"Wir sind hier nicht in Kroatien"

Prien - Die "Renaturierung" des Schramlbads löste bereits zur Badesaison 2010 kontroverse Diskussionen aus. Jetzt flammte der Streit im Bauausschuss erneut auf! 

Die Steine des Anstoßes sind so angeordnet, dass sie das Chiemseeufer vor Erosionen schützen. Vor einem Jahr hatte die Marktgemeinde begonnen, ihr verpachtetes Schramlbad zu "renaturieren". In der Badesaison 2010 lösten die Maßnahmen kontroverse Diskussionen aus. Die flammten im Bauausschuss jetzt noch einmal auf.

Das renaturierte Schramlbad sorgte im vergangenen Jahr für Diskussionen. Die Meinungen über die Gestaltung waren geteilt. Im Vordergrund die Treppe, die erst zum Ende der Badesaison eingebaut worden war.

Erst als der Sommer 2010 zu Ende ging, konnten auch die Maßnahmen im Schramlbad zum Abschluss gebracht werden. In der Verlängerung des Weges entlang der Liegewiese wurde an einem Stück Ufermauer eine Treppe installiert, die es Badegästen ermöglicht, ins Wasser zu steigen, ohne über den grobkörnigen Kies gehen zu müssen, der im übrigen Uferbereich aufgeschüttet worden war. Wie zu erfahren war, hatte es die beauftragte Firma nicht früher geschafft, die längst bestellte Treppe einzubauen.

"Wir hätten uns viel Ärger erspart, wenn die Treppe vor Saisonende eingebaut worden wäre", konstatierte Bürgermeister Jürgen Seifert jetzt im Bauausschuss. Das Gremium gab nachträglich seine Einwilligung zur "wasserrechtlichen Erlaubnis zur Renaturierung des Uferbereichs".

Diese Genehmigung im Nachhinein bedeutet aber nicht, dass der Markt Prien im vergangenen Jahr quasi "schwarz" gebaut hat, erklärte Laurentius Fischer von der Bauverwaltung im Rathaus auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung. Diese Vorgehensweise sei bei Renaturierungsmaßnahmen "durchaus üblich". Vorab seien die einzelnen Punkte mit den Genehmigungsbehörden abgesprochen gewesen. Weil aber bei solch komplexen Eingriffen beispielsweise ein Baggerfahrer nicht jeden Stein zentimetergenau dort hinsetzen könne, wo er im Plan eingezeichnet sei, werde nach Abschluss aller Arbeiten mit allen zuständigen Stellen eine Abnahme durchgeführt. Dies sei zwischenzeitlich im Schramlbad geschehen.

Die Diskussion ins Rollen brachte im Ausschuss Dr. Claudia Trübsbach (BfP), die von zahlreichen Klagen von Badegästen berichtete - über die großen Steine, die zum Teil bei hohem Pegel komplett unter Wasser seien und übersehen würden.

Seifert räumte ein, dass diese "an der einen oder anderen Stelle ungünstig situiert" worden waren. Drei der Quader seien deshalb später nochmal versetzt worden.

Außerdem wurden in der Folge noch Handläufe geschaffen, die es Badenden ermöglichen, über flache Steinplatten am Kies vorbei und zwischen den Quadern hindurch in den See zu kommen.

Die großen Steine sollen als Wellenbrecher nicht nur das Ufer vor Ausspülungen schützen, sondern seien zudem so angeordnet, dass sie drei "Gumpen" bilden, in denen sich insbesondere Kinder gefahrlos tummeln können, die noch nicht schwimmen können. Seifert betonte, dass die Gesamtmaßnahme auf der Grundlage der Planung eines örtlichen Landschaftsarchitekten durchgeführt worden sei. Zahlreiche Mütter hätten sich bei ihm besonders für die "Gumpen" bedankt, konterte er die Kritik.

Trübsbachs Einwand, dass weiterhin manche Steinquader bei Hochwasser nicht mehr zu sehen seien, ließen Bürgermeister, Verwaltung und Mitglieder des Ausschusses nicht gelten. "Das ist Natur, kein Freibad", sagte Laurentius Fischer vom Bauamt und Anton Schlosser (CSU) stellte die rhetorische Frage in den Raum, wie denn eigentlich "Hochwasser" definiert sei. "Das hat man nie im Griff", umschrieb der Bürgermeister die Unberechenbarkeit des Wasserstandes.

Joachim Bensemann (FW) fand die Diskussion an dieser Stelle "langsam lustig". Viele Einheimische würden beispielsweise nach Kroatien in Urlaub fahren. Dort gebe es weit größere Steine, über die sich kein Mensch aufrege.

Diesen Vergleich wiederum ließ Trübsbach nicht gelten. "Wir sind nicht an der kroatischen Küste", erwiderte sie. Die Quader seien für den Chiemsee "fremdartig".

Seifert versuchte die Wogen zu glätten, als er daran erinnerte, dass der Auslöser der gesamten Renaturierung die Unzufriedenheit mit der Ufermauer gewesen sei - seinerzeit die einzige Möglichkeit, ins Wasser zu kommen. Jetzt sei dies an drei Stellen ungehindert von Steinen möglich.

Die Debatte beendete schließlich Alfred Schelhas (SPD), als er einen Geschäftsordnungsantrag auf Ende der Diskussion und Abstimmung stellte. Trübsbach stimmte dagegen, gab dann aber kurz darauf zu Protokoll, dass sie eigentlich dafür gewesen wäre - in der Annahme, es sei nur über die Treppe abzustimmen gewesen, für die sie ja auch war und ist.

Weil es aber doch um die Genehmigung der Gesamtmaßnahme ging, wie Bauverwaltungsmitarbeiter Fischer klarstellte, zog sie den Protokollvermerk prompt wieder zurück.

re/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © Berger

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