Zustand "nicht zumutbar"

+
Die "Alte Post" in der Bahnhostraße ist das älteste Gebäude, das dem Markt Prien gehört. Es wurde 1890 erbaut, wird also heuer 120 Jahre alt. Seit einigen Jahren sind dort soziale Institutionen wie Caritas und Arbeiterwohlfahrt sowie die Musikschule daheim.

Prien - Der Markt Prien ist als Eigentümer von Häusern und Wohnungen gefordert. Der Rechnungsprüfungsausschuss hat für den Großteil der kommunalen Objekte "dringenden Sanierungsbedarf" angemahnt.

Der Zustand sei teilweise "für die Mieter nicht zumutbar".

In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates hatte der Ausschuss unter Vorsitz von Jürgen Schuster (CSU) seine Erkenntnisse aus der Prüfung der Jahresrechnung 2007 vorgelegt. Ein umfangreicher Teil war den kommunalen Mietshäusern gewidmet.

160.000 Euro nimmt der Markt Prien jährlich an Mieten für 20 Objekte ein, die ihm gehören. Die Prüfer attestierten ihnen "zum Teil einen dringenden Sanierungsbedarf. Der Zustand entspricht nicht dem Mindeststandard und ist teilweise für die Mieter unzumutbar, zum Beispiel in der Kampenwandstraße 2", heißt es im Prüfbericht.

"Lediglich in zwei Objekten wurden 2006 neue Fenster installiert. Weitere Maßnahmen wurden nur bei aktuellen Schäden durchgeführt, um die Bewohnbarkeit aufrechtzuerhalten. Zum Teil gibt es nicht sanierte Schäden durch Schimmel und Feuchtigkeit. Auch dringend nötige Maßnahmen wurden bisher aus finanziellen Gründen immer wieder verschoben, zum Beispiel die Dachsanierung am Objekt Beilhackstraße 16", schreiben die Prüfer.

Ihr Fazit: "Der aktuelle Sanierungsstau ist durch jahrelanges Ignorieren notweniger Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen entstanden. Dadurch ist vermutlich ein erheblicher Werteverlust der Gebäude eingetreten."

In den Jahren 2008 waren beziehungsweise sind jeweils 250.000 Euro für Sanierungsmaßnahmen in die Haushalte der Marktgemeinde eingestellt worden. Diese Gelder seien aber "nicht vollständig" abgerufen worden, erklärte Kämmerer Georg Schmid auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung. Für heuer hatte der Marktgemeinderat in den Etatberatungen den Verkauf eines gemeindlichen Gebäudes beschlossen. Der ist allerdings noch nicht über die Bühne.

Der Rechnungsprüfungsausschuss hat nun eine Bestandsaufnahme vorgeschlagen, bei der sich der Gemeinderat vor Ort selbst ein Bild vom Zustand der Häuser und ihrer Wohnungen machen soll. Einige Gebäude haben keine Zentralheizung, sondern Holz- oder Ölöfen. Ein Baufachmann soll eine Kostenschätzung für alle notwenigen Sanierungsmaßnahmen erarbeiten, bevor ein Zeitplan aufgestellt wird. Bei allen Überlegungen sollen die sozialen Verhältnisse der Mieter berücksichtigt werden.

Die Mieten wurden zum Teil seit 1992 nicht mehr "angepasst", bei der günstigsten Wohnung wird eine Kaltmiete von 1,85 Euro pro Quadratmeter angesetzt. Auch bei höherwertigen Wohnungen sei eine moderate Anpassung nach Angaben der Verwaltung meist nicht durchsetzbar gewesen. Für diejenigen Objekte, die qualitaitv höherwertig sind, fordert der Ausschuss nun dieFestlegung einer "adäquaten Miete" unter Berücksichtigung des Sozialstatus der Mieter.

Schließlich regen die Prüfer noch eine Festlegung an, was künftig mit den Mieteinnahmen geschieht. Bisher sind sie in den allgemeinen Haushalt geflossen, also nicht sachbezogen berücksichtigt worden.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser