Wohnprojekt soll Finanzierung sichern

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Das neue "Haus für Kinder Marquette" könnte so aussehen. Diesen Entwurf des Priener Architekten Bernd Püschel genehmigte der Bauausschuss, als er dem Bauantrag der Gemeinde grünes Licht gab.

Prien - Um den Neubau des Kinderhauses "Marquette" finanzieren zu können, plant die Gemeinde, nebenan auf gemeindeeigenem Grund ein Projekt "Junge Familien Marquette" zu verwirklichen.

Dahinter verbergen sich sieben kleinere Bauplätze, die zum Großteil verkauft werden sollen. Erschlossen werden sollen sie über die Straße "Am Bründl". Die Gemeinde will das alte "Haus für Kinder Marquette" neu bauen, um vor allem auch mehr Krippenplätze zu schaffen, weil der Bedarf ständig steigt.

Noch sind viele Fragen offen. Das ist schon daran ersichtlich, dass der Bauausschuss des Marktgemeinderats in seiner jüngsten Sitzung zwar den Bauantrag für das Marquette selbst einstimmig gebilligt und damit das Genehmigungsverfahren eingeleitet hat, für das Wohnprojekt nebenan aber zunächst "nur" eine weniger verbindliche Bauvoranfrage behandelte.

Baurecht ist in diesem östlichen Teil des Areals nicht ohne Weiteres zu bekommen, denn es liegt am Rand des Geltungsbereichs der Chiemsee-Schutzverordnung. Ursprünglich hatte der Markt Prien einmal den Bau von drei Einfamilienhäusern ins Visier genommen, um durch den Verkauf der Grundstücke den Marquette-Neubau mitzufinanzieren. Dagegen hatte die Untere Naturschutzbehörde zwar ihr Veto angekündigt, die übergeordnete Stelle bei der Regierung von Oberbayern aber auf Anfrage Zustimmung signalisiert, berichtete Bürgermeister Jürgen Seifert im Ausschuss.

Östlich des "Marquette" (oben in der Mitte) sollen sieben Parzellen für drei Doppelhäuser und ein Einfamilienhaus (rot eingezeichnet) ausgewiesen werden. Der Verkauf der Grundstücke, die über die Straße "Am Bründl" erschlossen werden sollen, ist als Teil der Gesamtfinanzierung eingeplant.

Nun hat Laurentius Fischer von der Bauverwaltung im Rathaus nach genauem Studium der Naturschutzbestimmungen sozusagen einen Trick gefunden, der der Unteren Naturschutzbehörde "eine Brücke baut" (Seifert), um zustimmen zu können, und zugleich der Nachfrage nach günstigem Baugrund für junge Familien Rechnung trägt. Seifert attestierte seinem Mitarbeiter deshalb "herausragende" Arbeit.

Als "Projekt Junges Wohnen Marquette" sollen, vergleichbar einem Einheimischenmodell, neben dem Kinderhaus drei Doppelhäuser und ein Einfamilienhaus mit Carports und Geräteschuppen entstehen. "Durch die fußläufige Erreichbarkeit zwischen Wohnen und Kinderbetreuung wird jungen Familien der Start in ein sorgenfreies Leben in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter erleichtert", heißt es in der Projektbeschreibung. Damit will die Gemeinde die Befreiung von den Festsetzungen der Chiemsee-Schutzverordnung erreichen. Wie viele der Parzellen verkauft beziehungsweise von der Gemeinde selbst bebaut und vermietet werden, ist noch offen.

Als "harmonischer Übergang in die Landschaft" ist geplant, die Grundstücke am Rand naturnah zu gestalten. Erschlossen werden sollen die Häuser über die Straße "Am Bründl", die bereits bis zur Grundstücksgrenze ausgebaut ist. Energetisch versorgt werden sollen die als "Passivhäuser" konzipierten Gebäude durch eine gemeinsame Erdwärmeheizung mit dem "Marquette".

Den Bauantrag für das "Haus für Kinder" selbst brachte der Ausschuss ohne Diskussion und Gegenstimme auf den Weg. In mehreren Wortmeldungen wurde das Vorhaben an sich begrüßt, aber auch betont, dass es für Detailfragen der Gestaltung noch zu früh sei. Sie sollen zu gegebener Zeit diskutiert werden.

Zu Beginn der Planungsphase war angedacht, den Neu- neben den Altbau zu stellen, um die bisherigen Räume so lange nutzen zu können, bis das neue "Marquette" bezugsfertig ist.

Damit hatte sich das Landratsamt aber offenbar nicht anfreunden können. Stattdessen will der Landkreis für die Übergangszeit ein Ausweichquartier zur Verfügung stellen. Im Gespräch ist das Förderzentrum (wir berichteten).

Entstehen sollen nach dem Entwurf des Priener Architekten Bernd Püschel zwei quadratische (15 auf 15 Meter Grundfläche), zweigeschossige Baukörper, die durch einen großteils verglasten Zwischenbau verbunden werden. Auf den Zeltdächern soll jeweils ein kleines Windrad der Bergener Firma "Envento" installiert werden zur Stromerzeugung. Diese Räder laufen Fischer zufolge sehr leise. Ob Platz für weitere energetische Anlagen auf den Dächern ist, wird noch geprüft.

Mit dem Neubau soll genug Platz für drei Krippen- und zwei Kindergartengruppen geschaffen werden. Vordem Komplex sind 18 Stellplätze vorgesehen. Ob der 5,5 Meter breite Fliederweg für die Erschließung, zum Beispiel auch als Rettungsweg ausreicht, muss im Verfahren geklärt werden. Aus dem Rathaus war aber zu erfahren, dass dort damit gerechnet wird, dass die Straße eventuell verbreitert werden muss.

Für das neue "Haus für Kinder Marquette" hatte die Gemeinde bei der ersten Vorstellung des Vorhabens im Herbst vergangenen Jahres 2,4 Millionen Euro veranschlagt. Die Regierung hatte Wochen später Zuschüsse von 1,17 Millionen in Aussicht gestellt. Das heißt wiederum aber auch, dass der Neubau bis 2013 stehen muss, damit diese Zuschüsse auch fließen.

Der Förderverein des "Marquette", der 1989 gegründet worden war, um einen Neubau des alten Hauses zu verwirklichen, hatte seinerzeit angekündigt, einen Großteil seines angesparten Vermögens für das Projekt zur Verfügung zu stellen. Der Markt Prien hatte zunächst heuer im Haushalt 40.000 Euro für die Planung bereitgestellt.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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