Den Zwang mit dem Zwang behandeln

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Prien - Immer wieder Hände waschen, die Herdplatte kontrollieren, quälende Zwangsgedanken - Alltag für 1,5 Millionen Deutsche. Experten diskutierten zum Thema "Zwang".

In der Schön Klinik Roseneck diskutierten zwei Tage lang mehr als 200 Experten aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und den USA über Therapieansätze für solche Zwangserkrankungen.

In einem waren sich die Teilnehmer einig: Immer noch dauert es mit im Schnitt sechs Jahren zu lange, bevor ein Erkrankter eine Behandlung beginnt. Nur jeder zweite Patient erhalte innerhalb der ersten Therapie eine"Expositionsbehandlung", heißt es in einem Resümmee der Tagung. Dieser Behandlungsansatz sei bei Zwängen und Ängsten besonders wichtig. Bei einer Exposition setze sich der Betroffene Stück für Stück jenen Situationen aus, die er sonst meide.

In Begleitung eines Therapeuten fassen Patienten beispielsweise Türklinken im Kaufhaus an, ohne sich anschließend die Hände zu waschen und damit ihr Zwangsritual zu vollziehen. Sie erleben dabei, dass die befürchteten Konsequenzen - wie eine schwere Infektion - nicht eintreten. Der Zwang verliere im Alltag des Betroffenen so an Bedeutung; Therapiefortschritte würden möglich.

"Expositionen müssen gründlich vorbereitet und sollten zu Beginn vom Therapeuten begleitet werden", sagte Gastgeber Professor Dr. Ulrich Voderholzer, Ärztlicher Direktor der Schön Klinik Roseneck.

Unter seiner Leitung haben Forscher 525 Zwangspatienten detailliert befragt, welche Therapien ihnen geholfen haben. Die direkte Konfrontation mit Zwangsreizen im Rahmen einer Verhaltenstherapie erlebten Betroffene dabei mit Abstand am effektivsten.

Vielfach kann heute geholfen werden

"Während Zwangsstörungen früher als sehr schwer behandelbar galten, zeigen wissenschaftliche Studien heute, dass bis zu 70 Prozent der Patienten mit Verhaltenstherapie und Expositionen geholfen werden kann", betonte Voderholzer.

Warum trotzdem viele Patienten gar nicht oder sehr spät eine effektive Behandlung erhalten, hat aus Sicht der Tagungsteilnehmer verschiedene Gründe. Eine Rolle spielt die Scham der Betroffenen, die ihr Leiden verheimlichen. Wenn dann der Entschluss zur Therapie erfolgt, reichten ambulante Behandlungen oft nicht aus. re

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © DPA

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser