"Wir lassen uns das nicht gefallen"

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Das Mündungsgebiet der Tiroler Ache in den Chiemsee zwischen Grabenstätt und Übersee gilt als größtes Binnendelta in Mitteleuropa. Es steht unter strengem Naturschutz.

Übersee - Heftiger Widerstand formiert sich gegen die Pläne des Biologen Michael Lohmann aus Übersee, der im Naturschutzgebiet "Mündung Tiroler Ache" die Nutzung gravierend einzuschränken will.

Heftiger Widerstand der Betroffenen formiert sich gegen die Pläne des Biologen Michael Lohmann aus Übersee, im Naturschutzgebiet "Mündung Tiroler Ache" die Nutzung gravierend einzuschränken, um eine stärkere Wertschöpfung durch eine "moderne touristische Nutzung" zu ermöglichen. Sein "Bündnis Achendelta" hat unter anderem vor, die Kernzone zu erweitern, das Grabenstätter Moos zu vernässen, die Jagd- und Fischereirechte sowie die land- und forstwirtschaftliche Nutzung erheblich einzuschränken beziehungsweise aufzuheben.

Zudem sind die Betroffenen "sauer" darüber, dass sie als unmittelbar Beteiligte zu einem Gespräch des Bündnisses mit Behörden und Verbänden des Umwelt- und Naturschutzes im Juli nicht eingeladen und angehört worden waren. Alfons Blank, Präsident des Fischereiverbandes Oberbayern, fasste bei einer Informationsveranstaltung der Kreisgruppe Traunstein des Bayerischen Jagdverbands (BJV) im Gasthaus "Feldwies" die Stimmung treffend zusammen: "Wir lassen uns das nicht gefallen und werden dafür kämpfen, dass dies so nicht geschieht."

Warum stören zwei Berufsfischer?

Josef Haiker, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Traunstein, stellte die Änderungen und Eingriffe im Detail vor. "Die berechtigten Nutzer sollen raus, aber Touristen sollen durchgeschleust werden", wunderte er sich. Zum Verzicht auf die fischwirtschaftliche Nutzung der Hirschauer Bucht fragte er, warum zwei Berufsfischer stören würden. Sie selbst hätten sich dort schon lange eine Schutzzone auferlegt. Auch die Vernässung des Grabenstätter Mooses sah er kritisch. Auch wenn dies auf staatlichem Grund geschehe, würden private Flächen ebenfalls vernässt, sodass die landwirtschaftliche Nutzung gemindert werde.

Enttäuscht über das Verfahren zeigte sich CSU-Landtagsabgeordneter Klaus Steiner. Er kritisierte, dass die betroffenen Landwirte, Jäger, Berufs- und Angelfischer und sonstigen Naturnutzer nicht einmal eingeladen worden seien. Die Land- und Forstwirtschaft werde, so Steiner weiter, bereits durch immer mehr Auflagen ohnehin schon erschwert. "Ein Verbot der Berufsfischerei ist nicht hinnehmbar." Man müsse eine faire Partnerschaft herstellen.

"Warum laden Sie die Leute nicht ein", wollte der Landtagsabgeordnete von Lohmann wissen. Steiner riet ihm, zukünftig nicht mehr den Fehler zu machen, die Menschen so spät einzubinden. "Die Bauern, Fischer und Jäger wissen besser, wie sie mit der Natur umgehen sollen."

Der Vorsitzende der Chiemseefischer, Thomas Lex, erklärte, die Berufsfischer bewirtschafteten den Chiemsee seit Generationen. Bereits 1949 sei die Hirschauer Bucht von der Fischereigenossenschaft als Schutzzone ausgewiesen worden. "Zwei Berufsfischer sollen ausgesperrt werden, aber für ein Boot zum Überwachen und Kontrollieren ist Platz da."

Das Gespräch sei zur Abgleichung unter den Naturschutzverbänden gedacht gewesen, verteidigte sich Lohmann gegen den Vorwurf, die Betroffenen seien nicht eingeladen worden. Darüber hinaus wunderte er sich über den "Wirbel". Er habe nur die Ideen, aber selbst doch gar keine Macht. Die Behörden müssten mit den Beteiligten verhandeln. Es handele sich lediglich um Gedanken, wie man modernen Tourismus und Naturschutz miteinander verbinden könne. Man wolle die Natur nicht vor, sondern für den Menschen schützen.

Zu Lohmanns Behauptung, die Pläne seien mit den Behörden abgestimmt, entgegnete Ulrich Wunner von der Fachberatung Fischerei des Bezirks Oberbayern, seine Behörde sei die hauptbetroffene Behörde gewesen, aber nicht gefragt worden. "Sie können daher nicht behaupten, Ihr schräges Konzept sei mit den Behörden abgestimmt."

Man könne über alles reden, meinte Paul Höglmüller von den Forstbetrieben Ruhpolding, die im betroffenen Gebiet umfangreichen Grundbesitz haben. Er bescheinigte Lohmann, dass er es ungeschickt angepackt habe. Als ersten Schritt hätte er sich an alle Beteiligte wenden müssen. "Nichts gegen eine interne Abstimmung der Naturschutzverbände, aber der entscheidende Fehler war, dass Sie bereits einen Antrag an die Regierung gestellt haben."

Den Verzicht auf die Bejagung von Rot- und Rehwild in der Kernzone sah Höglmüller als problematisch an. Eine Erweiterung der jagdlichen Beruhigung sei nicht richtig, weil hohe Bestände nach außen ausstrahlen würden, wenn das Biotop voll sei. Dies führe zu vermehrtem Verbiss in den angrenzenden Revieren.

In der Diskussion meldete sich Hans Wimmer, Vorsitzender des Wasser- und Bodenverbandes Grabenstätter Moos, zu Wort. Er sagte, die Landwirte seien sehr wohl betroffen, wenn eine Vernässung stattfinde, denn sie seien für die Entwässerung zuständig. "Wir Bauern sind dagegen, denn wir pflegen die Landschaft selbst."

bjr/Chiemgau-Zeitung

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