Wüstenschiffe in Rosenheim gestrandet

Rosenheim - Eine Dortmunder Zirkusfamilie sitzt mit ihren 27 Tieren in der Stadt fest: "Uns fehlt das Geld für die Heimreise. Nicht einmal für Tierfutter reicht es mehr." ** Video folgt**    

Familie Lieberum aus Dortmund hat sich den Start ins neue Jahr anders vorgestellt. "Wir sitzen hier fest mit unseren Tieren und können nicht weg", klagt Christian Lieberum. Der Dompteur hat vom 25. Dezember bis 6. Januar Kunststücke mit seinen Kamelen, Dromedaren, Lamas, Ponys,Ziegen, Eseln und Pferden in der Manege vorgeführt.

Familie Lieberum

Die Familie wurde vom österreichischen National-Circus Louis Knie engagiert und sollte für zwölf Vorstellungen 7200 Euro bekommen, zusätzlich sollte der Veranstalter für die Anfahrtskosten von 1250 Euro aufkommen. "Der Zirkusdirektor Rolf Krames schuldet uns noch 2400 Euro, die Kosten für den Transport stehen auch noch aus", sagt Michael Lieberum, der Bruder des Dompteurs. Die Familie habe nun kein Geld mehr für Tierfutter und Sprit. Donnerstagnachmittag hätten die Tiere die letzten Heureste gefressen.

In seinem Wohnwagen zeigt Lieberum rosenheim24.de den bestehenden Vertrag zwischen der Familie und dem Geschäftsführer des österreichen National-Circus, Frank Schiffermann. Darin ist die Gage von 7200 Euro festgehalten und die Erstattung der Anfahrtskosten von 1250 Euro. Fakt ist aber, dass Schiffermann die Spritrechnungen der Zirkusleute aus Dortmund sehr wohl bezahlt hat, rund 1300 Euro. Eine Kopie der Tankbelege liegt rosenheim24.de vor.

Der Circus will die Vorwürfe der Artisten nicht auf sich sitzen lassen: "Wir haben der Familie Lieberum bisher 4800 Euro für acht Auftritte bezahlt, die Restsumme von 2400 Euro werden wir dann überweisen, wenn wir selbst wieder liquid sind", erklärt Schiffermann. Es könne bei Zirkusunternehmen durchaus vorkommen, dass nicht immer gleich die volle Gage für Artisten oder Dompteure bezahlt werde. Doch spätestens Ende Februar/Anfang März werde die Summe auf das Konto der Lieberums überwiesen sein.

Rolf Krames und Frank Schiffermann

Schiffermann ist sauer. "Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass die Familie sich als arm verkauft und uns jetzt Betrug vorwirft." Wer innerhalb weniger Tage rund 6000 Euro bekomme und dennoch behaupte, er habe kein Geld mehr für Tierfutter und Sprit, den könne er nicht ernst nehmen, schimpft Schiffermann.

Christian Lieberum steht mit seiner Familie vor dem Gehege der Lamas und wirkt niedergeschlagen.  "Eines der Lamas ist schwanger und bekommt bald ein Jungtier. Wir müssen so schnell wie möglich zurück nach Dortmund, denn hier ist es zu kalt für eine Geburt. Wir hoffen, dass uns Bauern aus der Region helfen mit einer Futterspende." Den Sprit für die Lkw, so hofft er, werde vielleicht eine Spedition spenden.

Das Zelt des Zirkus ist fast abgebaut, die meisten Artisten sind schon weg. Nur Christian Lieberum und seine Familie campieren noch mit ihren Tieren auf der frostigen Wiese vor den Toren der Stadt. Wie lange, das wissen sie selbst nicht. (sf)                                          

Rubriklistenbild: © ck/ro24

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