Wird Ortsschild verrückt?

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Bernau (CH-Z) - Mit zwei Verkehrsfragen hat sich der Bernauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschäftigt: Einmal mit der Verkehrsbelastung in der Ortsmitte, zum anderen mit dem Autobahnausbau.

Zum ersten Punkt lag ein Antrag von Josef Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) mit einer Reihe von Vorschlägen vor, wie die Lärm- und Abgasbelastung sowie Gefahren für Fußgänger und Radfahrer zu verringern seien. Dazu gehört unter anderem, zur Verkehrsberuhigung die innerörtlichen Straßen in "gepflasterte schmalere Autowege" umzuwandeln. Sie sollen zudem "an kritischen Stellen" Querungshilfen erhalten.

Um dies zu bewerkstelligen, sollen - soweit erforderlich - überörtliche in Gemeindestraßen herabgestuft werden. Schließlich sind, wie Genghammer anregte, in "flankierenden Maßnahmen" Landkarten und Inhalte von Navigationsgeräten so zu ändern, dass Bernau für den Durchgangsverkehr "unattraktiv" werde.

Bürgermeister Klaus Daiber eröffnete die Debatte mit der Bemerkung, solange eine Bundesstraße den Ort durchquere, sehe er überhaupt keine Chance, diese Verbindung zu verschmälern. Zugleich wartete der Rathauschef mit der Information auf, die Gemeinde habe beim Straßenbauamt beantragt, das Ortseingangsschild auf der Priener Straße etwa 150 Meter weiter nach Norden zu verrücken, damit noch innerhalb der Gemeindegrenze eine Querungshilfe passt. Sie soll den Zugang zum geplanten Geh- und Radweg auf der rechten Straßenseite und zum neuen Gewerbegebiet an der Theodor-Sanne-Straße sicherer gestalten. Das Ergebnis dazu solle erst einmal abgewartet werden, bevor man weitere Schritte unternehme.

Andere Ratsmitglieder wie Philipp Bernhofer oder Hansjörg Decker (beide Bernauer Liste) unterstützten Genghammer als "langfristige Zielsetzung", während Alexander Herkner (SPD) daran erinnerte, auch nicht die schon lange im Raum stehende Entlastungsstraße bei der Shell-Tankstelle aus den Augen zu verlieren.

Von der CSU-Fraktion kamen unisono mehrere Bedenken. So sprach Josef Steinbichler bei der Verkehrsumlenkung von einem "Floriansprinzip" zu Lasten benachbarter Gemeinden, während Franz Schnaiter davor warnte, Straßen auf weniger als drei Meter Breite zu verengen, weil sie dann nicht mehr von landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu passieren seien. Donat Praßberger wunderte sich, dass von der "Mehrheit" der Bernauer Verkehrsteilnehmer überhaupt keine Rede sei - nämlich den motorisierten Pendlern, die jeden Tag auf ihr Auto angewiesen seien.

Zum Genghammer-Antrag, nach einer Ausschreibung ein "qualifiziertes Planungsbüro" zu beauftragen, Vorschläge zum Umbau der Straßen zu machen sowie bei Behörden und Politikern "entsprechende Anträge zu stellen", hielt es Christian Hügel mit seiner Meinung nicht mehr hinterm Berg. Der CSU-Ortsvorsitzende forderte den grünen Gemeinderat auf, in einem Antrag "konkrete" Vorschläge zu machen: "Schlag was Vernünftiges vor."

Genghammer, der seinen Antrag noch "als Zielsetzung, nicht als Philosophie" zu verteidigen versuchte, zog ihn schließlich mit dem Versprechen zurück, ihn umzuformulieren.

Wenig Neues ergab auch der Rückblick auf die Mitte Oktober nur schwach besuchte Informationsveranstaltung zum Autobahnausbau (wir berichteten). Im Gemeinderat wurde festgehalten, dass für die Bernauer ein wirksamer Lärmschutz am wichtigsten sei. Dieser sei aufgrund der gesetzlichen Vorgaben allerdings nur bei einem Ausbau auf sechs Fahrspuren und zwei Standstreifen möglich, so die Information seitens der Autobahndirektion Süd.

Dieser zwingenden so genannten Sechs-plus-zwei-Lösung widersetzte sich vor allem Bernhofer, nach dessen Dafürhalten ein solcher Ausbau nur für den Beginn der bayerischen Sommerferienzeit vonnöten sei. Die gesamte übrige Zeit "können wir locker mit vier Spuren leben". Deswegen sollte erwogen werden, den bisherigen starr an die Wochenenden gebundenen Bettenwechsel flexibler zu gestalten.

Als Mangel der Gutachten, die im Auftrag der Autobahndirektion erstellt wurden, erachtete Bernhofer, dass von der prognostizierten Steigerung des Verkehrsaufkommens um 20 Prozent zehn Prozent auf die Verbreiterung auf sechs Spuren zurückzuführen sei. Und: alle Lärmschutzmaßnahmen seien auf Spitzengeschwindigkeiten von 130 km/h angelegt, in Wirklichkeit aber werde häufig schneller gefahren.

mt/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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