee eingesetzt werden. 2,5 Millionen von ihnen seien in den schwimmenden Netzgehegen auf eine Länge von fünf bis sieben Zentimeter groß gezogen - die Fischer sagen vorgestreckt - und erst dann in den Chiemsee eingesetzt worden.

Den Wert der selbst gezüchteten Fische bezifferte Lex mit 250000 Euro. Hinzu kommen seinen Angaben zufolge von den Züchtern für 50000 Euro angekaufte sogenannte Setzfische wie Zander, Hechte, Seeforellen und Karpfen. So sorge die Genossenschaft mit "stolzen 300000 Euro" - die Arbeitsleistung nicht gerechnet - für einen guten Jungfischbesatz.

Weiter sagte Lex, dass die Glasaale erst einmal wieder zu einem einigermaßen annehmbaren Preis von 615 Euro je Kilogramm zu haben gewesen seien. 40 Kilogramm seien gekauft worden. Der Aalfang in den letzten Jahren zwischen 3000 und 4500 Kilogramm mache zwar nur zwei Prozent des Gesamtertrages aus, habe jedoch bedingt durch den guten Preis besonders bei Räucherware auf der Einnahmenseite einen hohen Stellenwert.

Viele junge Kormorane

Auch in dieser Fischerversammlung kamen wieder die Kormorane zur Sprache. Der von der Genossenschaft beauftragte Ornithologe Dr. Michael Lohmann habe in diesem Jahr, so Lex, 80 Brutnester feststellen können - und damit zehn mehr als im vergangenen Jahr. Auch der Bruterfolg sei Dr. Lohmann zufolge sehr gut.

Statt zwei Vögeln würden heuer Lex zufolge drei hungrige Hälse aus den Nestern herausschauen. So kämen zu den 200 Altvögeln noch "240 junge Fischfresser" dazu. Ein Antrag auf Abschuss habe in diesem Jahr noch nicht gestellt werden können, da die Neuverpachtung der Seejagd hinausgezögert worden sei. "Ganz einfach", so der Vorsitzende, "ohne Jagdberechtigung wird zur Freude der Vogelschützer kein Schuss fallen."

Der Fischerjahrtag hatte traditionsgemäß mit einem Gottesdienst für die verstorbenen und gefallenen Fischersöhne im Münster begonnen. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste legte Vorsitzender Lex anschließend zu Ehren der Toten einen Kranz am Kriegerdenkmal nieder. Mit den Klängen der Musikkapelle Prien ging es zur Fischerversammlung im Hotel "Linde".

th/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © pa

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