"Wir Wirte sind die Deppen"

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Prien - Anfang August hat die Bayerische Staatsregierung das Rauchverbot in Gaststätten gelockert. Rauchen ist in separaten Räumen und in Kneipen mit nur einem Raum nun wieder erlaubt.

Eine Umfrage der Chiemgau-Zeitung unter den Priener Wirten hat jedoch ergeben, dass sich seit der Lockerung des Rauchverbots nicht allzu viel verändert hat.

„Bei uns bleibt alles wie gehabt“, berichtet Susanne Staller von der Tapasbar „Hacienda“. Im Sommer sei das ohnehin kein Problem, da die Gäste im Garten und auf der überdachten Terrasse rauchen könnten. Auch während des Winters habe sich das Rauchverbot nicht negativ auf das Geschäft ausgewirkt. „Unsere Gäste haben sich daran gewöhnt, zum Rauchen nach draußen zu gehen, zumal wir die überdachte Terrasse möglichst angenehm für sie gestaltet haben.“ „So groß die Aufregung bei der Verhängung des Rauchverbots auch war, hat sich inzwischen alles in Wohlgefalllen aufgelöst“, beurteilt Martina Beer vom Hotel und Restaurant „Fischer am See“ die Lage. Da alle Zimmer im Haus Balkon hätten, würden die Gäste dort rauchen. Im Sommer stünde die große Terrasse für die Restaurantgäste zur Verfügung. Doch auch während des Winters habe es keinerlei Probleme gegeben. „Wir hatten Aschenbecher im Freien aufgestellt und die Gäste gingen zum Rauchen brav nach draußen.“

Das Gleiche gilt auch für das Hotel-Restaurant „Bayerischer Hof“. Im ganzen Haus herrsche nach wie vor Rauchverbot und das werde von den Gästen sehr begrüßt, „zumal wir ein Speiserestaurant sind“, betont Benjamin Kutter. Auch Marianne Mitterer vom Gasthaus „Wieninger Bräu“ bestätigt dies. „Viele Gäste finden es nach wie vor gut, wenn ihnen beim Betreten des Restaurants nicht gleich Rauchgeruch entgegen kommt.“ Nicht so gelassen wie Mitterer sieht Andreas Blank von der Urschallinger „Mesnerstube“ die Situation. Er ärgere sich maßlos darüber, dass kurz vor der Wahl wieder alles umgeschmissen wurde. Dabei gehe es ihm gar nicht so sehr um das verminderte Geschäft während des vergangenen Winters, sondern vielmehr um die Politik. „Die Politiker haben kein Rückgrat“, sagt Blank. „Wir Wirte sind die Deppen und müssen das richten, was die Politiker nicht können.“

Ins gleiche „Horn“ stößt Gabriele Aschenberger vom Gasthof „Schützenwirt“ im Eichental. Auch sie schimpft heftig über das, „was die Politiker mit uns Wirten machen.“ Zum Glück habe der Vorpächter bereits einen kleinen separaten Raum für Raucher eingerichtet, wo sich vor allem der Stammtisch aufhalte. Für uns bedeutet die Lockerung des Rauchverbots einen großen Nachteil“, sagt Benjamin Müller vom „Piratenpub“. Hier dürfe wieder geraucht werden, da nur ein Raum zur Verfügung stünde und auch keine Speisen gereicht würden. Aber wie andere Priener Bars sei auch das „Piratenpub“ nach der Verhängung des Rauchverbots zum „Raucherclub“ mutiert. Als Clubmitglieder seien auch Jugendliche unter 18 Jahren zugelassen gewesen. „Und die müssen wir jetzt rauswerfen“, bedauert Müller. Ganz und gar „aus dem Schneider“ ist die Bar „Sanny“ mit nur einem Raum am Bahnhof. Hier stehen wieder Aschenbecher und es wird wie früher gequalmt. „Bei uns hatte sich das Rauchverbot während des letzten Winters schon negativ ausgewirkt“, heißt es dort. Dem kommenden Winter sehe man positiv entgegen – gesetzt den Fall, dass sich die Politiker nach der Bundestagswahl im September nicht wieder etwas Neues einfallen ließen.

Von Gertie Falk/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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