"Wir brauchen viel Geld"

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Im Februar 2011 soll mit dem Bau der Wohnanlage für Behinderte in Stauden begonnen werden, wenn es nach dem Verein "Leben mit Handicap" geht.

Prien - Der Verein "Leben mit Handicap" will im Februar mit dem Bau seiner Wohnanlage für 30 Behinderte in Stauden beginnen.

In der Mitgliederversammlung im Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) berichtete Vorsitzender Günther Bauer über den Stand des Genehmigungsverfahrens, die Finanzierung und den Zeitplan.

In diesen Tagen beginnt die zweite Auslegung des Entwurfs eines so genannten vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Vier Wochen lang können Priener Bürger Bedenken und Anregungen vorbringen, die dann voraussichtlich in der Januarsitzung des Bauausschusses abschließend behandelt werden. Erst wenn dieses Verfahren beendet ist, wird das Landratsamt über den Bauantrag entscheiden, der in Prien die Gremien bereits durchlaufen hat.

Parallel zum Bebauungsplanverfahren sollen, vorbehaltlich der endgültigen Genehmigung, bereits die Arbeiten ausgeschrieben werden, kündigte Bauer im LKZ an. Er hofft auf einen Spatenstich im Februar und darauf, dass die Anlage zum Jahreswechsel 2011/2012 bezugsfertig ist.

4,15 Millionen Euro sind für den L-förmigen Komplex veranschlagt. Neben drei Vollgeschossen mit je zehn Wohneinheiten, Gemeinschafts- und Versorgungsräumen auf jeder Ebene, ist ein etwa 100 Quadratmeter großes Terrassengeschoss mit einem Seminarraum vorgesehen, der auch Vereinen, Firmen und anderen Nutzern offen stehen soll.

Diese öffentliche Tagungsstätte ist ebenso wie eine physiotherapeutische Praxis in einem erdgeschossigen Anbau auf der Nordseite "Teil unserer Idee von Integration", erläuterte Bauer. Denn die Praxis, für die es bereits Mietanfragen örtlicher Interessenten gebe, werde nicht nur den Bewohnern offen stehen. Der Wunsch, die Anlage in den Ort zu integrieren, könne nur als "Zweibahnstraße" funktionieren. "Auch unsere Leute müssen sich in die Gemeinschaft einbringen."

Dem Vorstand ist auch bewusst, dass das Ergebnis der jahrelangen Suche nach einem geeigneten, bezahlbaren und zum Verkauf stehenden Grundstück nicht überall auf Verständnis stößt. "Wir verbauen einigen die Sicht", spielte Bauer vor allem auf Einwände von Nachbarn bei einer Informationsveranstaltung vor Wochen im "Bayerischen Hof" an.

Fast ein Drittel des benötigten Geldes bringen Eltern künftiger Bewohner als Kommanditisten mit Einlagen von je 52.000 Euro ein. Im Gegenzug erhalten sie das Nutzungsrecht für eine der 30 Einheiten mit gut 25 Quadratmetern inklusive Nasszelle. 25 der 30 Anteile seien bereits vergeben, berichtete Bauer. Die künftigen Bewohner kommen aus dem ganzen Landkreis Rosenheim, von Eiselfing bis Flintsbach. Vier sind in Prien zuhause, weitere unter anderem in Bernau, Breitbrunn und Aschau.

1,5 Millionen Euro finanziert "Leben mit Handicap" - der Verein hat für Grundstückskauf und Bau eigens eine GmbH und Co KG gegründet - über ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Getilgt werden sollen die Schulden durch die Mieteinnahmen, die die Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Betreiber der Anlage zahlen wird. Die AWO stellt auch das Pflegepersonal. "Jeder bekommt die Betreuung, die er braucht", versprach Bauer in Anspielung auf die individuellen Einschränkungen der Mieter.

Weitere 400.000 Euro fließen aus zwei Großspenden in das Projekt. Insgesamt steht der Finanzierungsplan, aber er ist knapp bemessen. "Wir brauchen viel Geld", appellierte Bauer an die Mitglieder, weiter unverdrossen und mehr denn je um Unterstützung zu werben.

Gut 31.000 Euro hat "Leben mit Handicap" nach Angaben von Schatzmeisterin Doris Räder bereits für das Projekt ausgegeben, vor allem für Planungen, aber auch Hilfe von Steuerberater und Finanzamt, um die Gemeinnützigkeit der Anlage abzusichern. Auf der Plusseite flossen im vergangenen Vereinsjahr Spenden von gut 22.000 Euro in die Kasse. Immer öfter verzichteten zum Beispiel Jubilare auf Geschenke und bitten stattdessen um Geld für diesen guten Zweck, freute sich die Schatzmeisterin.

Trotzdem muss nach Bauers Überzeugung das Werben um Spenden weiter verstärkt werden. Auch Aktionen sollen dazu beitragen, Geld in die Kasse zu bekommen. Am Samstag, 19. November, gibt die Musikkapelle Bernau in der örtlichen Pfarrkirche ein Benefizkonzert für das Projekt. Am Freitag, 10. Dezember, wird im "Vivarium" in Höslwang eine Ausstellung mit Werken von Gerd Ehrenhuber eröffnet. Der Verkauf der Aquarelle kommt ebenfalls in vollem Umfang dem Verein zugute.

db/chiemgau-Zeitung

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