Das Ziel der Wasserwacht lautet: Leben retten

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Auch einen Einblick in ihre Arbeit gab die Wasserwacht: Sie rettete einen - zu Übungszwecken - gekenterten Segler.

Chieming - Ihr 50-jähriges Bestehen feierte am Wochenende die Wasserwacht Chieming. Beim Jubiläum gab es zahlreiche "Verletzte" - allerdings nur zu Showzwecken.

Die Retter arbeiten ehrenamtlich, aber dennoch professionell. Die nötigen Mittel und die Anerkennung dafür bekam die Wasserwacht indes nicht von Beginn an. Das zeigt der Blick in die Chronik.

"Am 31. August 1951 wütete ein gewaltiger Sturm über dem Chiemsee." Mit diesen Worten beginnt die Festschrift, welche die Wasserwacht Chieming zum 50-jährigen Bestehen herausgebracht hat. Fünf Menschen kamen damals ums Leben. Das Unglück zeigte, dass Chieming eine organisierte Wasserwacht brauchte. Im Januar 1961 war es soweit: Eine Gruppe, die zuvor lose zusammengearbeitet hatte, gründete offiziell die Ortsgruppe Chieming der Wasserwacht - mit Josef Herzinger als Vorstand.

Franz Göth, heute stellvertretender Vorsitzender der Kreiswasserwacht Traunstein, war damals dabei. Er kann sich an die Überzeugungsarbeit erinnern, welche die Gründer leisten mussten: "Es kam zu der kuriosen Situation, dass die Leute gesagt haben: Am Ostufer ist es so gefährlich, da segelt keiner - also brauchen wir auch keine Wasserwacht."

Die Wasserwacht ehrte Mitglieder für besondere Leistungen. Auf unserem Foto sind zu sehen (von links) Franz Fasold und Franz Göth, Andreas Hunglinger, Hans-Michael Weisky, Vorstand der Kreiswasserwacht, Elfriede Meier, Bernhard Ratay, Vorsitzender der Wasserwacht Chieming, Markus Meier, Christian Ellmaier und Markus Ellmaier.

Am Sonntag wurden Franz Göth und Franz Fasold für ihre langjährigen Tätigkeiten als ehemalige Vorstände und als Mitglieder der Wasserwacht Chieming von ihren Kollegen geehrt. Bei seiner Dankesrede erzählte Göth, er habe auf das Wort seines Vaters gesetzt, der immer gesagt habe, es müsse erst gesät werden, um zu ernten. "Ich habe gesät und nun können die Jüngeren ernten", so der ehemalige Vorsitzende. Auf die vielen Aktiven, die sein Lebenswerk fortsetzen, sei er stolz.

Bernhard Ratay, Vorstand der Wasserwacht Chieming, und Hans-Michael Weisky, Vorstand der Kreiswasserwacht, verliehen außerdem sechs Wasserwachtsmedaillen in Bronze und fünf in Gold. Ratay selbst hatte die Goldmedaille vor wenigen Wochen erhalten. Er war mit zwölf Jahren zur Wasserwacht gekommen und ist inzwischen seit 13 Jahren Vorstand. Er erinnert sich gut an das zweite große Unglück, das schließlich alle davon überzeugte, wie wichtig die Wasserwacht ist: ein Unwetter im Mai 1987, bei dem es wieder Tote gab, viele aber auch gerettet werden konnten. "Das war der Einsatz, der uns alle bisher am meisten mitgenommen hat", so Ratay.

Heute ist die Wasserwacht mit modernsten Geräten ausgerüstet. Am Samstag zeigten die Mitglieder, wie sie damit im Ernstfall Leben retten. Die Jugendgruppe versorgte einen - angenommenen - Hundebiss und leistete Erste Hilfe bei einem "Fahrradsturz". Der Hund "Chrissy" fand einen Jungen, der unter Holzbalken versteckt lag. Und ein ganzes Team an Einsatzkräften rückte zu den Klängen von schmetternder Filmmusik mit dem Schnellboot aus und rettete einen - zu Übungszwecken - gekenterten Segler.

Auch die großräumige Rettungsstation war für Besucher geöffnet. Beim Bau des Hauses, so wissen es die Mitglieder zu berichten, hatte sich die Wasserwacht abermals mit ihren Wünschen gegen Widerstände durchsetzen müssen. Am Ostufer waren ein aufwendiger Bau und eine Mole nötig, um die Wellen, die hier bis zu zweieinhalb Meter hoch werden, abzuhalten.

"Wir haben uns hier der Natur angepasst", fasste es der ehemalige Vorstand Franz Göth am Sonntag zusammen. Für die weitere Unterstützung der Wasserwacht überreichten sechs Chieminger Vereine dem Vorsitzenden Bernhard Ratay einen Scheck über 600 Euro. Die Wasserwacht Bergen schenkte den Kollegen zum Jubiläum einen Leuchtaufsteller mit dem Wasserwachtszeichen. Auch der Zweite Bürgermeister von Chieming, Georg Hunglinger, und der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner gratulierten den Jubilaren.

Bernhard Ratay bedankte sich abschließend bei seinem Team mit den Worten: "Ich bin verdammt stolz auf den ganzen Sauhaufen!"

naw/Chiemgau-Zeitung

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