Ein Zander sieht Rot - Beißattacke am Badesee

Bad Endorf - Ein 70 Zentimeter langer Fisch – vermutlich ein Zander – hat im Langbürgner See einem elfjährigen Buben so heftig in den Fuß gebissen, dass das Opfer eine stark blutende Wunde am Fuß davon trug.

War das eine Aufregung am Langbürgner See - Plötzlich schrie Julius laut auf. Ein 70 Zentimeter langer Fisch - vermutlich ein Hecht oder Zander - hatte sich am rechten Fuß des elfjährigen Buben festgebissen. Da war es vorbei mit der Bade-Idylle: Mit einer stark blutenden Wunde lag Julius am Ufer, eine große Menschenmenge eilte herbei, um ihm zu helfen - und wenige Sekunden später war niemand mehr im Wasser.

Einen Tag nach dem "Unglück" kann Julius schon wieder lachen. Mit Bruder Benedikt (14) und dessen Freund Simon (14) sitzt er daheim in Truchtlaching (Gemeinde Seeon-Seebruck) im Garten. Und natürlich gibt es dabei nur ein Thema: die Fisch-Attacke.

Benedikt und Simon waren auch dabei. Sie schwammen schon im Langbürgner See, der auf Bad Endorfer Gemeindegebiet liegt, während Julius am Badeplatz an der Kreisstraße, die nach Rimsting führt, noch in Ufernähe im seichten Wasser stand. Als er mit dem rechten Fuß wedelte, um die Temperatur zu testen, passierte es. Der Fisch schnappte zu und biss sich regelrecht im rechten großen Zeh des Buben fest. Vermutlich hatten ihn die Schwenkbewegungen irritiert.

Julius schrie vor Schreck und Schmerz laut auf, erst nach einigen Sekunden ließ der Fisch wieder los. "Der war mindestens einen Dreiviertelmeter groß", schätzen die drei Buben. Auch Benedikt, Simon und andere Badegäste - von den Rufen Julius' aufgeschreckt - sahen den Übeltäter "flüchten".

Weil die sofort herbeigerufene Mutter von Julius Ärztin ist, musste der Elfjährige nicht ins Krankenhaus. Die Mama fand ihren Sohn in einer Blutlache am Ufer. Sie diagnostizierte "sieben Einschnitte am großen Zeh - wie von einem Messer".

Die anderen Badegäste seien entsetzt gewesen, so die Mutter weiter: "Die meisten haben nach dem Schreck ihre Luftmatratzen und Handtücher wieder eingepackt und sind heimgefahren." Die Szenerie erinnerte an den Lago Maggiore, wo Mitte Juli ein Riesen-Zander reihenweise Touristen anfiel und Panik verbreitete, bis Taucher der Seepolizei das acht Kilo schwere und 70 Zentimeter lange Tier erlegten. Zwei Schwimmer mussten im Krankenhaus behandelt werden, einer erlitt sogar eine zehn Zentimeter lange Bisswunde.

So schlimm war es bei Julius glücklicherweise nicht. Während der tapfere Bub für ein paar Tage einen dicken Verband tragen muss, wird im Chiemgau darüber diskutiert, um welchen Fisch es sich handelte. "Ein Hecht war es nicht", sagen die Buben. Deshalb tippen Experten auf einen Zander. "Zander sind aggressiver als Hechte - und im Langbürgner See gibt es davon jede Menge", sagt Hermann Frese, Gerätewart beim Kreisfischereiverein Rosenheim.

"Dass ein Fisch zubeißt, kommt in heimischen Gewässern selten vor", erklärt Ulrich Limburg, Fachberater für Fischerei beim Bezirk Oberbayern. Er kann sich den Angriff nur damit erklären, dass die Fische durch den Sauerstoffmangel im Sommer "narrisch" sind. "Ich würde aber trotz der Schilderungen eher auf einen Hecht tippen", so Limburg.

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