Zusammen essen, spielen, lernen

Prien - Sie treffen sich täglich um viertel nach zwölf: 55 Kinder aus dem Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG) und der Priener Realschule nutzen die Ganztagsbetreuung, die beide Schulen heuer gemeinsam eingeführt haben.

Unter der Obhut von Mitarbeitern der Diakonie wird zusammen gegessen, gespielt und dann die Hausaufgaben erledigt.

Mit dem neuen Angebot der offenen Ganztagsschule (OGS), wie es offiziell heißt, haben die beiden Schulen gemeinsam vor allem der veränderten Lebenswelt in vielen Elternhäusern Rechnung getragen. Immer öfter müssen in Familien auch die Mütter Geld dazu verdienen. Alleinerziehende sind ohnehin meist froh, wenn ihr Nachwuchs zumindest tageweise unter Aufsicht ist, während sie arbeiten müssen. Die Elternbeiräte hatten sich bei den Schulleitungen mit Erfolg für die OGS stark gemacht.

Weil das Kultusministerium (18000 Euro pro Gruppe und Schuljahr) und das Landratsamt (je 5000) Personal- und Sachkosten tragen, müssen die Eltern lediglich für das Mittagessen (inklusive Getränk und Nachspeise) aufkommen. Es kostet 3,50 Euro pro Tag.

Mitarbeiter der Diakonie holen die Realschüler zum Unterrichtsende ab und begleiten sie in die Mensa des LTG, wo die Gymnasiasten derweil schon die Tische gedeckt haben. Die Realschüler müssen dafür nachher abräumen, bevor alle gemeinsam in die "Teestube" marschieren. Was sie dort etwa eine halbe Stunde lang spielen, um vor den Hausaufgaben ein bisschen durchzuschnaufen, bleibt ihnen großteils selbst überlassen.

Sport, um sich abzureagieren, ist gerade jetzt im Winter nicht möglich, bedauerten Diplom-Sozialpädagogin Kristina Malinger von der Diakonie und LTG-Elternbeiratsvorsitzender Winfried Lackner im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Die Hallen beider Schulen sind unterrichtsbedingt durchgehend belegt.

Um das Freizeitangebot erweitern zu können, sucht die Diakonie derzeit Spender von Bastelmaterial. Wer Farben, Stifte, Perlen für Ketten, dickes Papier oder Ähnliches übrig hat, kann sich bei Kristina Malinger im Jugendtreff "Teestube", Telefon 08051/ 64542, oder per Mail an kristina.malinger@diakonie-rosenheim.de melden.

Auf 366 Stunden pro Woche summieren sich die Betreuungszeiten. Etwa ein Drittel der über 50 Kinder geht ins LTG, das die Ganztagsbetreuung zunächst nur für die fünfte Klasse angeboten hat. Im nächsten Schuljahr soll es auf die nächste Jahrgangsstufe ausgedehnt werden, kündigte Oberstudiendirektor Günther Madsack an - vorausgesetzt, die Finanzierungsanträge für die Gruppen werden bewilligt.

Wegen der Regularien der Finanzierung mussten Eltern ihren Nachwuchs auch bindend für das ganze Schuljahr anmelden. Zwei Nachmittage sind dabei das Minimum und auch das, was die meisten in Anspruch nehmen. Die Realschule hatte die Betreuung für alle Fünft- bisNeuntklassler angeboten. Aber auch dort sind es fast ausschließlich Mädchen und Buben aus den beiden unteren Jahrgangsstufen, die angemeldet sind, berichtete Konrektorin Andrea Dorsch.

Die Nachmittagsbetreuung bietet nach Essen und Spiel in der "Studierzeit" keine Nachhilfe für schwächere Schüler. Das war im Vorfeld schon bei der Anmeldung und bei Elternabenden betont worden. Unter Aufsicht der Mitarbeiter der Diakonie werden in drei Gruppen in Räumen im Neubau der Realschule Hausaufgaben erledigt und Stoff für den nächsten Schultag gelernt.

"Wir fragen schon mal Vokabeln oder Gedichte ab", erzählt Malinger, betont aber auch, dass die Kinder in erster Linie angeleitet werden sollen, selbstständiger zu arbeiten.

Die Mädchen und Buben selbst haben teilweise schon erkannt, dass die Schularbeiten in inzwischen vertrauter Obhut ihre Vorteile haben. "Man ist nicht so abgelenkt wie zuhause", erzählen beispielsweise die beiden Realschülerinnen Corinna aus Eggstätt und Isabella aus Bad Endorf. Und auch das "Kantinenessen" in der LTG-Mensa bekommt von den "Kunden" gute Noten. Es schmeckt immer gut", bestätigen Annalena aus Weisham und Marina aus Bad Endorf, beide ebenfalls Realschülerinnen. Sie sind in der Ganztagsbetreuung, weil die Mutter der Einen täglich arbeiten muss und die andere Mama oft Nachtschicht hat, erzählen sie.

Um 15.15 Uhr endet die Betreuungszeit offiziell, also drei Stunden nach Unterrichtsende. Kinder, die dann noch warten müssen, bis Bus oder Bahn sie nachhause bringen, nehmen die Mitarbeiter der Diakonie so lange noch mit in die "Teestube".

Die meisten Eltern loben nach den ersten Monaten die OGS. Annette Hermann aus Prien beispielsweise hält sie für eine "super Einrichtung". Ihr Sohn David, Fünftklassler am LTG, gehe gern hin und erledige seine Hausaufgaben auch "sehr gewissenhaft". Das sei auch ein Verdienst der "guten Betreuung".

Genauso sieht es Martina Mitterer aus Bad Endorf. Sie hat gleich drei Kinder in der OGS. Magdalena, Paul und Alexander gehen alle in die Realschule. Sie schätze vor allem die Hausaufgabenbetreuung, aber auch den Umstand, dass in der Betreuung nicht nur weibliche Kräfte der Diakonie tätig sind, was der Disziplin gerade der Buben zugute komme. Dem Gruppenerlebnis gewinnt sie ebenfalls etwas ab. "Sie können und müssen sich engagieren", sieht Mitterer einen positiven Effekt für das Sozialverhalten der Kinder.

Dirk Breitfuß/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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