Zu schnell am Krankenhaus vorbei

Prien - An zwei Dutzend Stellen im Priener Gemeindegebiet stehen Blitzer für Geschwindigkeitskontrollen. Am häufigsten gehen Temposünder am Krankenhaus ins Netz.

An zwei Dutzend Stellen im Priener Gemeindegebiet blitzt es auch manchmal, wenn kein Gewitter ist. Dort überwacht ein Zweckverband im Auftrag der Kommune, ob sich Autofahrer an die erlaubten Geschwindigkeiten halten. Die meisten Temposünder tappen am Krankenhaus in die Radarfalle. Insgesamt sind es aber weniger, als mancher vermuten würde.

Mehr als jeder fünfte Autofahrer hat den Fuß zu fest auf dem Gaspedal, wenn er in der Harrasser Straße die Romed-Klinik passiert. Zuletzt waren bei einer Radarmessung von 700 Fahrzeugen, die vorbei kamen, 150 zu schnell, fuhren also mindestens 36 km/h, berichtete Andreas Friedrich, Leiter des Ordnungsamts im Rathaus, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Das Tempo ist dort vor allem auch mit Rücksicht auf die Patienten auf 30 km/h begrenzt.

Das Krankenhaus ist eine von derzeit 24 Messstellen im Gemeindegebiet. Festgelegt werden sie in unregelmäßigen Abständen vom Gemeinderat oder dessen Hauptausschuss. Auslöser sind zumeist Beschwerden von Anwohnern und in der Folge Erkenntnisse aus Kontrollen mit dem eigenen, kommunalen Tempomessgerät.

Diese Tafel mit der gelben Digitalanzeige steht zurzeit in Osternach und soll Friedrich zufolge heuer unter anderem auch noch in der Neugartenstraße postiert werden, weil sich dort Anwohner über vermeintliche Schnellfahrer beschwert haben.

Das Tempomessgerät wird im Wechsel mit aktiver Anzeige, die dem Autofahrer sein Tempo vor Augen führt, und ohne Anzeige verwendet. Auch wenn keine gelben Zahlen aufleuchten, erfasst das Gerät nämlich die Zahl der Fahrzeuge und deren Geschwindigkeit. Mit diesem Wechselspiel will die Gemeinde überprüfen, ob der Einsatz eine erzieherische Wirkung hat und Autofahrer langsamer werden, wenn sie ihr zu schnelles Tempo einmal haben aufleuchten sehen.

Ordnungsamt gibt Kontrollstellen vor

Fotos macht das kommunale Tempomessgerät nicht, dafür ist der Kommunale Zweckverband Oberland zuständig, der im Auftrag des Marktes Prien den fließenden und ruhenden Verkehr überwacht, also auch die Knöllchen für Falschparker auf kostenpflichtigen Stellflächen verteilt.

Die Mitarbeiter des Zweckverbands sind - mit Radaranlagen im Heck von Autos oder Lasergeräten, grauen Kästen am Fahrbahnrand - im Schnitt an sieben Tagen pro Monat in Prien. Die jeweiligen Einsatzstellen werden ihnen vom Ordnungsamt vorgegeben.

Vor Beginn der Sommerferien lag ein Schwerpunkt der kommunalen Messungen im Bereich Hochries-/Spitzstein- und Jensenstraße, weil sich einige Eltern von Kindern aus den Franziska-Hager-Schulen über vermehrte Schnellfahrer in diesem Gebiet beschwert hatten. Der subjektive Verdacht bestätigte sich nicht.

Friedrich zufolge waren bei vier Mess-Intervallen im Juni und Juli morgens und zur Mittagszeit in beiden Fahrtrichtungen in der Jensenstraße von 38835 Fahrzeugen genau 506 schneller als die erlaubten 50 km/h, also nur 1,3 Prozent. Gut 2300 weitere Autos beziehungsweise knapp sechs Prozent waren im Toleranzbereich unterwegs, fuhren also zwischen 50 und 55 km/h, was noch nicht zu einer gebührenpfllichtigen Verwarnung führt.

Absperrketten wurden verlängert

Weil einige Eltern zusätzlich moniert hatten, dass verhältnismäßig viele Autofahrer und Fußgänger die Zebrastreifen an der Kreuzung Hochries-/Spitzsteinstraße ignorieren würden, hat die Gemeinde nun die Absperrketten von der Bahnunterführung bis zu den Fußgängerübergängen verlängert, damit Fußgänger auch wirklich auf den Zebrastreifen die Straße überqueren.

Wirkung gezeigt haben offenbar die vermehrten Radarmessungen auf der Staatsstraße an der Ortsausfahrt nach Rimsting. Im Vergleich zu früheren Statistiken gerieten dort nur noch vergleichsweise wenige Fahrzeuge in den Radarblitz. Bei einer Messung in jüngerer Vergangenheit waren laut Friedrich von 700 Autos dort 24 beziehungsweise drei Prozent zu schnell. Erlaubt ist bis zum Ortsschild Tempo 50, das optisch erkennbare Ortsende verleitet dort aber immer wieder Fahrzeuglenker, zu früh aufs Gas zu gehen.

Auch ein weiterer Straßenabschnitt, der immer wieder mal in Verdacht steht, dass sich dort viele nicht an Tempo 50 halten, entpuppt sich bei der Auswertung der Radarmessungen des Zweckverbands als vergleichsweise harmlos.

Auf Höhe der Einkaufsmärkte und der BayWa in der Hochriesstraße mussten zuletzt bei einer knapp zweistündigen Radarkontrolle genau fünf Autofahrer verwarnt werden - von 1200, die in diesem Zeitraum vorbeikamen. Der Anteil der Temposünder lag dort also bei 0,4 Prozent.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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