Investor gesucht: Verkauf der Chiemgau Thermen

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Marktgemeinde und GWC AG Bad Endorf wollen gemeinsam zur Rettung der Aktiengesellschaft beitragen. Doch noch haben sie unterschiedliche Lösungsansätze.

Bad Endorf - Auch angesicht der Drohverlustrückstellung von 13,3 Millionen Euro hält Bürgermeisterin Unverdorben an einer Entflechtung von Gemeinde und GWC fest.

Die dunklen Wolken am Horizont in Form der Drohverlustrückstellung von 13,3 Millionen Euro, die die Gesundheitswelt Chiemgau (GWC) AG bis spätestens Ende 2013 buchhalterisch einstellen muss, kommen näher. Nun hat die Marktgemeinde Bad Endorf ihrerseits reagiert. "Wir müssen und wollen auch unter diesen Umständen an der Entflechtung von GWC AG und Marktgemeinde festhalten", sagt Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Ihr Rezept: Verkauf der verlustreichen Chiemgau Thermen an einen finanzstarken Investor.

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Aus etlichen Gesprächen in der Vergangenheit mit eventuellen Kaufinteressenten habe sich stets klar abgezeichnet, dass ein Investor, der über genügend Kapital für den Kauf der Chiemgau Thermen verfüge, stets auch weitere Wünsche nannte. Ganz oben auf der Liste stehe häufig ein Thermenhotel in exclusiver Lage. "Diesem Wunsch wollen wir uns als Gemeinde nicht verschließen", sagt Martin Lauber. Ein Tagungs- oder Thermenhotel mit rund 250 Betten sei durchaus vorstellbar, weil sich nur in dieser Größenordnung ein Haus profitabel führen lasse, so der Zweite Bürgermeister.

Als weitere Forderungen durch Investoren stünden häufig eine verbesserte Infrastruktur, ein verschönerter Kurpark und ein adäquates gemeindliches Marketing im Raum. "Für rund 35 Millionen Euro ist das Gesamtpaket für einen Interessenten zu haben", schätzt Lauber. Derzeit sei die Marktgemeinde auf der Suche nach einem Investor, doch noch sei nichts spruchreif.

Vehement weist das Bürgermeisterduo Unverdorben/Lauber die Möglichkeit zurück, die Pachtzahlungen der GWC AG an die Marktgemeinde auszusetzen oder zu reduzieren: "Wir müssen im Interesse unserer Bürger handeln. Eine Kürzung der Pacht und somit eine Laufzeitverlängerung löst nicht allein die Probleme der Zukunft. So werden wir nie entflechten können." Genau daran wollen sie trotz der drohenden Insolvenz festhalten. "Die Probleme sind im Konzern, hier müssen sie gelöst werden, nicht in der Marktgemeinde."

Es sei klar, dass ein "schmerzhafter Prozess" bevorstehe. Viele ungelöste Dinge aus der Vergangenheit zeigten sich jetzt. Unverdorben: "Der Sanierungsstau fesselt uns nun." Doch es sei nicht die Aufgabe einer Kommune, die AG zu retten. Die Ursachen lägen woanders. Bereits 2002 sei die Kommune als Retterin eingesprungen. Damals standen die Um- und Anbauten sowie die Sanierung an. Kostenpunkt: 16 Millionen Euro. Die Kommune habe sich damals bereit erklärt, Fördergelder vom bayerischen Staat von rund fünf Millionen Euro zu beantragen. So schrumpfte dann das nötige Investitionsvolumen von rund 16 Millionen Euro auf elf Millionen Euro, für die eben jener Pachtvertrag zwischen Marktgemeinde und GWC AG geschlossen wurde. "Aber wir sind keine Bank und müssen zuerst unseren kommunalen Aufgaben nachkommen", sagt die Bürgermeisterin.

Dennoch ist auch dem Führungsduo der Marktgemeinde bewusst, dass die Situation für alle dramatisch ist. Denn gehen in der AG die Lichter aus, ist das auch ein extremer Schlag für Bad Endorf. "Die Dimension ist gar nicht abzumessen", so die Bürgermeisterin. Deshalb werde man nun "in alle Richtungen" Gespräche führen: Mit der Kommunalaufsicht, mit der Kommune und mit der Regierung. Und nur gemeinsam mit dem Vorstand der GWC AG ließen sich tragfähige Lösungen finden. Lauber: "Schließlich sitzen wir alle im gleichen Boot."

Nichtsdestotrotz solle niemand schwarz sehen: "Wir glauben an das Potential der Chiemgau Thermen, der GWC AG und von Bad Endorf." Der Gast profitiere vom Gesundheitsangebot, von den Bergen, den Wandermöglichkeiten rund um den Simssee sowie den Shoppingmöglichkeiten in Salzburg, München und Rosenheim. Aber eines sei klar: "Wir nehmen für die GWC AG kein Geld in die Hand."

Man werde sich ohne Hektik die einzelnen Posten, die in der Summe zur Drohverlustrückstellung führten, genau anschauen. "Vielleicht können wir ja die Schieflage korrigieren, indem wir die einzelnen Probleme wie die problematische und kostenintensive Bohrung II, Brandschutz oder Lüftung lösen", so Unverdorben.

Sigrid Knothe/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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