Promillegrenze: "Wir haben Vollzugsprobleme"

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Speziell zur Faschingszeit fällt Alkoholabstinenz oft schwer.

Rosenheim/Landkreis - Vor zehn Jahren hat der Bundesrat die Absenkung der Grenze von 0,8 Promille auf 0,5 Promille beschlossen. Die Zahl der Unfälle ging zurück, auch in der Region.

Seitdem ging bundesweit die Zahl der Alkoholunfälle, bei denen Personen verletzt wurden, um 40 Prozent zurück. Auch in der Region Rosenheim sanken die Zahlen. Anlass, um mit Polizeioberrat Peter Böttinger vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd über Alkoholkontrollen, die Disziplin von Autofahrern und die Null-Promille-Grenze zu sprechen.

Polizeioberrat Peter Böttinger ist stellvertretender Leiter des Sachgebiets E2 "Ordnung und Verkehr". Bei routinemäßigen Verkehrskontrollen sowie bei Schwerpunktaktionen stehen vor allem seine Beamten mit dem Alkomat am Straßenrand. Die Hauptaufgabe der Polizei sieht Böttinger aber nicht darin, möglichst viele betrunkene Autofahrer aus dem Verkehr zu ziehen, sondern vielmehr in der Abschreckung: "Über jeden Unfall, der nicht passiert, sind wir glücklich."

Dass dies funktioniert, bestätigen aus seiner Sicht die Erfahrungen mit der Herbstfestzeit. "Die Zahl der Alkoholfahrten während der 16 Wiesn-Tage geht zurück", so Böttinger, was er auf den hohen Kontrolldruck durch die Polizei zurückführt. "Die Leute wissen, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass sie kontrolliert werden, und halten sich an die Regeln."

Das Problem sei eher der Alltag, wenn am Abend spontan ein, zwei Bier mehr getrunken werden. "Dann ist die Versuchung groß, sich auch alkoholisiert hinters Steuer zu setzen", so Böttinger.

In der Mehrzahl der festgestellten Alkoholfahrten sind die Fahrer ganz erheblich betrunken: Sie haben über 1,1 Promille. Was auf den ersten Blick erstaunt, ist ganz einfach dem Umstand geschuldet, dass die Wahrscheinlichkeit, kontrolliert zu werden, steigt, je unsicherer die Fahrweise ist.

Wenig Verstöße stellen die Beamten laut Böttinger bei dem strikten Alkoholverbot fest, das für Fahranfänger bis 21 Jahre gilt: "Das ist eine klare Regelung, an die sich die meisten halten."

Die Einführung einer generellen Null-Promille-Grenze hält Böttinger persönlich dennoch nicht für sinnvoll. "Die Null-Promille-Grenze ist für den Einzelnen selbst gar nicht überprüfbar. Wer am Abend heftig gefeiert hat, kann am nächsten Morgen gar nicht wissen, ob er noch Restalkohol im Blut hat, wenn er sich zum Semmelholen hinter das Steuer setzt."

Dennoch kann Böttinger der Diskussion um die Verschärfung der Vorschriften etwas Positives abgewinnen. "Es ist immer gut, wenn das Thema ins öffentliche Bewusstsein gerückt wird", ist er überzeugt. "Die Leute werden unsicher und fragen sich, wie viel sie überhaupt noch trinken dürfen." Im Zweifelsfall setzten sie sich dann nicht mehr ans Steuer.

Von einem generellen Alkoholverbot hält Böttinger auch aus einem anderen Grund nichts: "Wir haben kein gesetzliches Problem, wir haben ein Vollzugsproblem." Es gebe einfach zu wenig Beamte, um entsprechend zu kontrollieren.

Für 2011 müssen sich die Autofahrer in Stadt und Landkreis Rosenheim dennoch auf mehr Überwachungen einstellen: "Wir planen heuer verstärkt Schwerpunktkontrollen, nicht nur im Fasching oder während des Herbstfestes.

ku/Oberbayerisches Volksblatt

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